15.09.26
17:10
Reuters
* Anleiherenditen ziehen kräftig an
* "Aktienmärkte können Anleihen-Verkaufswelle nicht ignorieren"
| * Ölpreise klettern weiter |
| * Chemiefirmen und Banken rutschen ab |
| (Neu: Europäische Börsen) |
| Frankfurt, 15. Sep (Reuters) - Der wochenlange |
| Ausverkauf am Anleihemarkt hat neue Dynamik gewonnen und auch |
| die Anleger an den europäischen Aktienbörsen in Atem gehalten. |
| Nach teils deutlicheren Kursverlusten schlossen Dax(.GDAXI) und |
| EuroStoxx50(.STOXX50E) am Dienstag mit 25.402 und 6236 Punkten |
| nur noch leicht im Minus. "Die Aktienmärkte können die |
| Verkaufswelle, die weltweit über die Anleihemärkte rollt, nicht |
| ignorieren", kommentierte Jochen Stanzl, Analyst der |
| Consorsbank. Für erhöhten Druck sorgten auch weiter steigende |
| Ölpreise und zunehmende Wetten auf eine Zinserhöhung der |
| US-Notenbank Fed an diesem Mittwoch. An der Street lagen die |
| großen Indizes bis zu 0,9 Prozent im Minus. |
Im Vorfeld des Zinsentscheids zogen die Renditen von US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit(US10YT=RR) auf 5,041 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007 an. Damit lag die Realverzinsung erstmals seit Oktober 2023 wieder über der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent. Auch die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen(DE10YT=RR) zogen gut vier Basispunkte an auf 3,572 auf den höchsten Stand seit 17 Jahren. "Anleger, die in den letzten Handelstagen dachten, die Anleihemärkte ignorieren zu können, werden nun von der Realität eingeholt", sagte Stanzl.
Die Vorstöße der Huthis im Jemen und die Drohnenangriffe, die die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens als Alternativroute zur Straße von Hormus lahmgelegt hatten, trieben die Ölpreise weiter an. Die Rohölsorte Brent(LCOc1) verteuerte sich bis zum Abend um 2,3 Prozent auf 108,13 Dollar je Barrel. Nach dem jüngsten Anstieg auf ein Vier-Jahres-Hoch gaben die Gaspreise in Europa indes leicht nach. Die Versorgungslage blieb jedoch angespannt.
Trotz steigender Energiepreise im Zuge des Iran-Kriegs blickten Börsianer etwas zuversichtlicher auf die deutsche Wirtschaft. Das vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW ermittelte Konjunkturbarometer legte im September allerdings nur um 0,5 auf 34,7 Zähler zu und damit nicht so stark wie angenommen. Das Ergebnis sei damit gemischt, sagte Maximilian Wienke, Analyst bei der Handelsplattform etoro. Der besseren Stimmung stünden erhebliche Belastungen gegenüber. "Ölpreise von mehr als 100 Dollar erhöhen die Kosten und den Inflationsdruck, während hohe Anleiherenditen die Finanzierungskosten erhöhen und Investitionen verteuern."
Die steigenden Energiekosten setzten auch Chemiefirmen in Europa zu. Ein düsterer Analystenausblick zog vor allem Lanxess(LXSG.DE) nach unten. Die Aktie des Spezialchemiekonzerns verbilligte sich in der Spitze um mehr als sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit knapp einem halben Jahr, nachdem JPMorgan das Kursziel auf 15 von zuvor 18 Euro gesenkt hatte. Die Experten der US-Bank schraubten zugleich ihre Gewinnschätzungen zurück und begründeten dies mit den stark gestiegenen Energiekosten. Für Lanxess rechnet die Bank für das Jahr 2027 mit zusätzlichen Energiekosten von rund 250 Millionen Euro. Auch andere Chemiefirmen gerieten unter Druck. So gaben die Aktien von Evonik(EVKn.DE), BASF(BASFn.DE), Syensqo(SYENS.BR) und Arkema(AKE.PA) zeitweise jeweils mehr als zwei Prozent nach.
