10.07.26
11:10
Reuters
(Stellt im zweiten Satz des fünften Absatzes klar, dass die Bilanzsaison der US-Banken am Dienstag statt am Montag beginnt)
* Nahost-Konflikt bleibt Risikofaktor
* US-Bilanzsaison beginnt - Großbanken legen Zahlen vor
* Vorerst keine US-Zinserhöhung erwartet
- von Hakan Ersen
Frankfurt, 10. Jul (Reuters) - Aktienanleger müssen sich nach Einschätzung von Experten in den kommenden Wochen auf weitere Kursturbulenzen einstellen. "Die Entwicklungen im Nahen Osten verheißen nichts Gutes", sagt Nick Twidale, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses ATFX. Dennoch seien die Börsen dank der wieder gefragten Technologiewerte überraschend robust. Er bleibe jedoch vorsichtig, da das Risiko einer erneuten Sperrung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus nicht ausgeschlossen werden könne.
Der Dax(.GDAXI) büßte in den vergangenen Tagen insgesamt knapp drei Prozent ein, nachdem er zunächst auf ein Rekordhoch von 25.900,10 Punkten geklettert war. Damit steuerte der deutsche Leitindex auf den größten Wochenverlust seit etwa vier Monaten zu. Einer der Auslöser der Verkäufe waren die wiederaufgeflammten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran. Anlagestratege Neil Wilson vom Brokerhaus Saxo Markets rechnet jedoch nicht mit einer weiteren Eskalation, da eine Beruhigung der Lage im Interesse beider Konfliktparteien sei.
Unterstützung für die Aktienkurse versprechen sich Börsianer neben einer Erholung der Technologiewerte von den nachlassenden Spekulationen auf eine nahende US-Zinserhöhung. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz prognostiziert für Juni im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang der US-Inflation um 0,2 Prozent. Die preistreibenden Effekte der Fußball-Weltmeisterschaft seien gering. Zwar liege die Teuerung mit 2,9 Prozent im Jahresvergleich über der Fed-Zielmarke von etwa zwei Prozent. Dennoch sei nicht mit einer baldigen Zinserhöhung zu rechnen. Die Notenbank werde voraussichtlich darauf vertrauen, dass sich die Inflation auch ohne einen solchen Schritt abschwächt. Eine Bestätigung dieser Einschätzung könnte das "Beige Book", der Fed-Konjunkturbericht, liefern. Es wird ebenso wie die Inflationszahlen am Mittwoch veröffentlicht.
Am Tag darauf stehen die US-Einzelhandelsumsätze an, die als Hauptstütze für die weltgrößte Volkswirtschaft gelten. Hier sagen Analysten ein Plus von 0,3 Prozent voraus.
In der neuen Woche beginnt zudem die US-Bilanzsaison. Wie üblich eröffnen die Großbanken den Zahlenreigen. Am Dienstag öffnen Bank of America(BAC.N), Wells Fargo(WFC.N), Goldman Sachs(GS.N), Citigroup(C.N) und JPMorgan(JPM.N) ihre Bücher. "Für die großen Institute wird ein Zinsertragswachstum im hohen einstelligen Prozentbereich erwartet", sagt Aktienmarkt-Experte Johannes Jahn von der Fürst Fugger Privatbank. Auch im Investmentbanking könne mit einem Aufschwung gerechnet werden. "Nach Jahren gedämpfter Emissionstätigkeit steuert der US-Markt für Börsengänge auf ein Rekordjahr zu." Schätzungen zufolge haben Banken allein beim IPO des Raumfahrtkonzerns SpaceX Gebühren von etwa 500 Millionen Dollar eingestrichen.
Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst der Consorsbank, mahnt jedoch zur Vorsicht. "Die Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch. Damit steigt die Gefahr, dass es zu Enttäuschungen kommt." In der alten Woche hatte der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung(005930.KS) die Markterwartungen trotz kräftiger Umsatz- und Gewinnsteigerungen verfehlt. Spekulationen auf ein Abflauen des KI-Booms schickten die Technologiewerte anschließend auf Talfahrt. Von den Zahlen des niederländischen Chip-Ausrüsters ASML(ASML.AS) am Mittwoch und des Chip-Auftragsfertigers TSMC(2330.TW) am Donnerstag erhoffen sich Börsianer Hinweise auf die weitere Entwicklung des Sektors. Ebenfalls am Donnerstag legt mit dem Streamingdienst Netflix(NFLX.O) der erste große US-Technologiekonzern seine Quartalsergebnisse vor.
