09.09.26
16:41
Reuters
| * Nahost-Eskalation treibt Brent über 100 Dollar |
| * USA nehmen iranische Öltanker ins Visier |
| * Anleiherenditen in Euro-Zone auf Mehrjahreshochs |
| * Fortum profitiert von Google-Vertrag |
| (Neu: Schlusskurse, Wall Street) |
| Frankfurt, 09. Sep (Reuters) - Hohe Energiepreise haben |
| die europäischen Aktienmärkte zur Wochenmitte abrutschen lassen. |
| Der Dax(.GDAXI) verlor 1,7 Prozent auf 25.576 Punkte. Der |
| EuroStoxx50(.STOXX50E) büßte 1,6 Prozent auf 6312 Zähler ein. |
| Auch an der Wall Street gaben die drei wichtigsten Indizes am |
| Mittwoch knapp ein Prozent nach. Die erneute Eskalation im Nahen |
| Osten trieb den Preis für Brent-Öl erstmals seit Mitte Juli |
| wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je |
| Barrel. Anleger fürchteten eine langfristige Unterbrechung der |
| Ölversorgung. |
"Die erneute Eskalation im Nahen Osten und die damit verbundenen Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus ergeben derzeit kein angenehmes Investitionsumfeld", kommentierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets. Der Iran hat nach eigenen Angaben am Mittwoch zehn Schiffe nahe der Straße von Hormus angegriffen. Zuvor hatte das US-Militär nach eigener Darstellung fünf iranische Öltanker versenkt. Zudem feuerte der Iran Raketen auf einen von US-Truppen genutzten Stützpunkt in Jordanien ab. Es war die schwerste Welle gegenseitiger Angriffe auf die Schifffahrt seit Beginn des Krieges Ende Februar.
Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent(LCOc1) verteuerte sich um bis zu 3,7 Prozent auf 101,55 Dollar. Seit Anfang August ist der Preis für Brent-Öl um rund ein Viertel gestiegen. Vor Beginn des Krieges hatte der Preis bei rund 70 Dollar gelegen. "Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden. Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft", sagte Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.
Am Markt gilt es bereits als ausgemacht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Teuerung am Donnerstag den für die Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50 Prozent hochsetzen wird. "In diesem Umfeld besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, morgen deutliche und warnende Worte zur zukünftigen Zinspolitik findet, die weiteren Verkaufsdruck erzeugen", warnte Lipkow.
An den Anleihemärkten kletterten die Renditen im Vorfeld auf Mehrjahreshochs. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe(DE10YT=RR) stieg um bis zu sieben Basispunkte auf 3,431 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2011. "Die Kombination aus erhöhten Ölpreisen, Sorgen um die durch die Dürre bedingte Lebensmittelinflation und anhaltender Unsicherheit hinsichtlich der Gasversorgungsrisiken stützt weiterhin die Risikoprämie des Marktes", sagt Evelyne Gomez Liechti, Strategin bei Mizuho. Die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen(FR10YT=RR) erreichten mit 4,2827 Prozent ein neues 18-Jahres-Hoch.
Der Preisauftrieb machte Aktien aus dem Öl- und Gassektor begehrt: Der europäische Branchenindex(.SXEP) gewann zeitweise rund ein Prozent. Mehr als 15 Prozent aufwärts ging es für die Aktien von Fortum(FORTUM.HE). Der finnische Energiekonzern schloss einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit Google(GOOGL.O).
Europäische Rüstungswerte standen hingegen unter Druck. Rheinmetall(RHMG.DE)-Aktien hielten mit einem Abschlag von knapp vier Prozent die rote Laterne im Dax. Bei den deutschen Nebenwerten standen Renk(R3NK.DE) und Hensoldt(HAGG.DE) jeweils mehr als drei Prozent im Minus. Ein Händler verwies in diesem Zusammenhang auf das Ringen um Frieden in der Ukraine. US-Präsident Donald Trump hatte sich in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für ein baldiges Ende des Krieges in der Ukraine ausgesprochen. Auch Finanz- und Versicherungswerte flogen aus den Depots.
Anleger reagierten zudem enttäuscht auf die operative Gewinnentwicklung von Inditex(ITX.MC) im zweiten Quartal. Die Aktien des Zara-Mutterkonzerns brachen zeitweise mehr als fünf Prozent ein. Aktien von Auto1(AG1G.DE) sackten um mehr als sechs Prozent ab, nachdem der Finanzchef der Online-Gebrauchtwagenplattform, Christian Wallentin, sein Amt aus familiären Gründen niedergelegt hat. Ein Nachfolger muss noch gefunden werden.