Federn ließ auch der europäische Bankensektor. Nach pessimistischen Äußerungen vom Chef der Bank of America (BofA) brachen die Aktien der Deutschen Bank(DBKGn.DE) in der Spitze gut vier Prozent ein und hielten damit die rote Laterne im Dax. Auch die Titel der Deutsche-Bank-Tochter DWS(DWSG.DE) gaben bis zu rund fünf Prozent nach und gehörten damit zu den schwächsten Werten im MDax. Die Aktien des Schweizer Kreditinstituts UBS(UBSG.S) rutschten in der Spitze 5,8 Prozent ab und waren damit Schlusslicht im Schweizer Blue-Chip-Index(.SSMI). Ein Händler sowie Analysten verwiesen auf Aussagen von BofA-Chef Brian Moynihan am Vortag.
"Die Aussagen des CEO der Bank of America, Moynihan, fegen derzeit wie ein Sturm durch die internationale Bankenszene und zeigen die Grenzen des Wachstums in der Bankenbranche auf", kommentierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets. "Die Wachstumsaussichten scheinen für die Investmentbanken und Vermögensverwalter zunehmend abzunehmen." Die Bank of America rechnet nach den Worten ihres Chefs im dritten Quartal mit einem Rückgang im Investmentbanking um mindestens zehn Prozent. Zugleich dürften die Umsätze im Bereich Sales und Trading unverändert bleiben. "Was wir beobachten, ist, dass der Markt im Investmentbanking insgesamt um etwa zehn Prozent zurückgegangen ist", sagte Moynihan am Montag auf der globalen Finanzdienstleistungskonferenz von Barclays.
(Bericht von Stefanie Geiger und Olaf Brenner. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
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15.09.26
17:10
Reuters
(Neu: Europäische Börsen) Frankfurt, 15. Sep (Reuters) - Der wochenlange Ausverkauf am Anleihemarkt hat neue Dynamik gewonnen und auch die Anleger an den europäischen Aktienbörsen in Atem gehalten. Nach teils deutlicheren Kursverlusten schlossen Dax(.GDAXI) und EuroStoxx50(.STOXX50E) am Dienstag mit 25.402 und 6236 Punkten nur noch leicht im Minus. "Die Aktienmärkte können die Verkaufswelle, die weltweit über die Anleihemärkte rollt, nicht ignorieren", kommentierte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank. Für erhöhten Druck sorgten auch weiter steigende Ölpreise und zunehmende Wetten auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed an diesem Mittwoch. An der Street lagen die großen Indizes bis zu 0,9 Prozent im Minus.
Im Vorfeld des Zinsentscheids zogen die Renditen von US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit(US10YT=RR) auf 5,041 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007 an. Damit lag die Realverzinsung erstmals seit Oktober 2023 wieder über der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent. Auch die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen(DE10YT=RR) zogen gut vier Basispunkte an auf 3,572 auf den höchsten Stand seit 17 Jahren. "Anleger, die in den letzten Handelstagen dachten, die Anleihemärkte ignorieren zu können, werden nun von der Realität eingeholt", sagte Stanzl.
<h5 align=center> ÖLPREISE STEIGEN WEITER</h5> Die Vorstöße der Huthis im Jemen und die Drohnenangriffe, die die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens als Alternativroute zur Straße von Hormus lahmgelegt hatten, trieben die Ölpreise weiter an. Die Rohölsorte Brent(LCOc1) verteuerte sich bis zum Abend um 2,3 Prozent auf 108,13 Dollar je Barrel. Nach dem jüngsten Anstieg auf ein Vier-Jahres-Hoch gaben die Gaspreise in Europa indes leicht nach. Die Versorgungslage blieb jedoch angespannt.Trotz steigender Energiepreise im Zuge des Iran-Kriegs blickten Börsianer etwas zuversichtlicher auf die deutsche Wirtschaft. Das vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW ermittelte Konjunkturbarometer legte im September allerdings nur um 0,5 auf 34,7 Zähler zu und damit nicht so stark wie angenommen. Das Ergebnis sei damit gemischt, sagte Maximilian Wienke, Analyst bei der Handelsplattform etoro. Der besseren Stimmung stünden erhebliche Belastungen gegenüber. "Ölpreise von mehr als 100 Dollar erhöhen die Kosten und den Inflationsdruck, während hohe Anleiherenditen die Finanzierungskosten erhöhen und Investitionen verteuern."
