26.06.26
13:01
Reuters
* US-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag
* US-Börsen am Freitag feiertagsbedingt zu
* Montag bis Mittwoch EZB-Forum in Sintra
- von Anika Ross und Sanne Schimanski
Frankfurt, 26. Jun (Reuters) - An der Frankfurter Börse dürften die Anleger auch in der neuen Handelswoche wachsam bleiben. Im Fokus stehen dabei weiter Sorgen über die Geldpolitik und die weiteren Entwicklungen in der KI-Branche. "Von einer Sommersorglosigkeit kann keine Rede sein", sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. "Anleger dürften auf der Suche nach dem Kompass in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld bleiben." In der alten Woche blieb der Weg für den Dax(.GDAXI) zurück über die Schwelle von 25.000 Punkten steinig. Trotz der geopolitischen Entspannung im Nahen Osten und sinkender Ölpreise wagten sich die Investoren kaum aus der Deckung. Der deutsche Leitindex notierte mit 24.684 Punkten am Freitagnachmittag rund ein Prozent unter dem Vorwochenschluss.
Für Verunsicherung sorgte zuletzt eine Verkaufswelle bei KI- und Halbleiterunternehmen. Angesichts der Spekulationen über eine bevorstehende Zinserhöhung der US-Notenbank zeigten sich Anleger zunehmend besorgt über die hohen, schuldenfinanzierten Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI). Analysten bezeichneten den jüngsten Ausverkauf im US-Techsektor allerdings als nicht überraschend, angesichts des Ausmaßes der zuvor angehäuften Kursgewinne. Ob die Käufer zurückkehren, dürfte von den Gewinnen der Technologieunternehmen und den Aussichten für die US-Wirtschaft abhängen.
Das Highlight in der neuen Konjunkturdatenwoche ist der US-Arbeitsmarktbericht, der an einem Donnerstag und damit einen Tag früher als sonst veröffentlicht wird. Denn am Freitag bleiben die Börsen in den USA wegen des bevorstehenden Feiertags Independence Day am 4. Juli geschlossen. Die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten hat nach einer schwächeren Phase zuletzt drei Monate hintereinander kräftig zugelegt. Für Juni dürften erneut solide Zahlen gemeldet werden, prognostiziert Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer.
Der Experte zeigt sich jedoch zurückhaltend. "Ähnlich wie wir die schlechteren Zahlen im Herbst relativiert hatten, sehen wir die jüngste mancherorts herrschende Begeisterung nach den letzten Berichten als etwas übertrieben an", sagt er. "Das Gesamtbild des US-Arbeitsmarktes erscheint uns als solide, aber auch nicht mehr." Am Mittwoch könnten die ADP-Daten zur Privatwirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf die offiziellen Jobdaten liefern. Sollte sich der Stellenmarkt wie schon im Mai besser als erwartet entwickeln, könnte das die letzten noch bestehenden Hoffnungen auf sinkende Zinsen zerstören.
Der unklare geldpolitische Kurs der US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh erschwert die Zinsprognosen für die Wall Street. Laut dem FedWatch-Tool der CME-Börse rechnen Händler derzeit bereits für September mit einer Zinserhöhung um mindestens 25 Basispunkte und gehen von einer weiteren Anhebung bis zum Jahresende aus. Byron Anderson vom Vermögensverwalter Laffer Tengler hält die Zinserwartungen an den Märkten für übertrieben. Der jüngste Inflationsdruck sei größtenteils energiebedingt und werde sich voraussichtlich umkehren, sobald sich das Ölangebot nach dem Ende des Iran-Kriegs normalisiere, sagt er. Da das Lohnwachstum nachlasse und der Wohnungsmarkt stagniere, prognostiziert Anderson für die kommenden Monate einen disinflationären Druck, wodurch die Notwendigkeit von Zinserhöhungen sinke.
Die neuesten Inflationsdaten der Euro-Zone, die am Mittwoch veröffentlicht werden, könnten ebenso für Gesprächsstoff sorgen. Die Juni-Daten für Deutschland stehen am Dienstag auf dem Plan.
Während in den USA mehrere Zinsschritte eingepreist werden, schwindet die Erwartung der Börsianer an weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Investoren weltweit achten auch auf Signale von EZB-Präsidentin Christine Lagarde für weitere Zinsschritte. Deswegen werden sie das von der Notenbank ausgerichtete Forum im Blick behalten, das von Montag bis Mittwoch stattfindet. Bei dem Eröffnungsempfang am Montag steht die Rede von Lagarde im Mittelpunkt. Am Mittwoch nimmt sie an einer Podiumsdiskussion mit Fed-Chef Warsh teil. Das Treffen gilt als das europäische Pendant zur legendären Fed-Veranstaltung in Jackson Hole und bringt Notenbankchefs, Spitzenökonomen, Finanzmarktexperten und Journalisten im portugiesischen Sintra zusammen. Die Notenbanker nutzen das Forum traditionell, um abseits formeller Zinssitzungen die künftige Zinspolitik der Eurozone zu diskutieren.
(Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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Reuters
Frankfurt, 26. Jun (Reuters) - An der Frankfurter Börse dürften die Anleger auch in der neuen Handelswoche wachsam bleiben. Im Fokus stehen dabei weiter Sorgen über die Geldpolitik und die weiteren Entwicklungen in der KI-Branche. "Von einer Sommersorglosigkeit kann keine Rede sein", sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. "Anleger dürften auf der Suche nach dem Kompass in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld bleiben." In der alten Woche blieb der Weg für den Dax(.GDAXI) zurück über die Schwelle von 25.000 Punkten steinig. Trotz der geopolitischen Entspannung im Nahen Osten und sinkender Ölpreise wagten sich die Investoren kaum aus der Deckung. Der deutsche Leitindex notierte mit 24.684 Punkten am Freitagnachmittag rund ein Prozent unter dem Vorwochenschluss.
Für Verunsicherung sorgte zuletzt eine Verkaufswelle bei KI- und Halbleiterunternehmen. Angesichts der Spekulationen über eine bevorstehende Zinserhöhung der US-Notenbank zeigten sich Anleger zunehmend besorgt über die hohen, schuldenfinanzierten Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI). Analysten bezeichneten den jüngsten Ausverkauf im US-Techsektor allerdings als nicht überraschend, angesichts des Ausmaßes der zuvor angehäuften Kursgewinne. Ob die Käufer zurückkehren, dürfte von den Gewinnen der Technologieunternehmen und den Aussichten für die US-Wirtschaft abhängen.
US-ARBEITSMARKT IM BLICK Das Highlight in der neuen Konjunkturdatenwoche ist der US-Arbeitsmarktbericht, der an einem Donnerstag und damit einen Tag früher als sonst veröffentlicht wird. Denn am Freitag bleiben die Börsen in den USA wegen des bevorstehenden Feiertags Independence Day am 4. Juli geschlossen. Die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten hat nach einer schwächeren Phase zuletzt drei Monate hintereinander kräftig zugelegt. Für Juni dürften erneut solide Zahlen gemeldet werden, prognostiziert Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer.
Der Experte zeigt sich jedoch zurückhaltend. "Ähnlich wie wir die schlechteren Zahlen im Herbst relativiert hatten, sehen wir die jüngste mancherorts herrschende Begeisterung nach den letzten Berichten als etwas übertrieben an", sagt er. "Das Gesamtbild des US-Arbeitsmarktes erscheint uns als solide, aber auch nicht mehr." Am Mittwoch könnten die ADP-Daten zur Privatwirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf die offiziellen Jobdaten liefern. Sollte sich der Stellenmarkt wie schon im Mai besser als erwartet entwickeln, könnte das die letzten noch bestehenden Hoffnungen auf sinkende Zinsen zerstören.
FED UND EZB VOR RICHTUNGSWEISENDEN TREFFEN Der unklare geldpolitische Kurs der US-Notenbank Fed unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh erschwert die Zinsprognosen für die Wall Street. Laut dem FedWatch-Tool der CME-Börse rechnen Händler derzeit bereits für September mit einer Zinserhöhung um mindestens 25 Basispunkte und gehen von einer weiteren Anhebung bis zum Jahresende aus. Byron Anderson vom Vermögensverwalter Laffer Tengler hält die Zinserwartungen an den Märkten für übertrieben. Der jüngste Inflationsdruck sei größtenteils energiebedingt und werde sich voraussichtlich umkehren, sobald sich das Ölangebot nach dem Ende des Iran-Kriegs normalisiere, sagt er. Da das Lohnwachstum nachlasse und der Wohnungsmarkt stagniere, prognostiziert Anderson für die kommenden Monate einen disinflationären Druck, wodurch die Notwendigkeit von Zinserhöhungen sinke.
Die neuesten Inflationsdaten der Euro-Zone, die am Mittwoch veröffentlicht werden, könnten ebenso für Gesprächsstoff sorgen. Die Juni-Daten für Deutschland stehen am Dienstag auf dem Plan.
Während in den USA mehrere Zinsschritte eingepreist werden, schwindet die Erwartung der Börsianer an weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Investoren weltweit achten auch auf Signale von EZB-Präsidentin Christine Lagarde für weitere Zinsschritte. Deswegen werden sie das von der Notenbank ausgerichtete Forum im Blick behalten, das von Montag bis Mittwoch stattfindet. Bei dem Eröffnungsempfang am Montag steht die Rede von Lagarde im Mittelpunkt. Am Mittwoch nimmt sie an einer Podiumsdiskussion mit Fed-Chef Warsh teil. Das Treffen gilt als das europäische Pendant zur legendären Fed-Veranstaltung in Jackson Hole und bringt Notenbankchefs, Spitzenökonomen, Finanzmarktexperten und Journalisten im portugiesischen Sintra zusammen. Die Notenbanker nutzen das Forum traditionell, um abseits formeller Zinssitzungen die künftige Zinspolitik der Eurozone zu diskutieren.
(Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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