08.09.26
16:41
Reuters
| * Brent-Ölpreis steuert 100-Dollar-Marke an |
| * EZB und Fed im Blick |
| * Leere Gasspeicher bereiten Sorgen |
| * Novartis mit Rekord-Kurssturz |
| (Neu: Schlusskurse, Kupfer) |
| Frankfurt, 08. Sep (Reuters) - An den Aktienmärkten in |
| Europa haben Anleger auf die gestiegenen Preise für Öl und Gas |
| zurückhaltend reagiert. Der Dax(.GDAXI) und der |
| EuroStoxx50(.SOXX50E) gingen am Dienstag nahezu unverändert mit |
| rund 26.000 und 6413 Punkten aus dem Handel. Der Brent-Ölpreis |
| kletterte wieder in Richtung der 100-Dollar-Marke und befeuerte |
| die Furcht vor einer hartnäckigen Inflation und steigenden |
| Zinsen. |
"Die Anleger treten auf die Bremse und warten vor den wichtigen Entscheidungen und Konjunkturdaten am Ende der Woche zunächst ab", kommentierte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets. "Der Ölpreis bleibt damit das Fieberthermometer der Aktienmärkte." An den Finanzmärkten gilt es bereits als ausgemachte Sache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag den zum Steuern des geldpolitischen Kurses wichtigen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent hochsetzen wird. "Weitaus wichtiger sind die Aussagen von EZB-Chefin Christine Lagarde zur weiteren Zinspolitik sowie Inflationsbekämpfung", sagte Molnar.
Wenige Tage später werde wohl auch die US-Notenbank an der Zinsschraube drehen. Vor diesem Hintergrund warteten Investoren mit Spannung auf die am Freitag anstehenden US-Inflationsdaten. Der zuletzt unerwartet stark ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht hatte die Zinsspekulationen angetrieben. Händler preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für eine Zinserhöhung der Federal Reserve in diesem Monat ein. Der Dollar-Index(.DXY) blieb dennoch unter Druck und notierte 0,3 Prozent schwächer bei 98,87 Punkten. Dazu trug auch der japanische Yen bei, der zum Dollar auf ein Siebenmonatshoch kletterte.
Am Rohölmarkt zog angesichts der Spannungen im Nahen Osten der Preis für die Nordseesorte Brent(LCOc1) um bis zu 2,5 Prozent auf 99,46 Dollar je Fass. Der Preis für US-Leichtöl WTI(CLc1) stieg um 3,6 Prozent auf bis zu 94,73 Dollar. Investoren fürchteten Lieferengpässe, nachdem es zuletzt wieder zu gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran gekommen war. Zugleich zogen die Preise an, nachdem das saudiarabische Energieministerium Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Energieanlagen des Landes gemeldet hatte. Im Tagesverlauf ebbten die Aufschläge etwas ab, es blieb zunächst aber bei einer Teuerung der Ölpreise.
Der sich zuspitzende Konflikt im Nahen Osten und niedrige Füllstände der Gasspeicher katapultierten zudem die Gaspreise in Europa auf den höchsten Stand seit Januar 2023. Der europäische Gas-Future(TRNLTTFMc1) zog um fast fünf Prozent auf fast 77 Euro je Megawattstunde (MWh) an. Niedrige Lagerbestände in Europa befeuerten zudem die Sorgen über Versorgungsengpässe im Winter. Laut Daten von Gas Infrastructure Europe sind die europäischen Gasspeicher derzeit zu 66,90 Prozent gefüllt. Der deutsche Gasspeicherverband Ines warnte angesichts historisch niedriger Füllstände vor Engpässen bei der Erdgasversorgung im kommenden Winter.
