15.10.26
07:50
Reuters
15. Okt (Reuters) - Weltweit investieren Technologiekonzerne dreistellige Milliardenbeträge in den Bau neuer KI-Rechenzentren. Diese Projekte finanzieren sie zunehmend durch die Aufnahme zusätzlicher Schulden. Weil Investoren aber immer häufiger bezweifeln, dass sich diese Ausgaben langfristig rechnen, geraten die Anleihen dieser Unternehmen unter Druck. Dies treibt die Renditen und damit die Finanzierungskosten in die Höhe.
Credit Default Swaps (CDS) rücken daher wieder ins Rampenlicht. Diese Kreditausfallversicherungen wurden während der Finanzkrise von 2008 und der europäischen Schuldenkrise einige Jahre später einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Nachfolgend einige Fragen und Antworten zu diesem Thema:
Es handelt sich quasi um eine Versicherungspolice, mit der sich Käufer von Anleihen gegen bestimmte Risiken wappnen. Häufig kaufen Anleihe-Investoren CDS auf diejenigen Papiere, die sie halten, um sich gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Die CDS können dabei auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden. Manche Investoren spekulieren auch direkt mit CDS. Das bedeutet, sie besitzen gar keine Wertpapiere, die sie gegen einen Zahlungsausfall absichern wollen, sondern setzen auf Kursgewinne der CDS selbst.
Nach Angaben der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) ist der Markt für CDS auf Anleihen einzelner Emittenten rund neun Billionen Dollar schwer. Das Volumen der globalen Anleihemärkte ist mit über 150 Billionen Dollar jedoch um ein Vielfaches höher. Im zweiten Quartal 2026 lag das tägliche CDS-Handelsvolumen bei 16 Milliarden Dollar.
Die meisten CDS gibt es auf Staatsanleihen. Auf Unternehmensseite entscheiden sich Halter von Banken-Bonds am häufigsten für Kreditausfallversicherungen. CDS auf Schuldverschreibungen von Technologiekonzernen gewinnen der Depositary Trust & Clearing Corporation (DTCC) zufolge an Bedeutung. Der Handel mit diesen Papieren habe sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum versiebenfacht.
Der Handel mit CDS kann illiquide sein. Die durchschnittliche Anzahl der täglichen Transaktionen liegt selbst bei großen Unternehmen manchmal nur im einstelligen Bereich. Dadurch können kleine Kauf- oder Verkaufsaufträge relativ große Kursausschläge auslösen.
Im Prinzip kann jeder Finanzakteur einen CDS auflegen und verkaufen, nicht nur Versicherungen. Meist bieten große Investmentbanken ihren Kunden diese Papiere an. Dabei handelt es sich um außerbörsliche "Over-the-Counter"-Geschäfte, die nicht über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt werden. Der Käufer des CDS zahlt regelmäßig eine Prämie genannte Gebühr an seine Gegenpartei, die dann das Risiko übernimmt. Im Gegenzug zahlt der Verkäufer des CDS einen bestimmten Betrag aus, wenn etwas schiefläuft - genau wie bei einer traditionellen Versicherung.
Der Kurs eines CDS, im Fachjargon Credit Spread genannt, wird in Basispunkten angegeben. Er gibt an, welchen Anteil der versicherten Summe ein Verkäufer dieses Derivates als Gebühr erhebt. Je größer das wahrgenommene Risiko eines Zahlungsausfalls ist, desto größer wird dieser Spread. Liegt der Kurs eines CDS bei 100 Basispunkten, muss ein Prozent der versicherten Summe jährlich als Prämie gezahlt werden. Bei einem Anleihe-Paket im Volumen von zehn Millionen Euro wären das 100.000 Euro.
Ein Marktteilnehmer, üblicherweise der Käufer eines CDS, beantragt beim Credit Derivatives Determinations Committee (DC) die Prüfung, ob ein sogenanntes Kreditereignis (Credit Event) eingetreten ist. Darunter verstehen Fachleute den Zahlungsausfall eines Schuldners oder eine Umschuldung. Weltweit gibt es fünf DCs, jedes ist für eine bestimmte Region verantwortlich. In diesem Gremium sitzen bis zu 15 stimmberechtigte Mitglieder, die hauptsächlich von den großen Banken und Vermögensverwaltern entsandt werden.
Es gibt fünf Grund-Szenarien, die als Kreditereignis gewertet werden: Insolvenz, Zahlungsausfall, Umschuldung, Zahlungsmoratorium und eine vorzeitige Fälligkeit einer Verbindlichkeit (Obligation Acceleration). Bei Letzterer ist nicht der eigentliche Bond notleidend, sondern eine andere Verbindlichkeit, wodurch die versicherte Anleihe vorzeitig fällig wird.
