04.09.26
13:45
Reuters
| * Geldpolitik dürfte restriktiver werden |
| * EZB-Zinserhöhung gilt als gesetzt |
| * US-Börsen am Montag geschlossen |
| * Anleger blicken auf Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt |
| * Apple zeigt neue iPhones |
| - von Anika Ross |
| Frankfurt, 04. Sep (Reuters) - Die trübe Stimmung der |
| Dax-Anleger dürfte sich Strategen zufolge mit der Aussicht auf |
| weiter steigende Zinsen kaum aufhellen. Zum Start in den |
| Herbstmonat September verlor der Dax(.GDAXI) bei einem Stand von |
| 26.100 Punkten am Freitag auf Wochensicht bereits rund 1,8 |
| Prozent. Der Anstieg der Anleiherenditen rückte das Thema |
| Staatsverschuldung in den Vordergrund und der andauernde Krieg |
| im Nahen Osten treibt die Energiepreise. Eine Zinserhöhung der |
| Europäischen Zentralbank in der neuen Woche gilt unter den |
| Marktteilnehmern deswegen als gesetzt, während der weitere |
| Zinspfad in Europa und den USA ungewiss bleibt. |
Das Klima an den Börsen dürfte den Herbst hindurch jedenfalls stürmisch bleiben. Einige Investoren gehen deswegen vorsichtiger vor. "Starke Fundamentaldaten sind an den Aktienmärkten weitgehend eingepreist, während Risiken an Gewicht gewinnen", sagt Peter Reichel, Chief Investment Officer bei ODDO BHF. Sein Haus reduziere deswegen die Aktienquote in den verwalteten Portfolios und gehe zu einer leichten Untergewichtung von Aktien über. Das robuste Gewinnwachstum der Unternehmen und die dynamischen Gewinnerwartungen hätten die Kurse gestützt, "doch auf immer neue positive Gewinnüberraschungen kann man nicht dauerhaft bauen", warnt Reichel.
Börsianer rechnen angesichts der Inflationsentwicklung fest damit, dass der EZB-Rat am Donnerstag den für die Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anheben wird. Die Notenbank steht als Hüterin der Preisstabilität massiv unter Zugzwang. Infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks hat sich die Inflation mit 3,3 Prozent weit von ihrem Ziel von 2,0 Prozent entfernt. Nach der Zinserhöhung im Juni, der ersten seit fast drei Jahren, muss die EZB wohl nun nachlegen.
Wie sie den Zinspfad darüber hinaus gestalten wird, bleibt für viele Marktteilnehmer unklar. "Es erscheint wenig sinnvoll, in einem Umfeld, in dem die Inflation primär angebotsgetrieben und damit außerhalb der Einflusszone der Notenbank liegt, die Geldpolitik noch restriktiver zu gestalten", warnt Eckhard Schulte, Chef von MainSky Asset Management. Diese Zinserhöhung könne die Wirtschaft womöglich verkraften, weitere Schritte dürften die zyklische Konjunkturerholung in der Euro-Zone jedoch abwürgen, ergänzt er. Die Strategen der Helaba gehen von einer längeren Handlungspause der EZB aus. "Sie hat bereits viel erreicht, indem sie die Inflationsrisiken früh erkannt und zügig angegangen ist – anders als 2021/22."
Noch ungewisser als die weitere Zinsentwicklung in der Euro-Zone ist die Frage, wie die Federal Reserve in der Woche darauf entscheiden wird. "Nach Kevin Warshs Rede in Jackson Hole wäre es aus meiner Sicht schädlich für das Vertrauen in die US-Notenbank, wenn sie dann – selbst gegen den Willen von Donald Trump – Amerikas Leitzinsen nicht anhebt", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Ein überraschend stark ausgefallener Stellenaufbau in den USA im August schürte am Freitag Spekulationen auf steigende Zinsen. Unter dem Strich entstanden 162.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, Experten hatten nur mit 56.000 Jobs gerechnet.
Zum Wochenstart dürften hierzulande auch die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt für Gesprächsstoff sorgen. Wenige Tage zuvor lag die AfD einer Umfrage zufolge mit großem Abstand auf dem ersten Platz. Die Partei käme auf 41 Prozent der Stimmen und würde ihr Ergebnis von vor fünf Jahren damit in etwa verdoppeln. Für Investoren dürften vor allem mögliche Folgen für die Wirtschaftskraft von Interesse sein. "Teure populistische Wahlgeschenke und eine restriktive Einwanderungspolitik schaden der Wirtschaft nämlich", sagen die Strategen von Marcard, Stein & Co.
Bei den Wirtschaftsdaten werden die Anleger zu Beginn der neuen Woche vor allem auf die deutsche Industrieproduktion für Juli sowie das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im zweiten Quartal blicken. In den USA startet die Woche am Montag mit einem Feiertag (Labor Day), an dem die Aktienmärkte geschlossen bleiben. Am Donnerstag stehen die Produzentenpreise im Fokus, zum Wochenschluss folgen die August-Verbraucherpreise und das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen.
