30.07.26
10:14
Reuters
* Dax tritt auf der Stelle
* Deutsches BIP steigt stärker als erwartet
* Fed lässt sich nicht in die Karten schauen
* Anleger sichern Inflationsrisiken ab
* Adidas vor grösstem Kursverlust seit 2014
(Neu: Europäische Börsen, Deutsches BIP, Airbus, Symrise, L'Oreal, Schneider, Anleiherenditen)
Frankfurt, 30. Jul (Reuters) - Angesichts wachsender Zins- und Inflationssorgen haben die Anleger an den europäischen Börsen am Donnerstag auf die Bremse getreten. Der Dax(.GDAXI) notierte gegen Mittag mit 25.474 Punkten kaum verändert. "Zwischen Krisenherden, Zinsfragen und KI-Zweifeln fehlt den Anlegern derzeit der entscheidende rote Faden", sagte Timo Emden von Emden Research. Gestützt auf eine Flut von Firmenbilanzen ging es für den EuroStoxx50(.STOXX50E) 0,6 Prozent nach oben auf 6287 Zähler. Die US-Börsen hatten deutlich im Minus geschlossen.
Anleger stellten sich die Frage, wann der nächste Zinsschritt in den USA erfolgen könnte und wie stark die wirtschaftlichen Risiken inzwischen auf die Entscheidungen der US-Notenbank durchschlagen, sagte Emden. Die Fed beließ den Leitzins am Mittwoch zwar in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei der zwölf Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) stimmten jedoch für eine Erhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh sagte nur wenig über den künftigen Zinspfad, was die Nervosität an den Märkten schürte. An den Finanzmärkten wird mehrheitlich mit einer geldpolitischen Straffung im September gerechnet.
Anleger zweifelten an der Entschlossenheit der Federal Reserve, die Inflation einzudämmen. Im Zuge dessen stieg die Verzinsung der 30-jährigen US-Treasuries auf den höchsten Stand seit 19 Jahren. Auch die Renditen europäischer Staatspapiere legten zu. "Es scheint, als ob das FOMC damit einverstanden wäre, dass der Markt die Finanzbedingungen anpasst, um Inflationsrisiken auszugleichen, ohne dass das FOMC explizit einen Beitrag leistet", sagte Elliot Clarke, Leiter der Abteilung für internationale Wirtschaft bei Westpac. "Die unmittelbare Reaktion des Marktes auf diese Idee war eine deutliche Versteilung der Zinsstrukturkurve, was die Besorgnis der Marktteilnehmer über die Inflation und die politische Unsicherheit unterstreicht."
Vor allem die hohen Energiepreise belasten die Stimmung in der Wirtschaft. Die Ölpreise stiegen den zweiten Tag in Folge, da erneute Angriffe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran die Öllieferungen über wichtige Schifffahrtsrouten beeinträchtigten. Insofern sorgte ein Anstieg des deutschen Bruttoinlandsproduktes von April bis Juni für Erleichterung. Im Schatten des Iran-Kriegs habe sich die deutsche Wirtschaft gut gehalten, sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Im Tagesverlauf stehen noch die deutschen Inflationsdaten für Juli und der PCE-Index der persönlichen Ausgaben der US-Konsumenten unter besonderer Beobachtung an den Börsen.
Zusätzlich hält die Berichtssaison die Anleger in Atem. Bei den Dax-Unternehmen stachen die Aktien von Adidas(ADSGn.DE) mit einem Kursrutsch von bis zu 17,9 Prozent hervor. Damit steuerten sie auf ihren schwärzesten Börsentag seit Juli 2014 zu. Zwar gab die Fußball-Weltmeisterschaft dem Sportartikelhersteller Rückenwind. Anlegern reiche die leicht angehobene Umsatzprognose für das Gesamtjahr jedoch nicht aus, sagte ein Händler. Auch der angekündigte Abgang von Finanzvorstand Harm Ohlmeyer komme nicht gut an. Puma(PUMG.DE)-Papiere verloren ebenfalls 3,5 Prozent. Bei Airbus(AIRG.DE) ging es rund 1,7 Prozent abwärts. Auch dort hätten Investoren mit einem starken Quartalsbericht bereits im Vorfeld gerechnet, sagten Börsianer. Nun dürften Anleger bei den Titeln Kasse machen.