<h5 align=center> CHEMIEFIRMEN UND BANKEN UNTER DRUCK</h5> Die steigenden Energiekosten setzten auch Chemiefirmen in Europa zu. Ein düsterer Analystenausblick zog vor allem Lanxess(LXSG.DE) nach unten. Die Aktie des Spezialchemiekonzerns verbilligte sich in der Spitze um mehr als sechs Prozent auf den niedrigsten Stand seit knapp einem halben Jahr, nachdem JPMorgan das Kursziel auf 15 von zuvor 18 Euro gesenkt hatte. Die Experten der US-Bank schraubten zugleich ihre Gewinnschätzungen zurück und begründeten dies mit den stark gestiegenen Energiekosten. Für Lanxess rechnet die Bank für das Jahr 2027 mit zusätzlichen Energiekosten von rund 250 Millionen Euro. Auch andere Chemiefirmen gerieten unter Druck. So gaben die Aktien von Evonik(EVKn.DE), BASF(BASFn.DE), Syensqo(SYENS.BR) und Arkema(AKE.PA) zeitweise jeweils mehr als zwei Prozent nach. <p align=center><b>* * * *</p></b> <h5 align=center>INDIZES:</h5> * (.STOXX50E)......Europäischer EuroStoxx-Index 50 Werte * (.GDAXI).........Frankfurter Dax-Index 30 Werte * (.MDAXI).........Frankfurter MDax-Index 50 Werte * (.TECDAX)........Frankfurter Wachstumswerte * (.SDAXI).........Frankfurter Kleinwerteindex SDax * (0#.STOXX50E)....Alle EuroStoxx50-Werte im Überblick * (0#.GDAXI).......Alle Dax-Werte im Überblick * (0#.MDAXI).......Alle MDax-Werte im Überblick * (0#.TECDAX)......Alle TecDax-Werte im Überblick * (.V2TX)..........VStoxx - EuroStoxx50-Volatilitätsindex * (.V1XI)..........VDax - Dax-Volatilitätsindex <h5 align=center>DEVISEN:</h5> * (EUR=)...........Euro in Dollar * (JPY=)...........Dollar in Yen * (GBP=)...........Dollar in Pfund Sterling * (CHF=)...........Dollar in Franken <h5 align=center>FUTURES:</h5> * (0#STXE:)........EuroStoxx-Future * (0#FDX:).........DAX-Future * (0#DJ:)..........Dow Jones-Future * (0#ND:)..........Nasdaq-Future * (0#SP:)..........S&P 500-Future <h5 align=center>ROHSTOFFE:</h5> * (XAU=)...........Gold * (CMCU3)..........Kupfer <h5 align=center>ÜBERSICHT AKTIENMÄRKTE: </h5> * Größte Kursgewinner/-verlierer EuroStoxx50...(.PGL.STOXX50E)Federn ließ auch der europäische Bankensektor. Nach pessimistischen Äußerungen vom Chef der Bank of America (BofA) brachen die Aktien der Deutschen Bank(DBKGn.DE) in der Spitze gut vier Prozent ein und hielten damit die rote Laterne im Dax. Auch die Titel der Deutsche-Bank-Tochter DWS(DWSG.DE) gaben bis zu rund fünf Prozent nach und gehörten damit zu den schwächsten Werten im MDax. Die Aktien des Schweizer Kreditinstituts UBS(UBSG.S) rutschten in der Spitze 5,8 Prozent ab und waren damit Schlusslicht im Schweizer Blue-Chip-Index(.SSMI). Ein Händler sowie Analysten verwiesen auf Aussagen von BofA-Chef Brian Moynihan am Vortag.
"Die Aussagen des CEO der Bank of America, Moynihan, fegen derzeit wie ein Sturm durch die internationale Bankenszene und zeigen die Grenzen des Wachstums in der Bankenbranche auf", kommentierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets. "Die Wachstumsaussichten scheinen für die Investmentbanken und Vermögensverwalter zunehmend abzunehmen." Die Bank of America rechnet nach den Worten ihres Chefs im dritten Quartal mit einem Rückgang im Investmentbanking um mindestens zehn Prozent. Zugleich dürften die Umsätze im Bereich Sales und Trading unverändert bleiben. "Was wir beobachten, ist, dass der Markt im Investmentbanking insgesamt um etwa zehn Prozent zurückgegangen ist", sagte Moynihan am Montag auf der globalen Finanzdienstleistungskonferenz von Barclays.
(Bericht von Stefanie Geiger und Olaf Brenner. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
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