29.07.26
12:07
Reuters
* Ausverkauf bei Halbleitern bereitet Sorgen
* Ölpreise ziehen erneut an
* Insider: Huthis erwägen Gebühren für Meerenge Bab al-Mandab
* Deutsche Bank und BASF punkten mit Zahlen
(Neu: Europäische Börsen)
Frankfurt, 29. Jul (Reuters) - Nach einem freundlichen Handelsauftakt ziehen Anleger an den europäischen Aktienmärkten angesichts des weltweiten Tech-Ausverkaufs die Köpfe ein. Der Dax(.GDAXI) drehte ins Minus und gab am Mittwoch um ein halbes Prozent auf bis zu 25.336 Punkte nach. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) büßte in der Spitze knapp ein Prozent auf 6236 Zähler ein. Überraschend starke Firmenbilanzen begrenzten den Abwärtsdruck. Getrübt wurde die Stimmung durch die anhaltende Talfahrt bei Halbleiter-Werten und wieder anziehenden Ölpreisen, nach neu aufgeflammten Spannungen am Persischen Golf.
"Die Feuerpause im Iran scheint vorbei zu sein und die Energiepreise reagieren bereits auf die neuen militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Iran, Saudi-Arabien und den USA", sagte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets. "Zudem hat die Jahresprognose des südkoreanischen Halbleiterwertes SK Hynix die Erwartungen verfehlt und zusätzlich Öl ins Feuer gegossen."
Erneute Angriffe in Nahost trieben die Ölpreise wieder nach oben. Nach drei Tagen mit deutlichen Rückgängen zogen die Preise für Brent-Rohöl(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) jeweils um mehr als fünf Prozent auf bis zu 88,55 Dollar und 83,30 Dollar je Barrel an. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit saudiarabischen Streitkräften mit vom Iran unterstützte Milizen im Irak angegriffen. Zuvor habe man einen iranischen Überraschungsangriff auf US-Truppen in der Region abgewehrt.
Die mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen erwägen Insidern zufolge zudem, Gebühren für den Großteil des Schiffsverkehrs durch die Meerenge Bab al-Mandab einzuführen, die das südliche Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit mit dem Indischen Ozean verbindet. Chinesische Schiffe sollen demnach von diesen Gebühren befreit sein. Die Schließung von Bab al-Mandab würde Saudi-Arabien eine wichtige Alternative zur Straße von Hormus nehmen und die Furcht vor Engpässen bei der Ölversorgung verstärken.
Positive Impulse lieferten überraschend robuste Quartalszahlen. "Anleger wollen grundsätzlich in Aktien investiert bleiben und streuen ihr Risiko breiter als vor ein paar Wochen", konstatierte Jochen Stanzl, Analyst bei der Consorsbank. Mit einem Kurssprung von bis zu sechs Prozent kletterte die Deutsche Bank(DBKGn.DE) zeitweise an die Dax-Spitze. Deutschlands größtes Geldhaus punktete mit einer überraschenden Gewinnsteigerung. Die Ergebnisse für das zweite Quartal wirkten hervorragend, kommentierte ein Händler.
Zu den Spitzenreitern gehörte auch BASF(BASFn.DE) mit einem Kursplus von rund vier Prozent. Der Chemiekonzern profitierte im abgelaufenen Quartal von einer anziehenden Nachfrage und kräftigen Preiserhöhungen. Dazu trug auch der Krieg im Nahen Osten bei: Aus Sorge vor Lieferunterbrechungen füllten viele Kunden ihre Lager auf, was die Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen verbesserte.
Dagegen konnte auch ein positiver Geschäftsausblick ASM International(ASMI.AS) nicht vor dem Ausverkauf bei KI-Werten bewahren. Die Papiere des zweitgrößten Chip-Anlagenbauers in Europa fielen in der Spitze um 9,6 Prozent und waren damit auf Kurs zum größten Tagesverlust seit mehr als einem Jahr. Der Konzern teilte am Vorabend mit, dass der Umsatz in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zum ersten Halbjahr währungsbereinigt um mehr als 20 Prozent steigen werde. Der Ausblick liege über den Erwartungen, kommentierten die Analysten der Investmentbank Jefferies. Der Markt blicke jedoch über das Jahr 2027 hinaus, erklärten die Analysten vom Broker KBC Securities. Zudem würden die Ergebnisse die Messlatte für 2027 höher legen.