Das knappe Angebot außerhalb der USA trieb den Kupferpreis auf ein frisches Rekordhoch. Kupfer zur Lieferung in drei Monaten(CMCU3) verteuerte sich an der Londoner Metallbörse LME um knapp zwei Prozent auf bis zu 14.779 Dollar je Tonne. Hintergrund ist Händlern zufolge ein starker Abfluss von Kupfer in die USA. Dort würden Zölle auf das Industriemetall erwartet. Dies führe zu einer Angebotsverknappung auf den Märkten außerhalb der USA, sagte ein Analyst des chinesischen Brokers Everbright Futures. Die Kupferbestände in den LME-Lagerhäusern sind seit Ende Mai um fast 40 Prozent gefallen. Zudem schürten Stürme in Chile und die Lage im Nahen Osten Sorgen um das Angebot, sagte Macquarie-Analystin Alice Fox. Der KI-Ausbau, Solarparks und Stromnetze treiben die Kupfernachfrage.
Bei den Einzelwerten erlebte Novartis(NOVN.S) den bislang größten Tagesverlust seiner Geschichte, nachdem der Schweizer Pharmakonzern innerhalb weniger Tage den zweiten herben Rückschlag bei der Medikamentenentwicklung verkraften musste. Die Titel stürzten mehr als zehn Prozent ab, nachdem Novartis einen Fehlschlag in einer entscheidenden Phase-III-Studie mit dem Hoffnungsträger Del-Desiran zur Behandlung einer seltenen Muskelerkrankung gemeldet hatte. Erst Ende vergangener Woche hatte der Konzern das Scheitern eines wichtigen Cholesterinmedikaments bekannt gegeben.
Größter Dax-Verlierer war Infineon(IFXGn.DE) mit einem Kursverlust knapp vier Prozent. Hintergrund sei die Herabstufung der Aktie durch Morgan Stanley auf "Equal-weight" von zuvor "Overweight", sagte ein Händler. Nach einer Hochstufung griffen Anleger dagegen beim Gabelstaplerhersteller Kion(KGX.DE) zu und trieben die Titel um fast sieben Prozent nach oben. Die US-Bank Citigroup setzte die Aktie auf "Buy" von zuvor "Neutral" und verwies auf einen möglichen Wendepunkt im Zyklus der Industriefahrzeuge. Sorgen über die Konkurrenz aus China seien insbesondere bei hochwertigen Staplern überzogen. Ferner könne ein zunehmender Protektionismus der EU die Bedenken von Pessimisten zerstreuen.
(Bericht von Stefanie Geiger und Philipp Krach, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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Frankfurt, 08. Sep (Reuters) - An den Aktienmärkten in Europa haben Anleger auf die gestiegenen Preise für Öl und Gas zurückhaltend reagiert. Der Dax(.GDAXI) und der EuroStoxx50(.SOXX50E) gingen am Dienstag nahezu unverändert mit rund 26.000 und 6413 Punkten aus dem Handel. Der Brent-Ölpreis kletterte wieder in Richtung der 100-Dollar-Marke und befeuerte die Furcht vor einer hartnäckigen Inflation und steigenden Zinsen.
"Die Anleger treten auf die Bremse und warten vor den wichtigen Entscheidungen und Konjunkturdaten am Ende der Woche zunächst ab", kommentierte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker RoboMarkets. "Der Ölpreis bleibt damit das Fieberthermometer der Aktienmärkte." An den Finanzmärkten gilt es bereits als ausgemachte Sache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag den zum Steuern des geldpolitischen Kurses wichtigen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent hochsetzen wird. "Weitaus wichtiger sind die Aussagen von EZB-Chefin Christine Lagarde zur weiteren Zinspolitik sowie Inflationsbekämpfung", sagte Molnar.
Wenige Tage später werde wohl auch die US-Notenbank an der Zinsschraube drehen. Vor diesem Hintergrund warteten Investoren mit Spannung auf die am Freitag anstehenden US-Inflationsdaten. Der zuletzt unerwartet stark ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht hatte die Zinsspekulationen angetrieben. Händler preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent für eine Zinserhöhung der Federal Reserve in diesem Monat ein. Der Dollar-Index(.DXY) blieb dennoch unter Druck und notierte 0,3 Prozent schwächer bei 98,87 Punkten. Dazu trug auch der japanische Yen bei, der zum Dollar auf ein Siebenmonatshoch kletterte.