Angetrieben von überraschend guten Zahlen stiegen die Aktien von Symrise(SY1G.DE) als größter Dax-Gewinner um mehr als sechs Prozent. Der Aromen- und Duftstoffhersteller übertraf mit einem organischen Umsatzwachstum von 4,5 Prozent die Schätzungen der Analysten. Die Aktien von Schneider Electric(SCHN.PA) legten um sieben Prozent zu, nachdem der Industriekonzern seine Jahresprognose angehoben hat. Die Papiere von L'Oreal(OREP.PA) gewannen 2,2 Prozent. Der in Paris ansässige Kosmetikkonzern hatte einen besser als erwarteten Umsatz für das zweite Quartal gemeldet.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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30.07.26
10:14
Reuters
(Neu: Europäische Börsen, Deutsches BIP, Airbus, Symrise, L'Oreal, Schneider, Anleiherenditen) Frankfurt, 30. Jul (Reuters) - Angesichts wachsender Zins- und Inflationssorgen haben die Anleger an den europäischen Börsen am Donnerstag auf die Bremse getreten. Der Dax(.GDAXI) notierte gegen Mittag mit 25.474 Punkten kaum verändert. "Zwischen Krisenherden, Zinsfragen und KI-Zweifeln fehlt den Anlegern derzeit der entscheidende rote Faden", sagte Timo Emden von Emden Research. Gestützt auf eine Flut von Firmenbilanzen ging es für den EuroStoxx50(.STOXX50E) 0,6 Prozent nach oben auf 6287 Zähler. Die US-Börsen hatten deutlich im Minus geschlossen. Anleger stellten sich die Frage, wann der nächste Zinsschritt in den USA erfolgen könnte und wie stark die wirtschaftlichen Risiken inzwischen auf die Entscheidungen der US-Notenbank durchschlagen, sagte Emden. Die Fed beließ den Leitzins am Mittwoch zwar in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Drei der zwölf Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) stimmten jedoch für eine Erhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh sagte nur wenig über den künftigen Zinspfad, was die Nervosität an den Märkten schürte. An den Finanzmärkten wird mehrheitlich mit einer geldpolitischen Straffung im September gerechnet.
ZINSEN STEIGEN - DEUTSCHE WIRTSCHAFT AUF WACHSTUMSKURS Anleger zweifelten an der Entschlossenheit der Federal Reserve, die Inflation einzudämmen. Im Zuge dessen stieg die Verzinsung der 30-jährigen US-Treasuries auf den höchsten Stand seit 19 Jahren. Auch die Renditen europäischer Staatspapiere legten zu. "Es scheint, als ob das FOMC damit einverstanden wäre, dass der Markt die Finanzbedingungen anpasst, um Inflationsrisiken auszugleichen, ohne dass das FOMC explizit einen Beitrag leistet", sagte Elliot Clarke, Leiter der Abteilung für internationale Wirtschaft bei Westpac. "Die unmittelbare Reaktion des Marktes auf diese Idee war eine deutliche Versteilung der Zinsstrukturkurve, was die Besorgnis der Marktteilnehmer über die Inflation und die politische Unsicherheit unterstreicht." Vor allem die hohen Energiepreise belasten die Stimmung in der Wirtschaft. Die Ölpreise stiegen den zweiten Tag in Folge, da erneute Angriffe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran die Öllieferungen über wichtige Schifffahrtsrouten beeinträchtigten. Insofern sorgte ein Anstieg des deutschen Bruttoinlandsproduktes von April bis Juni für Erleichterung. Im Schatten des Iran-Kriegs habe sich die deutsche Wirtschaft gut gehalten, sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Im Tagesverlauf stehen noch die deutschen Inflationsdaten für Juli und der PCE-Index der persönlichen Ausgaben der US-Konsumenten unter besonderer Beobachtung an den Börsen.
WM-RÜCKENWIND TRÄGT ADIDAS NICHT WEIT GENUG Zusätzlich hält die Berichtssaison die Anleger in Atem. Bei den Dax-Unternehmen stachen die Aktien von Adidas(ADSGn.DE) mit einem Kursrutsch von bis zu 17,9 Prozent hervor. Damit steuerten sie auf ihren schwärzesten Börsentag seit Juli 2014 zu. Zwar gab die Fußball-Weltmeisterschaft dem Sportartikelhersteller Rückenwind. Anlegern reiche die leicht angehobene Umsatzprognose für das Gesamtjahr jedoch nicht aus, sagte ein Händler. Auch der angekündigte Abgang von Finanzvorstand Harm Ohlmeyer komme nicht gut an. Puma(PUMG.DE)-Papiere verloren ebenfalls 3,5 Prozent. Bei Airbus(AIRG.DE) ging es rund 1,7 Prozent abwärts. Auch dort hätten Investoren mit einem starken Quartalsbericht bereits im Vorfeld gerechnet, sagten Börsianer. Nun dürften Anleger bei den Titeln Kasse machen. Angetrieben von überraschend guten Zahlen stiegen die Aktien von Symrise(SY1G.DE) als größter Dax-Gewinner um mehr als sechs Prozent. Der Aromen- und Duftstoffhersteller übertraf mit einem organischen Umsatzwachstum von 4,5 Prozent die Schätzungen der Analysten. Die Aktien von Schneider Electric(SCHN.PA) legten um sieben Prozent zu, nachdem der Industriekonzern seine Jahresprognose angehoben hat. Die Papiere von L'Oreal(OREP.PA) gewannen 2,2 Prozent. Der in Paris ansässige Kosmetikkonzern hatte einen besser als erwarteten Umsatz für das zweite Quartal gemeldet.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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