02.07.26
16:50
Reuters
* Schwächeanfall am US-Jobmarkt - nur 57.000 neue Jobs im Juni
* Gewinnmitnahmen und Umschichtungen belasten Chipwerte
* Bayers Glyphosat-Umbau schürt Hoffnungen auf eine Abspaltung
(Neu: Xetra-Schlusskurse, US-Jobdaten, Wall Street)
Frankfurt, 02. Jul (Reuters) - Zinshoffnungen der Anleger nach dem US-Arbeitsmarktbericht haben dem Dax(.GDAXI) erstmals seit Januar einen Rekord beschert. Der deutsche Leitindex legte nach der Veröffentlichung der Jobdaten um bis zu 2,5 Prozent auf 25.655,82 Punkte zu und übertraf damit sein bisheriges Allzeithoch von 25.507,79 Zählern. Aus dem Handel ging er 2,2 Prozent fester bei 25.580,88 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) gewann 1,2 Prozent auf 6360,47 Stellen.
Unter dem Strich wurden laut der US-Regierung im Juni nur 57.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg um 110.000 erwartet. "Damit rücken weitere Zinserhöhungsspekulationen vorerst in den Hintergrund - vielmehr dürfte der Markt nun verstärkt auf eine geldpolitische Lockerung im vierten Quartal nach den US-Zwischenwahlen setzen", sagte Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG.
Die wichtigsten US-Indizes(.DJI)(.SPX)(.IXIC) fanden hingegen keine gemeinsame Richtung und lagen zwischen minus 1,0 und plus 0,7 Prozent. Sollten die US-Verbraucherpreise weiter überraschend stark steigen, könnte dies die Fed laut Experten doch zu einer Zinserhöhung bewegen, um die Inflation einzudämmen. Daher dürften die Marktteilnehmer dem am 14. Juli anstehenden Inflationsbericht für Juni besonders viel Gewicht beimessen, sagte Julien Lafargue, Chefstratege bei der Barclays Private Bank.
Der Dollar-Index(.DXY), der zuletzt von den Zinserhöhungs-Spekulationen profitiert hatte, verlor nach den Daten gut ein halbes Prozent auf 100,772 Punkte. Nach oben ging es hingegen für den Goldpreis(XAU=), der sein Plus von rund einem Prozent auf knapp 2,5 Prozent ausbaute. Edelmetalle verlieren tendenziell an Attraktivität, wenn die Zinsen hoch sind, da sie selbst keine Zinsen abwerfen.
Im Fokus stand neben der US-Zinspolitik auch das von der schwarz-roten Koalition beschlossene umfangreiche Reformpaket, das die Wirtschaft in Deutschland voranbringen soll. "Potenzial haben insbesondere die geplanten Maßnahmen zum Bürokratieabbau, der den Unternehmen in Deutschland wieder mehr Luft zum Atmen geben könnte", sagte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Die Anpassungen bei den Steuern sind aus seiner Sicht eher geringfügig.
Für Gesprächsstoff sorgte auch die rasante Erholungsbewegung beim Yen(JPY=). Der Dollar verlor zeitweise gut ein Prozent auf 160,65 Yen. Zuletzt war die japanische Währung auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gefallen, dies schürte Spekulationen auf eine baldige Intervention am Devisenmarkt. Was nun zu der kräftigen Bewegung nach oben führte, blieb zunächst unklar. Insidern zufolge haben die japanischen Behörden ihre Strategie geändert: Sie verzichten demnach darauf, vor Interventionen zu warnen. Ziel sei es, Spekulanten zu verunsichern und Wetten gegen den Yen zu verteuern.
Auf der Unternehmensseite hatten vor allem die Chip-Werte das Nachsehen. Der europäische Branchenindex(.SX8P) rutschte um gut zwei Prozent ab. "An den Börsen läuft aktuell eine spürbare Sektorrotation", sagte Jürgen Molnar von RoboMarkets. "Kapital fließt vorübergehend aus Halbleitern, KI- und Rechenzentrumsaktien ab und zurück in klassische Industrie-, Finanz- und Standardwerte." In Frankfurt griffen Anleger vor allem bei Bayer zu, was die Aktien um fast neun Prozent nach oben trieb. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern bündelt sein umstrittenes und von Klagen überhäuftes US-Geschäft mit dem Unkrautvernichter Glyphosat in einer neuen Gesellschaft und schürt damit Hoffnungen auf eine Aufspaltung.
Auch die Titel von Vonovia(VNAn.DE) und Deutscher Bank(DBKGn.DE) gehörten mit Gewinnen von sechs und 5,3 Prozent zu den stärksten Dax-Werten. Die Papiere von Infineon(IFXG.DE) verloren hingegen knapp zwei Prozent. Anleger nahmen Sorgen wegen zu hoher Bewertungen und der massiven Investitionen von Technologieunternehmen in KI zum Anlass, um Kasse zu machen.
