29.09.26
10:52
Reuters
| * Anthropic strebt Börsenwert von zwei Billionen Dollar an |
| * Europas Chipfirmen profitieren |
| * Ölpreise steigen zunächst weiter |
| * Hohe Anleihe-Renditen belasten |
| (Neu: Europäische Börsen) |
| Frankfurt, 29. Sep (Reuters) - Der geplante |
| Mega-Börsengang des KI-Entwicklers Anthropic lässt Anleger an |
| den europäischen Aktienmärkten verstärkt bei Technologiefirmen |
| zugreifen. Der Dax(.GDAXI) lag am Dienstagmittag rund ein halbes |
| Prozent im Plus bei 25.510 Punkten; der EuroStoxx50(.STOXX50E) |
| stieg bis zu 0,8 Prozent auf 6353 Zähler. "An den Aktienmärkten |
| bildet weiterhin die KI-Phantasie ein starkes Gegengewicht zum |
| belastenden Zinsanstieg", konstatierten Analysten der Landesbank |
| Baden-Württemberg (LBBW). |
Der KI-Entwickler Anthropic strebt bei seinem geplanten US-Börsengang eine Marktkapitalisierung von mehr als zwei Billionen Dollar an. Dies geht aus dem Emissionsprospekt hervor, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. "Exorbitant sind bei Anthropic vor allem die geplanten Ausgaben für KI-Infrastruktur in Höhe von 518 Milliarden Dollar in den kommenden Jahren", so die LBBW-Analysten. Die Wachstumsaussichten der erst vor fünf Jahren gegründeten Firma befeuerten Spekulationen auf eine langfristig hohe Nachfrage nach KI-Chips und trieben vor allem europäische Halbleiterfirmen an. Die Furcht vor außer Kontrolle geratenen KI-Modellen, die in fremde IT-Systeme eindringen, trat etwas in den Hintergrund.
Angesichts der weiter steigenden Ölpreise und der hohen Anleihe-Renditen blieb die Stimmung dennoch verhalten. "Solange die Zinsen steigen, ist das Umfeld für die Aktienmärkte extrem schwierig", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "In diesem Umfeld ist der volatile Seitwärtsmarkt, den wir beim Dax aktuell sehen, so etwas wie das bestmögliche Szenario."
Anhaltende Sorgen über Lieferengpässe im Nahen Osten trieben die Ölpreise zunächst weiter an. Die Nordseesorte Brent(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) verteuerten sich jeweils in der Spitze um mehr als zwei Prozent auf 107,87 Dollar und 94,74 Dollar je Barrel. Im Handelsverlauf bröckelte das Plus aber wieder ab. "Ein klareres Bild von höheren Ölexportmengen, die den Golf verlassen, zeichnet sich ab, aber ein Großteil dieses Anstiegs beruht immer noch auf Notlösungen wie Umladungen von Schiff zu Schiff", sagte Analyst Tim Waterer von KCM Trade. Diese Methoden seien weniger effizient und teurer als der normale Betrieb.
Zugleich trieben Anleger von Katar vermittelte Gespräche um, um doch noch ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran zu erreichen. US-Präsident Donald Trump erklärte jedoch, er habe dem Iran nichts zur Beendigung des Krieges angeboten. Trump wies Medienberichte zurück, in denen US-Beamte zitiert wurden, wonach er bereit sei, Sanktionen zu lockern und eingefrorene Gelder freizugeben, sofern "konkrete" Schritte in Bezug auf das iranische Atomprogramm unternommen würden.
Die Sorge, dass hohe Energiepreise die Inflation anheizen und die Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingen könnten, lastet seit Wochen auf den Aktienmärkten. Die Rendite der als Benchmark geltenden zehnjährigen US-Staatsanleihe(US10YT=RR) blieb nahe ihrem höchsten Stand seit 2007 von 5,27 Prozent. Der Ausverkauf von Anleihen in der Eurozone pausierte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen(DE10YT=RR) sank um zwei Basispunkte auf 3,625 Prozent und gab damit zum ersten Mal seit sechs Tagen nach. Am Montag war der Referenzzinssatz der Eurozone mit 3,6526 Prozent auf den höchsten Stand seit 17 Jahren gestiegen.
Der europäische Technologie-Index(.SX8P) zog mehr als zwei Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch. Die Aktien der Branchenschwergewichte Infineon(IFXGn.DE), ASML(ASML.AS) und ASMI(ASMI.AS) legten jeweils um rund vier Prozent zu. Die Papiere von AT&S(ATSV.VI), Aixtron(AIXGn.DE) und Siltronic(WAFGn.DE) gewannen zwischen 4,8 und mehr als sechs Prozent. Die Titel des österreichisch-deutschen Halbleiter- und Licht-Konzerns ams-Osram(AMS.S) kletterten mehr als sieben Prozent.