Im asiatischen Handel war der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix(000660.KS) zeitweise fast 20 Prozent abgestürzt, obwohl das Unternehmen den Quartalsgewinn mehr als versechsfacht hat. Bis Handelsschluss grenzten die Titel die Verluste auf ein Minus von 9,6 Prozent ein. "SK Hynix hat starke Ergebnisse vorgelegt, aber auf dem heutigen KI-Markt reicht 'stark' nicht mehr aus", sagte Gary Tan, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments. Als entscheidender Test für die hohen Bewertungen im KI-Sektor gelten nun die am Abend anstehenden Quartalszahlen der US-Techkonzerne Microsoft(MSFT.O) und Meta(META.O).
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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"Die Feuerpause im Iran scheint vorbei zu sein und die Energiepreise reagieren bereits auf die neuen militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Iran, Saudi-Arabien und den USA", sagte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets. "Zudem hat die Jahresprognose des südkoreanischen Halbleiterwertes SK Hynix die Erwartungen verfehlt und zusätzlich Öl ins Feuer gegossen."
Erneute Angriffe in Nahost trieben die Ölpreise wieder nach oben. Nach drei Tagen mit deutlichen Rückgängen zogen die Preise für Brent-Rohöl(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) jeweils um mehr als fünf Prozent auf bis zu 88,55 Dollar und 83,30 Dollar je Barrel an. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit saudiarabischen Streitkräften mit vom Iran unterstützte Milizen im Irak angegriffen. Zuvor habe man einen iranischen Überraschungsangriff auf US-Truppen in der Region abgewehrt.
Die mit dem Iran verbündeten Huthis im Jemen erwägen Insidern zufolge zudem, Gebühren für den Großteil des Schiffsverkehrs durch die Meerenge Bab al-Mandab einzuführen, die das südliche Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit mit dem Indischen Ozean verbindet. Chinesische Schiffe sollen demnach von diesen Gebühren befreit sein. Die Schließung von Bab al-Mandab würde Saudi-Arabien eine wichtige Alternative zur Straße von Hormus nehmen und die Furcht vor Engpässen bei der Ölversorgung verstärken.
Positive Impulse lieferten überraschend robuste Quartalszahlen. "Anleger wollen grundsätzlich in Aktien investiert bleiben und streuen ihr Risiko breiter als vor ein paar Wochen", konstatierte Jochen Stanzl, Analyst bei der Consorsbank. Mit einem Kurssprung von bis zu sechs Prozent kletterte die Deutsche Bank(DBKGn.DE) zeitweise an die Dax-Spitze. Deutschlands größtes Geldhaus punktete mit einer überraschenden Gewinnsteigerung. Die Ergebnisse für das zweite Quartal wirkten hervorragend, kommentierte ein Händler.
Zu den Spitzenreitern gehörte auch BASF(BASFn.DE) mit einem Kursplus von rund vier Prozent. Der Chemiekonzern profitierte im abgelaufenen Quartal von einer anziehenden Nachfrage und kräftigen Preiserhöhungen. Dazu trug auch der Krieg im Nahen Osten bei: Aus Sorge vor Lieferunterbrechungen füllten viele Kunden ihre Lager auf, was die Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen verbesserte.
Dagegen konnte auch ein positiver Geschäftsausblick ASM International(ASMI.AS) nicht vor dem Ausverkauf bei KI-Werten bewahren. Die Papiere des zweitgrößten Chip-Anlagenbauers in Europa fielen in der Spitze um 9,6 Prozent und waren damit auf Kurs zum größten Tagesverlust seit mehr als einem Jahr. Der Konzern teilte am Vorabend mit, dass der Umsatz in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zum ersten Halbjahr währungsbereinigt um mehr als 20 Prozent steigen werde. Der Ausblick liege über den Erwartungen, kommentierten die Analysten der Investmentbank Jefferies. Der Markt blicke jedoch über das Jahr 2027 hinaus, erklärten die Analysten vom Broker KBC Securities. Zudem würden die Ergebnisse die Messlatte für 2027 höher legen.
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