01.07.26
16:27
Reuters
* Stockende US-Iran-Gespräche bremsen Börsen aus
* US-Notenbankchef Warsh pocht auf Preisstabilität
* Nike dreht ins Plus - Adidas und Puma folgen
* Rüstungswerte nach Rücksetzer gefragt
(Neu: Xetra-Schlusskurse, Wall Street, Notenbanker-Aussagen)
Frankfurt, 01. Jul (Reuters) - Die stockenden Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran haben die Börsen am Mittwoch auf Richtungssuche geschickt. Der Dax(.GDAXI) notierte zum Handelsschluss 0,2 Prozent höher bei 25.040,28 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) verlor 0,7 Prozent auf 6282,50 Zähler. Die wichtigsten US-Indizes(.DJI)(.SPX)(.IXIC) lagen zwischen minus 0,2 und plus 0,5 Prozent.
Der Iran hatte am Dienstag erklärt, es werde zunächst kein Treffen mit US-Gesandten geben. In Katars Hauptstadt Doha finden indirekte technische Gespräche zwischen den USA und dem Iran statt. Wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte, vermitteln Katar und Pakistan in den Verhandlungen. US-Präsident Donald Trump äußerte sich optimistisch über den Verlauf. Experten zeigten sich jedoch vorsichtig. "An den Börsen ist das Tauziehen zwischen Zuversicht und Vorsicht noch nicht entschieden", sagte Timo Emden von Emden Research. "Der Dax balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Zinshoffnung, geopolitischen Risiken und hohen Erwartungen an die KI-Branche."
Die stockenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran schürten die Sorge vor neuen Lieferengpässen am Rohölmarkt, sagte Tamas Varga, Analyst bei PVM Associates. Nach einem anfänglichen Anstieg drehten die Ölpreise jedoch erneut ins Minus. Brent-Rohöl(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) verbilligten sich um jeweils rund zwei Prozent auf 71,26 und 68,19 Dollar je Fass (159 Liter). Anleger seien optimistisch, dass die Hindernisse in den Verhandlungen bald gelöst würden, erläuterte Varga.
Die Ölpreise liegen mittlerweile in etwa auf Vorkriegsniveau. Dennoch demonstrieren die Spitzenvertreter der Notenbanken beiderseits des Atlantiks im Kampf gegen die Inflation weiter Stärke. "Wenn es in Privathaushalten, im Unternehmenssektor oder an den Finanzmärkten Leute gab, die glaubten, diese Zentralbank würde sich mit einem Inflationsziel von über zwei Prozent zufriedengeben – nun, dann dürften sie wohl enttäuscht worden sein", sagte der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh in einer Podiumsdiskussion auf dem EZB-Forum im portugiesischen Sintra. Die Preise seien zu hoch. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht nach der jüngsten Zinserhöhung noch keinen Grund zur Entwarnung.
Stefanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research, zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Bleibt die Lage im Nahen Osten stabil, liegt der Höhepunkt des energiegetriebenen Preisschubs hinter uns." Waren und Dienstleistungen im Euroraum verteuerten sich im Juni im Schnitt um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 3,0 Prozent gerechnet. Im Mai war die Rate nach dem vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschock auf 3,2 Prozent geklettert.
Bei den Einzelwerten sorgte Nike(NKE.N) nach anfänglichen Kursverlusten für gute Stimmung. Der Geschäftsbericht des weltgrößten Sportartikelherstellers konnte die Anleger insgesamt überzeugen: Die Aktien machten ihre anfänglichen Verluste von rund 2,5 Prozent wieder wett und legten um 4,5 Prozent zu. Die Titel der Konkurrenten Puma(PUMG.DE) und Adidas(ADSGn.DE) drehten ebenfalls ins Plus und schlossen rund 1,5 und ein Prozent fester. Nike kann die Früchte der neuen Strategie von Vorstandschef Elliott Hill zwar noch nicht ernten. Allerdings übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 und stellte für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2026/27 eine leicht positive Bruttomarge in Aussicht.
Zugleich nutzten Anleger die jüngsten Kursrückgänge zum Wiedereinstieg in Rüstungswerte: Rheinmetall(RHMG.DE), Renk(R3NK.DE) und Hensoldt(HAGG.DE) stiegen um 4,6 bis 6,1 Prozent. Ein Händler verwies darauf, dass das Bundeskabinett bei seiner Sitzung den Schwerpunkt auf die Stärkung der Bundeswehr und die Vorbereitung des Nato-Gipfels in der kommenden Woche lege. Angesichts der jüngsten Kursverluste könne dies Schnäppchenjäger auf den Plan rufen.