Am Rohölmarkt zog angesichts der Spannungen im Nahen Osten der Preis für die Nordseesorte Brent(LCOc1) um bis zu 2,5 Prozent auf 99,46 Dollar je Fass. Der Preis für US-Leichtöl WTI(CLc1) stieg um 3,6 Prozent auf bis zu 94,73 Dollar. Investoren fürchteten Lieferengpässe, nachdem es zuletzt wieder zu gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran gekommen war. Zugleich zogen die Preise an, nachdem das saudiarabische Energieministerium Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf Energieanlagen des Landes gemeldet hatte. Im Tagesverlauf ebbten die Aufschläge etwas ab, es blieb zunächst aber bei einer Teuerung der Ölpreise.
Der sich zuspitzende Konflikt im Nahen Osten und niedrige Füllstände der Gasspeicher katapultierten zudem die Gaspreise in Europa auf den höchsten Stand seit Januar 2023. Der europäische Gas-Future(TRNLTTFMc1) zog um fast fünf Prozent auf fast 77 Euro je Megawattstunde (MWh) an. Niedrige Lagerbestände in Europa befeuerten zudem die Sorgen über Versorgungsengpässe im Winter. Laut Daten von Gas Infrastructure Europe sind die europäischen Gasspeicher derzeit zu 66,90 Prozent gefüllt. Der deutsche Gasspeicherverband Ines warnte angesichts historisch niedriger Füllstände vor Engpässen bei der Erdgasversorgung im kommenden Winter.
Das knappe Angebot außerhalb der USA trieb den Kupferpreis auf ein frisches Rekordhoch. Kupfer zur Lieferung in drei Monaten(CMCU3) verteuerte sich an der Londoner Metallbörse LME um knapp zwei Prozent auf bis zu 14.779 Dollar je Tonne. Hintergrund ist Händlern zufolge ein starker Abfluss von Kupfer in die USA. Dort würden Zölle auf das Industriemetall erwartet. Dies führe zu einer Angebotsverknappung auf den Märkten außerhalb der USA, sagte ein Analyst des chinesischen Brokers Everbright Futures. Die Kupferbestände in den LME-Lagerhäusern sind seit Ende Mai um fast 40 Prozent gefallen. Zudem schürten Stürme in Chile und die Lage im Nahen Osten Sorgen um das Angebot, sagte Macquarie-Analystin Alice Fox. Der KI-Ausbau, Solarparks und Stromnetze treiben die Kupfernachfrage.
Bei den Einzelwerten erlebte Novartis(NOVN.S) den bislang größten Tagesverlust seiner Geschichte, nachdem der Schweizer Pharmakonzern innerhalb weniger Tage den zweiten herben Rückschlag bei der Medikamentenentwicklung verkraften musste. Die Titel stürzten mehr als zehn Prozent ab, nachdem Novartis einen Fehlschlag in einer entscheidenden Phase-III-Studie mit dem Hoffnungsträger Del-Desiran zur Behandlung einer seltenen Muskelerkrankung gemeldet hatte. Erst Ende vergangener Woche hatte der Konzern das Scheitern eines wichtigen Cholesterinmedikaments bekannt gegeben.
Größter Dax-Verlierer war Infineon(IFXGn.DE) mit einem Kursverlust knapp vier Prozent. Hintergrund sei die Herabstufung der Aktie durch Morgan Stanley auf "Equal-weight" von zuvor "Overweight", sagte ein Händler. Nach einer Hochstufung griffen Anleger dagegen beim Gabelstaplerhersteller Kion(KGX.DE) zu und trieben die Titel um fast sieben Prozent nach oben. Die US-Bank Citigroup setzte die Aktie auf "Buy" von zuvor "Neutral" und verwies auf einen möglichen Wendepunkt im Zyklus der Industriefahrzeuge. Sorgen über die Konkurrenz aus China seien insbesondere bei hochwertigen Staplern überzogen. Ferner könne ein zunehmender Protektionismus der EU die Bedenken von Pessimisten zerstreuen.
(Bericht von Stefanie Geiger und Philipp Krach, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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