(Bericht von Sanne Schimanski und Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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02.07.26
16:50
Reuters
(Neu: Xetra-Schlusskurse, US-Jobdaten, Wall Street) Frankfurt, 02. Jul (Reuters) - Zinshoffnungen der Anleger nach dem US-Arbeitsmarktbericht haben dem Dax(.GDAXI) erstmals seit Januar einen Rekord beschert. Der deutsche Leitindex legte nach der Veröffentlichung der Jobdaten um bis zu 2,5 Prozent auf 25.655,82 Punkte zu und übertraf damit sein bisheriges Allzeithoch von 25.507,79 Zählern. Aus dem Handel ging er 2,2 Prozent fester bei 25.580,88 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) gewann 1,2 Prozent auf 6360,47 Stellen. Unter dem Strich wurden laut der US-Regierung im Juni nur 57.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg um 110.000 erwartet. "Damit rücken weitere Zinserhöhungsspekulationen vorerst in den Hintergrund - vielmehr dürfte der Markt nun verstärkt auf eine geldpolitische Lockerung im vierten Quartal nach den US-Zwischenwahlen setzen", sagte Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG. Die wichtigsten US-Indizes(.DJI)(.SPX)(.IXIC) fanden hingegen keine gemeinsame Richtung und lagen zwischen minus 1,0 und plus 0,7 Prozent. Sollten die US-Verbraucherpreise weiter überraschend stark steigen, könnte dies die Fed laut Experten doch zu einer Zinserhöhung bewegen, um die Inflation einzudämmen. Daher dürften die Marktteilnehmer dem am 14. Juli anstehenden Inflationsbericht für Juni besonders viel Gewicht beimessen, sagte Julien Lafargue, Chefstratege bei der Barclays Private Bank.
<hr>REFORMPAKET DER KOALITION STÜTZT DAX Der Dollar-Index(.DXY), der zuletzt von den Zinserhöhungs-Spekulationen profitiert hatte, verlor nach den Daten gut ein halbes Prozent auf 100,772 Punkte. Nach oben ging es hingegen für den Goldpreis(XAU=), der sein Plus von rund einem Prozent auf knapp 2,5 Prozent ausbaute. Edelmetalle verlieren tendenziell an Attraktivität, wenn die Zinsen hoch sind, da sie selbst keine Zinsen abwerfen. Im Fokus stand neben der US-Zinspolitik auch das von der schwarz-roten Koalition beschlossene umfangreiche Reformpaket, das die Wirtschaft in Deutschland voranbringen soll. "Potenzial haben insbesondere die geplanten Maßnahmen zum Bürokratieabbau, der den Unternehmen in Deutschland wieder mehr Luft zum Atmen geben könnte", sagte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Die Anpassungen bei den Steuern sind aus seiner Sicht eher geringfügig. Für Gesprächsstoff sorgte auch die rasante Erholungsbewegung beim Yen(JPY=). Der Dollar verlor zeitweise gut ein Prozent auf 160,65 Yen. Zuletzt war die japanische Währung auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gefallen, dies schürte Spekulationen auf eine baldige Intervention am Devisenmarkt. Was nun zu der kräftigen Bewegung nach oben führte, blieb zunächst unklar. Insidern zufolge haben die japanischen Behörden ihre Strategie geändert: Sie verzichten demnach darauf, vor Interventionen zu warnen. Ziel sei es, Spekulanten zu verunsichern und Wetten gegen den Yen zu verteuern.
<hr> <hr>BAYER SETZEN SICH AN DAX-SPITZE Auf der Unternehmensseite hatten vor allem die Chip-Werte das Nachsehen. Der europäische Branchenindex(.SX8P) rutschte um gut zwei Prozent ab. "An den Börsen läuft aktuell eine spürbare Sektorrotation", sagte Jürgen Molnar von RoboMarkets. "Kapital fließt vorübergehend aus Halbleitern, KI- und Rechenzentrumsaktien ab und zurück in klassische Industrie-, Finanz- und Standardwerte." In Frankfurt griffen Anleger vor allem bei Bayer zu, was die Aktien um fast neun Prozent nach oben trieb. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern bündelt sein umstrittenes und von Klagen überhäuftes US-Geschäft mit dem Unkrautvernichter Glyphosat in einer neuen Gesellschaft und schürt damit Hoffnungen auf eine Aufspaltung. Auch die Titel von Vonovia(VNAn.DE) und Deutscher Bank(DBKGn.DE) gehörten mit Gewinnen von sechs und 5,3 Prozent zu den stärksten Dax-Werten. Die Papiere von Infineon(IFXG.DE) verloren hingegen knapp zwei Prozent. Anleger nahmen Sorgen wegen zu hoher Bewertungen und der massiven Investitionen von Technologieunternehmen in KI zum Anlass, um Kasse zu machen.
(Bericht von Sanne Schimanski und Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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