(Bericht von Sanne Schimanski und Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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01.07.26
16:27
Reuters
(Neu: Xetra-Schlusskurse, Wall Street, Notenbanker-Aussagen) Frankfurt, 01. Jul (Reuters) - Die stockenden Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran haben die Börsen am Mittwoch auf Richtungssuche geschickt. Der Dax(.GDAXI) notierte zum Handelsschluss 0,2 Prozent höher bei 25.040,28 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) verlor 0,7 Prozent auf 6282,50 Zähler. Die wichtigsten US-Indizes(.DJI)(.SPX)(.IXIC) lagen zwischen minus 0,2 und plus 0,5 Prozent.
Der Iran hatte am Dienstag erklärt, es werde zunächst kein Treffen mit US-Gesandten geben. In Katars Hauptstadt Doha finden indirekte technische Gespräche zwischen den USA und dem Iran statt. Wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte, vermitteln Katar und Pakistan in den Verhandlungen. US-Präsident Donald Trump äußerte sich optimistisch über den Verlauf. Experten zeigten sich jedoch vorsichtig. "An den Börsen ist das Tauziehen zwischen Zuversicht und Vorsicht noch nicht entschieden", sagte Timo Emden von Emden Research. "Der Dax balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Zinshoffnung, geopolitischen Risiken und hohen Erwartungen an die KI-Branche."
GELDPOLITIK ERNEUT IM FOKUS Die stockenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran schürten die Sorge vor neuen Lieferengpässen am Rohölmarkt, sagte Tamas Varga, Analyst bei PVM Associates. Nach einem anfänglichen Anstieg drehten die Ölpreise jedoch erneut ins Minus. Brent-Rohöl(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) verbilligten sich um jeweils rund zwei Prozent auf 71,26 und 68,19 Dollar je Fass (159 Liter). Anleger seien optimistisch, dass die Hindernisse in den Verhandlungen bald gelöst würden, erläuterte Varga.
Die Ölpreise liegen mittlerweile in etwa auf Vorkriegsniveau. Dennoch demonstrieren die Spitzenvertreter der Notenbanken beiderseits des Atlantiks im Kampf gegen die Inflation weiter Stärke. "Wenn es in Privathaushalten, im Unternehmenssektor oder an den Finanzmärkten Leute gab, die glaubten, diese Zentralbank würde sich mit einem Inflationsziel von über zwei Prozent zufriedengeben – nun, dann dürften sie wohl enttäuscht worden sein", sagte der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh in einer Podiumsdiskussion auf dem EZB-Forum im portugiesischen Sintra. Die Preise seien zu hoch. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht nach der jüngsten Zinserhöhung noch keinen Grund zur Entwarnung.
Stefanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research, zeigte sich jedoch zuversichtlich: "Bleibt die Lage im Nahen Osten stabil, liegt der Höhepunkt des energiegetriebenen Preisschubs hinter uns." Waren und Dienstleistungen im Euroraum verteuerten sich im Juni im Schnitt um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 3,0 Prozent gerechnet. Im Mai war die Rate nach dem vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschock auf 3,2 Prozent geklettert.
NIKE DREHT INS PLUS - ADIDAS UND PUMA FOLGEN Bei den Einzelwerten sorgte Nike(NKE.N) nach anfänglichen Kursverlusten für gute Stimmung. Der Geschäftsbericht des weltgrößten Sportartikelherstellers konnte die Anleger insgesamt überzeugen: Die Aktien machten ihre anfänglichen Verluste von rund 2,5 Prozent wieder wett und legten um 4,5 Prozent zu. Die Titel der Konkurrenten Puma(PUMG.DE) und Adidas(ADSGn.DE) drehten ebenfalls ins Plus und schlossen rund 1,5 und ein Prozent fester. Nike kann die Früchte der neuen Strategie von Vorstandschef Elliott Hill zwar noch nicht ernten. Allerdings übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 und stellte für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2026/27 eine leicht positive Bruttomarge in Aussicht.
Zugleich nutzten Anleger die jüngsten Kursrückgänge zum Wiedereinstieg in Rüstungswerte: Rheinmetall(RHMG.DE), Renk(R3NK.DE) und Hensoldt(HAGG.DE) stiegen um 4,6 bis 6,1 Prozent. Ein Händler verwies darauf, dass das Bundeskabinett bei seiner Sitzung den Schwerpunkt auf die Stärkung der Bundeswehr und die Vorbereitung des Nato-Gipfels in der kommenden Woche lege. Angesichts der jüngsten Kursverluste könne dies Schnäppchenjäger auf den Plan rufen.
(Bericht von Sanne Schimanski und Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
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