12.06.26
09:28
Reuters
(Aktualisiert)
* Börsenwerte von einer Billion Dollar und mehr angestrebt
* Milliardenverluste durch hohe KI-Investitionen
* Rasche Index-Aufnahme trotz fehlender Gewinne?
- von Shashwat Chauhan und Purvi Agarwal und Medha Singh
Bangalore, 12. Jun (Reuters) - In den USA steht mit SpaceX, OpenAI und Anthropic die wohl größte Welle von Börsengängen in der Geschichte an. Was die drei Aspiranten noch gemeinsam haben: Sie machen Verluste und müssen erst beweisen, dass ihre Geschäftsmodelle profitabel sein können. Die Debüts sind insofern ein Test für den Appetit der Investoren auf Aktien von wachstumsstarken, aber defizitären Technologiekonzernen. "Sobald wir die anfängliche Begeisterungsphase hinter uns gelassen haben, in der jeder die Aktien haben will, werden diese Unternehmen zeigen müssen, wie hoch ihre Gewinne sind", sagt Anthony Saglimbene, Chef-Marktstratege des Finanzdienstleisters Ameriprise. Mit den IPOs der drei könnte der 69 Billionen Dollar schwere US-Aktienmarkt um weitere drei Billionen Dollar wachsen, wie die Analysefirma LPL Financial schätzt.
Was diese drei Kandidaten von anderen unterscheidet, ist die deutliche Diskrepanz zwischen Bewertung und Fundamentaldaten. Sie streben nach Bewertungen, die mit denen von Meta(META.O) und Palantir(PLTR.O) konkurrieren, jedoch ohne deren Historie nachhaltiger Gewinne. Allein das Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk peilt eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an. Damit würde das Unternehmen aus dem Stand in die Top Ten der wertvollsten Börsenwerte vorstoßen. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI erhofft sich Berichten zufolge eine Marktkapitalisierung von rund einer Billion Dollar. Der Rivale Anthropic wurde bei einer Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Milliarden Dollar bewertet, mehr als doppelt so hoch wie drei Monate zuvor.
Die Crux dabei sind die fehlenden Gewinne. SpaceX verzeichnete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von mehr als 18,6 Milliarden Dollar einen Verlust von fast fünf Milliarden Dollar. Der Grund sind hohe Investitionen in die KI-Tochter xAI, wie aus dem Prospekt für den Börsengang am Freitag hervorgeht. Der Umsatz- und Gewinnbringer ist die Satellitenkommunikationssparte Starlink. Auch die auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierten Softwarefirmen OpenAI und Anthropic sind Medienberichten zufolge unprofitabel. Anthropic und OpenAI haben beide einen vertraulichen Antrag auf einen Börsengang gestellt, bei dem zunächst keine konkreten Angaben zum Volumen oder den Bedingungen gemacht werden. Die Debüts werden frühestens im Herbst erwartet.
Das Trio will vom Appetit der Anleger auf wachstumsstarke Technologiewerte profitieren. Dieser Boom hat bereits einer kleinen Gruppe von Unternehmen zu einem vergleichsweise großen Einfluss auf den US-Leitindex S&P 500(.SPX) verholfen. Die "Glorreichen Sieben" – Apple(AAPL.O), Microsoft(MSFT.O), Alphabet(GOOGL.O), Amazon(AMZN.O), Nvidia(NVDA.O), Meta und Tesla(TSLA.O) – machen inzwischen etwa ein Drittel des Indexgewichts aus. Auch beim Gewinnwachstum liegen diese sieben weit vor den anderen Firmen. Sie erzielten 2023 ein Plus von 43,2 Prozent, 2024 und 2025 waren es 36,9 Prozent beziehungsweise 25,3 Prozent, wie Tajinder Dhillon, Experte beim Börsenbetreiber LSEG, erklärt. Die übrigen 493 Unternehmen im Index kamen auf minus 1,3 Prozent, plus sieben Prozent und plus 10,9 Prozent.
Gewinne sind zudem entscheidend für die Aufnahme in Aktienindizes. Ein solcher Schritt kann automatische Käufe in Billionenhöhe auslösen. S&P Dow Jones Indices verlangt vier Gewinnquartale in Folge und mindestens zwölf Monate Handel, bevor ein Unternehmen für den S&P 500 in Betracht gezogen werden kann. Der Elektroautobauer Tesla, den Musk ebenfalls führt und dessen Großaktionär er ist, ging 2010 an die Börse, wurde jedoch erst 2020 in den Index aufgenommen - nach Erreichen einer nachhaltigen Profitabilität. Der Index-Anbieter MSCI hat jedoch angedeutet, wegen der hohen Bewertung von SpaceX eine Ausnahme machen zu wollen. Der Raumfahrtkonzern könnte bereits wenige Tage nach seinem Börsendebüt in diverse MSCI-Indizes aufsteigen.
Einige Analysten warnen, dass eine Index-Aufnahme der großen Börsenneulinge die Dominanz der wenigen, aber gewichtigen Technologiewerte verstärken könnte. Rodney Comegys, Chefinvestor bei Vanguard Capital Management, mahnt zur Vorsicht: "Die Geschichte zeigt, dass nicht jeder frühe Marktführer bei einer neuen Technologie am Ende ein langfristiger Gewinner ist."