(Bericht von Stefanie Geiger und Anika Ross, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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(Neu: Schlusskurse, Wall Street) Frankfurt, 09. Sep (Reuters) - Hohe Energiepreise haben die europäischen Aktienmärkte zur Wochenmitte abrutschen lassen. Der Dax(.GDAXI) verlor 1,7 Prozent auf 25.576 Punkte. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) büßte 1,6 Prozent auf 6312 Zähler ein. Auch an der Wall Street gaben die drei wichtigsten Indizes am Mittwoch knapp ein Prozent nach. Die erneute Eskalation im Nahen Osten trieb den Preis für Brent-Öl erstmals seit Mitte Juli wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel. Anleger fürchteten eine langfristige Unterbrechung der Ölversorgung.
"Die erneute Eskalation im Nahen Osten und die damit verbundenen Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus ergeben derzeit kein angenehmes Investitionsumfeld", kommentierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets. Der Iran hat nach eigenen Angaben am Mittwoch zehn Schiffe nahe der Straße von Hormus angegriffen. Zuvor hatte das US-Militär nach eigener Darstellung fünf iranische Öltanker versenkt. Zudem feuerte der Iran Raketen auf einen von US-Truppen genutzten Stützpunkt in Jordanien ab. Es war die schwerste Welle gegenseitiger Angriffe auf die Schifffahrt seit Beginn des Krieges Ende Februar.
Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent(LCOc1) verteuerte sich um bis zu 3,7 Prozent auf 101,55 Dollar. Seit Anfang August ist der Preis für Brent-Öl um rund ein Viertel gestiegen. Vor Beginn des Krieges hatte der Preis bei rund 70 Dollar gelegen. "Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden. Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft", sagte Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.
Am Markt gilt es bereits als ausgemacht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Teuerung am Donnerstag den für die Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50 Prozent hochsetzen wird. "In diesem Umfeld besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, morgen deutliche und warnende Worte zur zukünftigen Zinspolitik findet, die weiteren Verkaufsdruck erzeugen", warnte Lipkow.
An den Anleihemärkten kletterten die Renditen im Vorfeld auf Mehrjahreshochs. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe(DE10YT=RR) stieg um bis zu sieben Basispunkte auf 3,431 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 2011. "Die Kombination aus erhöhten Ölpreisen, Sorgen um die durch die Dürre bedingte Lebensmittelinflation und anhaltender Unsicherheit hinsichtlich der Gasversorgungsrisiken stützt weiterhin die Risikoprämie des Marktes", sagt Evelyne Gomez Liechti, Strategin bei Mizuho. Die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen(FR10YT=RR) erreichten mit 4,2827 Prozent ein neues 18-Jahres-Hoch.
Der Preisauftrieb machte Aktien aus dem Öl- und Gassektor begehrt: Der europäische Branchenindex(.SXEP) gewann zeitweise rund ein Prozent. Mehr als 15 Prozent aufwärts ging es für die Aktien von Fortum(FORTUM.HE). Der finnische Energiekonzern schloss einen langfristigen Stromabnahmevertrag mit Google(GOOGL.O).
Europäische Rüstungswerte standen hingegen unter Druck. Rheinmetall(RHMG.DE)-Aktien hielten mit einem Abschlag von knapp vier Prozent die rote Laterne im Dax. Bei den deutschen Nebenwerten standen Renk(R3NK.DE) und Hensoldt(HAGG.DE) jeweils mehr als drei Prozent im Minus. Ein Händler verwies in diesem Zusammenhang auf das Ringen um Frieden in der Ukraine. US-Präsident Donald Trump hatte sich in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für ein baldiges Ende des Krieges in der Ukraine ausgesprochen. Auch Finanz- und Versicherungswerte flogen aus den Depots.
Anleger reagierten zudem enttäuscht auf die operative Gewinnentwicklung von Inditex(ITX.MC) im zweiten Quartal. Die Aktien des Zara-Mutterkonzerns brachen zeitweise mehr als fünf Prozent ein. Aktien von Auto1(AG1G.DE) sackten um mehr als sechs Prozent ab, nachdem der Finanzchef der Online-Gebrauchtwagenplattform, Christian Wallentin, sein Amt aus familiären Gründen niedergelegt hat. Ein Nachfolger muss noch gefunden werden.
(Bericht von Stefanie Geiger und Anika Ross, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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