Bei den Unternehmen wird Apple(AAPL.O) zur Wochenmitte seine neuen iPhones präsentieren. Im Fokus bleibt auch die Entwicklung bei Volkswagen(VOWG_p.DE), nachdem der Aufsichtsrat den harten Sparkurs des Autobauers durchgewunken hat. Bei der Umsetzung des Sanierungsplans sind weitere Konflikte allerdings programmiert: Die Arbeitnehmervertreter werden ein gewichtiges Wort mitzureden haben, etwa beim geplanten Abbau von 50.000 Stellen.
(Redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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Das Klima an den Börsen dürfte den Herbst hindurch jedenfalls stürmisch bleiben. Einige Investoren gehen deswegen vorsichtiger vor. "Starke Fundamentaldaten sind an den Aktienmärkten weitgehend eingepreist, während Risiken an Gewicht gewinnen", sagt Peter Reichel, Chief Investment Officer bei ODDO BHF. Sein Haus reduziere deswegen die Aktienquote in den verwalteten Portfolios und gehe zu einer leichten Untergewichtung von Aktien über. Das robuste Gewinnwachstum der Unternehmen und die dynamischen Gewinnerwartungen hätten die Kurse gestützt, "doch auf immer neue positive Gewinnüberraschungen kann man nicht dauerhaft bauen", warnt Reichel.
Börsianer rechnen angesichts der Inflationsentwicklung fest damit, dass der EZB-Rat am Donnerstag den für die Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anheben wird. Die Notenbank steht als Hüterin der Preisstabilität massiv unter Zugzwang. Infolge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks hat sich die Inflation mit 3,3 Prozent weit von ihrem Ziel von 2,0 Prozent entfernt. Nach der Zinserhöhung im Juni, der ersten seit fast drei Jahren, muss die EZB wohl nun nachlegen.
Wie sie den Zinspfad darüber hinaus gestalten wird, bleibt für viele Marktteilnehmer unklar. "Es erscheint wenig sinnvoll, in einem Umfeld, in dem die Inflation primär angebotsgetrieben und damit außerhalb der Einflusszone der Notenbank liegt, die Geldpolitik noch restriktiver zu gestalten", warnt Eckhard Schulte, Chef von MainSky Asset Management. Diese Zinserhöhung könne die Wirtschaft womöglich verkraften, weitere Schritte dürften die zyklische Konjunkturerholung in der Euro-Zone jedoch abwürgen, ergänzt er. Die Strategen der Helaba gehen von einer längeren Handlungspause der EZB aus. "Sie hat bereits viel erreicht, indem sie die Inflationsrisiken früh erkannt und zügig angegangen ist – anders als 2021/22."
Noch ungewisser als die weitere Zinsentwicklung in der Euro-Zone ist die Frage, wie die Federal Reserve in der Woche darauf entscheiden wird. "Nach Kevin Warshs Rede in Jackson Hole wäre es aus meiner Sicht schädlich für das Vertrauen in die US-Notenbank, wenn sie dann – selbst gegen den Willen von Donald Trump – Amerikas Leitzinsen nicht anhebt", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Ein überraschend stark ausgefallener Stellenaufbau in den USA im August schürte am Freitag Spekulationen auf steigende Zinsen. Unter dem Strich entstanden 162.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, Experten hatten nur mit 56.000 Jobs gerechnet.
Zum Wochenstart dürften hierzulande auch die Ergebnisse der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt für Gesprächsstoff sorgen. Wenige Tage zuvor lag die AfD einer Umfrage zufolge mit großem Abstand auf dem ersten Platz. Die Partei käme auf 41 Prozent der Stimmen und würde ihr Ergebnis von vor fünf Jahren damit in etwa verdoppeln. Für Investoren dürften vor allem mögliche Folgen für die Wirtschaftskraft von Interesse sein. "Teure populistische Wahlgeschenke und eine restriktive Einwanderungspolitik schaden der Wirtschaft nämlich", sagen die Strategen von Marcard, Stein & Co.
Bei den Wirtschaftsdaten werden die Anleger zu Beginn der neuen Woche vor allem auf die deutsche Industrieproduktion für Juli sowie das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im zweiten Quartal blicken. In den USA startet die Woche am Montag mit einem Feiertag (Labor Day), an dem die Aktienmärkte geschlossen bleiben. Am Donnerstag stehen die Produzentenpreise im Fokus, zum Wochenschluss folgen die August-Verbraucherpreise und das von der Universität Michigan erhobene Verbrauchervertrauen.
Bei den Unternehmen wird Apple(AAPL.O) zur Wochenmitte seine neuen iPhones präsentieren. Im Fokus bleibt auch die Entwicklung bei Volkswagen(VOWG_p.DE), nachdem der Aufsichtsrat den harten Sparkurs des Autobauers durchgewunken hat. Bei der Umsetzung des Sanierungsplans sind weitere Konflikte allerdings programmiert: Die Arbeitnehmervertreter werden ein gewichtiges Wort mitzureden haben, etwa beim geplanten Abbau von 50.000 Stellen.
(Redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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