23.07.26
16:27
Reuters
* Preis für Brent erstmals seit Ende Mai über 100 Dollar
* EZB hält trotz Energiepreisschock noch still
* KI-Ausgaben im Techsektor machen Anleger nervös
(Neu: Xetra-Schlusskurse, Wall Street)
Frankfurt, 23. Jul (Reuters) - Ein erneuter Anstieg beim Ölpreis und fallende Technologiewerte nach wichtigen Bilanzen haben die Börsen am Donnerstag belastet. Der Dax(.GDAXI) notierte zum Handelsschluss 1,6 Prozent tiefer bei 24.763,12 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) verlor 1,7 Prozent auf 6210,17 Zähler. Die wichtigsten Indizes an der Wall Street(.DJI)(.SPX)(.IXIC) lagen zwischen 0,8 und 2,1 Prozent im Minus. "Die hohen Rohölpreise bereiten speziell den rohstoff- und energieabhängigen deutschen Unternehmen Kopfzerbrechen", sagte Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets.
Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent(LCOc1) verteuerte sich um fast sieben Prozent auf 100,58 Dollar. Damit erreichte der Preis erstmals seit Ende Mai die psychologisch wichtige 100-Dollar-Marke. US-Leichtöl WTI(CLc1) legte um 6,3 Prozent auf 92,33 Dollar pro Barrel zu. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen hatten zuvor nach eigenen Angaben zwei saudische Öltanker angegriffen. Dies schürte die Sorge vor einer Ausweitung der Lieferunterbrechungen im Nahen Osten. Neben dem Konflikt um die Straße von Hormus haben die Huthi eine neue Front eröffnet und nehmen nun auch Schiffe mit saudischem Öl in der Meerenge Bab el-Mandeb am Roten Meer ins Visier.
Am Anleihemarkt stieg die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit(DE10YT=RR) auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Experten erklärten dies mit der Erwartung vieler Investoren, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins wegen der gestiegenen Energiepreise bald straffen werde.
Die EZB hielt am Donnerstag die Tür für eine Zinserhöhung offen, sollten steigende Ölpreise den Inflationsdruck weiter befeuern. Der EZB-Rat beließ den Einlagensatz zwar einstimmig bei 2,25 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach allerdings davon, dass man beschlossen habe, ihn "vorerst" konstant zu halten. Zudem hätten bereits einige Währungshüter laut darüber nachgedacht, ob man die Zügel jetzt straffen sollte. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank nach der Zinserhöhung vom Juni im September nachlegen werde.
Auch im Technologiesektor machte sich Nervosität breit. Der europäische Branchenindex(.SX8P) verlor 2,7 Prozent. An der Spitze der Verlierer standen die Aktien von STMicroelectronics(STMPA.PA) mit einem Kurssturz von 17,7 Prozent. Die Umsatzprognose des Chipherstellers für das dritte Quartal lag mit ihrem Mittelwert leicht unter den Markterwartungen.
Auch die mit Spannung erwarteten Bilanzen wichtiger US-Technologiefirmen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, haben die Anleger nicht überzeugt. Die Titel von Tesla(TSLA.O), Alphabet(GOOGL.O) und Texas Instruments(TXN.O) fielen nach Vorlage der Zahlen um 3,6 bis 13 Prozent.
Am späteren Abend dürfte der im Dax schwer gewichtete Softwarekonzern SAP(SAPG.DE) mit seinen Quartalsergebnissen die weitere Richtung an den Börsen mitbestimmen. Nach US-Börsenschluss werden ebenfalls die Zahlen des US-Chipkonzerns Intel(INTC.O) erwartet.
Trübe Stimmung herrschte auch bei Luxuswerten. Die Aktien der italienischen Marke Moncler(MONC.MI) fielen um knapp acht Prozent. JP Morgan zufolge blieb der Moncler-Einzelhandelsumsatz im Quartal hinter den kürzlich gesenkten Erwartungen zurück. Der Branchenindex(.STXLUXP) gab 3,5 Prozent nach.
An der Dax-Spitze standen die Aktien des Lkw-Bauers Daimler Truck(DTGGe.DE), die nach Zahlen um knapp vier Prozent zulegten. Die Papiere des Rivalen Traton(8TRA.DE) kletterten im MDax(.MDAXI) nach einem ebenfalls starken Geschäftsbericht um fast zwölf Prozent auf ein Rekordhoch von 40,80 Euro. Aus dem Handel gingen sie mit 40,50 Euro nur knapp darunter.
Aktien aus dem Öl- und Gassektor blieben angesichts der Preissprünge gefragt. TotalEnergies(TTEF.PA) erzielte das beste Quartalsergebnis seit fast drei Jahren. Die Aktien legten um 2,5 Prozent zu.
(Bericht von Sanne Schimanski und Anika Ross, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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