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| STICHWORT-SpaceX - Mehr als ein Raketenbauer | [nL8N41X2LI] |
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(bearbeitet von Myria Mildenberger und Hakan Ersen, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
12.06.26
09:28
Reuters
Bangalore, 12. Jun (Reuters) - In den USA steht mit SpaceX, OpenAI und Anthropic die wohl größte Welle von Börsengängen in der Geschichte an. Was die drei Aspiranten noch gemeinsam haben: Sie machen Verluste und müssen erst beweisen, dass ihre Geschäftsmodelle profitabel sein können. Die Debüts sind insofern ein Test für den Appetit der Investoren auf Aktien von wachstumsstarken, aber defizitären Technologiekonzernen. "Sobald wir die anfängliche Begeisterungsphase hinter uns gelassen haben, in der jeder die Aktien haben will, werden diese Unternehmen zeigen müssen, wie hoch ihre Gewinne sind", sagt Anthony Saglimbene, Chef-Marktstratege des Finanzdienstleisters Ameriprise. Mit den IPOs der drei könnte der 69 Billionen Dollar schwere US-Aktienmarkt um weitere drei Billionen Dollar wachsen, wie die Analysefirma LPL Financial schätzt.
<h5>SIND DIE BEWERTUNGEN GERECHTFERTIGT?</h5> Was diese drei Kandidaten von anderen unterscheidet, ist die deutliche Diskrepanz zwischen Bewertung und Fundamentaldaten. Sie streben nach Bewertungen, die mit denen von Meta(META.O) und Palantir(PLTR.O) konkurrieren, jedoch ohne deren Historie nachhaltiger Gewinne. Allein das Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk peilt eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an. Damit würde das Unternehmen aus dem Stand in die Top Ten der wertvollsten Börsenwerte vorstoßen. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI erhofft sich Berichten zufolge eine Marktkapitalisierung von rund einer Billion Dollar. Der Rivale Anthropic wurde bei einer Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Milliarden Dollar bewertet, mehr als doppelt so hoch wie drei Monate zuvor.Die Crux dabei sind die fehlenden Gewinne. SpaceX verzeichnete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von mehr als 18,6 Milliarden Dollar einen Verlust von fast fünf Milliarden Dollar. Der Grund sind hohe Investitionen in die KI-Tochter xAI, wie aus dem Prospekt für den Börsengang am Freitag hervorgeht. Der Umsatz- und Gewinnbringer ist die Satellitenkommunikationssparte Starlink. Auch die auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierten Softwarefirmen OpenAI und Anthropic sind Medienberichten zufolge unprofitabel. Anthropic und OpenAI haben beide einen vertraulichen Antrag auf einen Börsengang gestellt, bei dem zunächst keine konkreten Angaben zum Volumen oder den Bedingungen gemacht werden. Die Debüts werden frühestens im Herbst erwartet.
<h5>BOOM BEI TECH-AKTIEN</h5> Das Trio will vom Appetit der Anleger auf wachstumsstarke Technologiewerte profitieren. Dieser Boom hat bereits einer kleinen Gruppe von Unternehmen zu einem vergleichsweise großen Einfluss auf den US-Leitindex S&P 500(.SPX) verholfen. Die "Glorreichen Sieben" – Apple(AAPL.O), Microsoft(MSFT.O), Alphabet(GOOGL.O), Amazon(AMZN.O), Nvidia(NVDA.O), Meta und Tesla(TSLA.O) – machen inzwischen etwa ein Drittel des Indexgewichts aus. Auch beim Gewinnwachstum liegen diese sieben weit vor den anderen Firmen. Sie erzielten 2023 ein Plus von 43,2 Prozent, 2024 und 2025 waren es 36,9 Prozent beziehungsweise 25,3 Prozent, wie Tajinder Dhillon, Experte beim Börsenbetreiber LSEG, erklärt. Die übrigen 493 Unternehmen im Index kamen auf minus 1,3 Prozent, plus sieben Prozent und plus 10,9 Prozent. <h5>ERST GEWINN, DANN INDEX</h5> Gewinne sind zudem entscheidend für die Aufnahme in Aktienindizes. Ein solcher Schritt kann automatische Käufe in Billionenhöhe auslösen. S&P Dow Jones Indices verlangt vier Gewinnquartale in Folge und mindestens zwölf Monate Handel, bevor ein Unternehmen für den S&P 500 in Betracht gezogen werden kann. Der Elektroautobauer Tesla, den Musk ebenfalls führt und dessen Großaktionär er ist, ging 2010 an die Börse, wurde jedoch erst 2020 in den Index aufgenommen - nach Erreichen einer nachhaltigen Profitabilität. Der Index-Anbieter MSCI hat jedoch angedeutet, wegen der hohen Bewertung von SpaceX eine Ausnahme machen zu wollen. Der Raumfahrtkonzern könnte bereits wenige Tage nach seinem Börsendebüt in diverse MSCI-Indizes aufsteigen.Einige Analysten warnen, dass eine Index-Aufnahme der großen Börsenneulinge die Dominanz der wenigen, aber gewichtigen Technologiewerte verstärken könnte. Rodney Comegys, Chefinvestor bei Vanguard Capital Management, mahnt zur Vorsicht: "Die Geschichte zeigt, dass nicht jeder frühe Marktführer bei einer neuen Technologie am Ende ein langfristiger Gewinner ist."
(bearbeitet von Myria Mildenberger und Hakan Ersen, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)