Wegen des unerwartet starken Wachstums im Geschäft mit Rechenzentren schraubte Legrand(LEGD.PA) seine Mittelfristziele nach oben. Anleger zeigten sich hocherfreut und trieben die Titel des französischen Elektrotechnik-Konzerns mehr als sieben Prozent nach oben. Aktien von Hapag-Lloyd(HLAG.DE) verteuerten sich um rund fünf Prozent, nachdem die Hochseereederei am Vorabend ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben hatte.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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Der KI-Entwickler Anthropic strebt bei seinem geplanten US-Börsengang eine Marktkapitalisierung von mehr als zwei Billionen Dollar an. Dies geht aus dem Emissionsprospekt hervor, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. "Exorbitant sind bei Anthropic vor allem die geplanten Ausgaben für KI-Infrastruktur in Höhe von 518 Milliarden Dollar in den kommenden Jahren", so die LBBW-Analysten. Die Wachstumsaussichten der erst vor fünf Jahren gegründeten Firma befeuerten Spekulationen auf eine langfristig hohe Nachfrage nach KI-Chips und trieben vor allem europäische Halbleiterfirmen an. Die Furcht vor außer Kontrolle geratenen KI-Modellen, die in fremde IT-Systeme eindringen, trat etwas in den Hintergrund.
Angesichts der weiter steigenden Ölpreise und der hohen Anleihe-Renditen blieb die Stimmung dennoch verhalten. "Solange die Zinsen steigen, ist das Umfeld für die Aktienmärkte extrem schwierig", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "In diesem Umfeld ist der volatile Seitwärtsmarkt, den wir beim Dax aktuell sehen, so etwas wie das bestmögliche Szenario."
Anhaltende Sorgen über Lieferengpässe im Nahen Osten trieben die Ölpreise zunächst weiter an. Die Nordseesorte Brent(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) verteuerten sich jeweils in der Spitze um mehr als zwei Prozent auf 107,87 Dollar und 94,74 Dollar je Barrel. Im Handelsverlauf bröckelte das Plus aber wieder ab. "Ein klareres Bild von höheren Ölexportmengen, die den Golf verlassen, zeichnet sich ab, aber ein Großteil dieses Anstiegs beruht immer noch auf Notlösungen wie Umladungen von Schiff zu Schiff", sagte Analyst Tim Waterer von KCM Trade. Diese Methoden seien weniger effizient und teurer als der normale Betrieb.
Zugleich trieben Anleger von Katar vermittelte Gespräche um, um doch noch ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran zu erreichen. US-Präsident Donald Trump erklärte jedoch, er habe dem Iran nichts zur Beendigung des Krieges angeboten. Trump wies Medienberichte zurück, in denen US-Beamte zitiert wurden, wonach er bereit sei, Sanktionen zu lockern und eingefrorene Gelder freizugeben, sofern "konkrete" Schritte in Bezug auf das iranische Atomprogramm unternommen würden.
Die Sorge, dass hohe Energiepreise die Inflation anheizen und die Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingen könnten, lastet seit Wochen auf den Aktienmärkten. Die Rendite der als Benchmark geltenden zehnjährigen US-Staatsanleihe(US10YT=RR) blieb nahe ihrem höchsten Stand seit 2007 von 5,27 Prozent. Der Ausverkauf von Anleihen in der Eurozone pausierte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen(DE10YT=RR) sank um zwei Basispunkte auf 3,625 Prozent und gab damit zum ersten Mal seit sechs Tagen nach. Am Montag war der Referenzzinssatz der Eurozone mit 3,6526 Prozent auf den höchsten Stand seit 17 Jahren gestiegen.
Der europäische Technologie-Index(.SX8P) zog mehr als zwei Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch. Die Aktien der Branchenschwergewichte Infineon(IFXGn.DE), ASML(ASML.AS) und ASMI(ASMI.AS) legten jeweils um rund vier Prozent zu. Die Papiere von AT&S(ATSV.VI), Aixtron(AIXGn.DE) und Siltronic(WAFGn.DE) gewannen zwischen 4,8 und mehr als sechs Prozent. Die Titel des österreichisch-deutschen Halbleiter- und Licht-Konzerns ams-Osram(AMS.S) kletterten mehr als sieben Prozent.
Wegen des unerwartet starken Wachstums im Geschäft mit Rechenzentren schraubte Legrand(LEGD.PA) seine Mittelfristziele nach oben. Anleger zeigten sich hocherfreut und trieben die Titel des französischen Elektrotechnik-Konzerns mehr als sieben Prozent nach oben. Aktien von Hapag-Lloyd(HLAG.DE) verteuerten sich um rund fünf Prozent, nachdem die Hochseereederei am Vorabend ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben hatte.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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