(Redigiert von Ralf Banser Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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Vorerst keine US-Zinserhöhung erwartet
von Hakan Ersen
Frankfurt, 10. Jul (Reuters) - Aktienanleger müssen sich nach Einschätzung von Experten in den kommenden Wochen auf weitere Kursturbulenzen einstellen. "Die Entwicklungen im Nahen Osten verheißen nichts Gutes", sagt Nick Twidale, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses ATFX. Dennoch seien die Börsen dank der wieder gefragten Technologiewerte überraschend robust. Er bleibe jedoch vorsichtig, da das Risiko einer erneuten Sperrung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus nicht ausgeschlossen werden könne.
Der Dax(.GDAXI) büßte in den vergangenen Tagen insgesamt knapp drei Prozent ein, nachdem er zunächst auf ein Rekordhoch von 25.900,10 Punkten geklettert war. Damit steuerte der deutsche Leitindex auf den größten Wochenverlust seit etwa vier Monaten zu. Einer der Auslöser der Verkäufe waren die wiederaufgeflammten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran. Anlagestratege Neil Wilson vom Brokerhaus Saxo Markets rechnet jedoch nicht mit einer weiteren Eskalation, da eine Beruhigung der Lage im Interesse beider Konfliktparteien sei.
Unterstützung für die Aktienkurse versprechen sich Börsianer neben einer Erholung der Technologiewerte von den nachlassenden Spekulationen auf eine nahende US-Zinserhöhung. Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz prognostiziert für Juni im Vergleich zum Vormonat einen Rückgang der US-Inflation um 0,2 Prozent. Die preistreibenden Effekte der Fußball-Weltmeisterschaft seien gering. Zwar liege die Teuerung mit 2,9 Prozent im Jahresvergleich über der Fed-Zielmarke von etwa zwei Prozent. Dennoch sei nicht mit einer baldigen Zinserhöhung zu rechnen. Die Notenbank werde voraussichtlich darauf vertrauen, dass sich die Inflation auch ohne einen solchen Schritt abschwächt. Eine Bestätigung dieser Einschätzung könnte das "Beige Book", der Fed-Konjunkturbericht, liefern. Es wird ebenso wie die Inflationszahlen am Mittwoch veröffentlicht.
Am Tag darauf stehen die US-Einzelhandelsumsätze an, die als Hauptstütze für die weltgrößte Volkswirtschaft gelten. Hier sagen Analysten ein Plus von 0,3 Prozent voraus.
In der neuen Woche beginnt zudem die US-Bilanzsaison. Wie üblich eröffnen die Großbanken den Zahlenreigen. Am Dienstag öffnen Bank of America(BAC.N), Wells Fargo(WFC.N), Goldman Sachs(GS.N), Citigroup(C.N) und JPMorgan(JPM.N) ihre Bücher. "Für die großen Institute wird ein Zinsertragswachstum im hohen einstelligen Prozentbereich erwartet", sagt Aktienmarkt-Experte Johannes Jahn von der Fürst Fugger Privatbank. Auch im Investmentbanking könne mit einem Aufschwung gerechnet werden. "Nach Jahren gedämpfter Emissionstätigkeit steuert der US-Markt für Börsengänge auf ein Rekordjahr zu." Schätzungen zufolge haben Banken allein beim IPO des Raumfahrtkonzerns SpaceX Gebühren von etwa 500 Millionen Dollar eingestrichen.
Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst der Consorsbank, mahnt jedoch zur Vorsicht. "Die Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch. Damit steigt die Gefahr, dass es zu Enttäuschungen kommt." In der alten Woche hatte der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung(005930.KS) die Markterwartungen trotz kräftiger Umsatz- und Gewinnsteigerungen verfehlt. Spekulationen auf ein Abflauen des KI-Booms schickten die Technologiewerte anschließend auf Talfahrt. Von den Zahlen des niederländischen Chip-Ausrüsters ASML(ASML.AS) am Mittwoch und des Chip-Auftragsfertigers TSMC(2330.TW) am Donnerstag erhoffen sich Börsianer Hinweise auf die weitere Entwicklung des Sektors. Ebenfalls am Donnerstag legt mit dem Streamingdienst Netflix(NFLX.O) der erste große US-Technologiekonzern seine Quartalsergebnisse vor.
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