Stellt das DC ein Kreditereignis fest, übergibt der CDS-Käufer die versicherten Bonds dem CDS-Verkäufer und erhält von diesem den Nominalwert der Anleihen ausgezahlt. Ist der CDS-Käufer nicht im Besitz der versicherten Papiere, weil er nur mit dem CDS selbst spekuliert hat, muss er diese auftreiben. Sollte sich dies als schwierig erweisen, können sich die Parteien auch auf eine rein finanzielle Abwicklung des Geschäfts einigen, bei der keine Anleihen den Besitzer wechseln.
Steigt die Furcht vor Zahlungsausfällen, treibt dies die Kurse der CDS und damit die Kosten für die Ausfallversicherungen in die Höhe. Anleihehalter können dadurch gezwungen sein, sich von Bonds zu trennen. Für Unternehmen erhöhen sich gleichzeitig die Finanzierungskosten, was wiederum Spekulationen auf Zahlungsausfälle befördert und in einen Teufelskreis mündet.
CDS standen im Zentrum der Finanzkrise 2008. Die US-Investmentbanken Bear Stearns und Lehman Brothers gehörten zu den vielen Banken, die neben anderen Arten von Derivaten CDS für Anleger auf hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) ausgaben – Hypotheken, die in einem Paket gebündelt sind. Als die US-Zinsen im Laufe des Jahres 2007 stark anstiegen, löste dies eine Welle von Hypothekenausfällen aus, wodurch MBS und andere gebündelte Wertpapiere in Milliardenhöhe wertlos wurden. Dies führte zu massiven Auszahlungsverpflichtungen für Banken wie Lehman und Bear Stearns.
Credit Event (Kreditereignis): Tritt bei Zahlungsunfähigkeit oder einer Umschuldung ein.
Default (Ausfall): Umschreibung für eine Pleite. Kredite können nicht mehr zurückgezahlt werden.
Haircut (Haarschnitt): Gemeint ist ein Schuldenerlass. Die Gläubiger verzichten auf Teile ihrer Forderungen.
Restructuring (Umstrukturierung): Hier ist von einer Umschuldung die Rede. Sie kann einen Schuldenerlass beinhalten. Möglich ist außerdem eine Laufzeit-Verlängerung und/oder eine Herabsetzung der Zinszahlungen (Kupon) für Anleihen.
Upfront Payment (Anzahlung): Bei Kreditnehmern, die als kurz vor der Pleite stehend gelten, verlangen CDS-Verkäufer oft eine Anzahlung, die zur sonstigen Prämie hinzukommt.
(ammengestellt von Hakan Ersen, Amanda Cooper, Karin Strohecker, Davide Barbuscia. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkt)
15.10.26
07:50
Reuters
Credit Default Swaps (CDS) rücken daher wieder ins Rampenlicht. Diese Kreditausfallversicherungen wurden während der Finanzkrise von 2008 und der europäischen Schuldenkrise einige Jahre später einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Nachfolgend einige Fragen und Antworten zu diesem Thema:
Es handelt sich quasi um eine Versicherungspolice, mit der sich Käufer von Anleihen gegen bestimmte Risiken wappnen. Häufig kaufen Anleihe-Investoren CDS auf diejenigen Papiere, die sie halten, um sich gegen einen Zahlungsausfall abzusichern. Die CDS können dabei auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden. Manche Investoren spekulieren auch direkt mit CDS. Das bedeutet, sie besitzen gar keine Wertpapiere, die sie gegen einen Zahlungsausfall absichern wollen, sondern setzen auf Kursgewinne der CDS selbst.
Nach Angaben der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) ist der Markt für CDS auf Anleihen einzelner Emittenten rund neun Billionen Dollar schwer. Das Volumen der globalen Anleihemärkte ist mit über 150 Billionen Dollar jedoch um ein Vielfaches höher. Im zweiten Quartal 2026 lag das tägliche CDS-Handelsvolumen bei 16 Milliarden Dollar.
Die meisten CDS gibt es auf Staatsanleihen. Auf Unternehmensseite entscheiden sich Halter von Banken-Bonds am häufigsten für Kreditausfallversicherungen. CDS auf Schuldverschreibungen von Technologiekonzernen gewinnen der Depositary Trust & Clearing Corporation (DTCC) zufolge an Bedeutung. Der Handel mit diesen Papieren habe sich im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum versiebenfacht.
Der Handel mit CDS kann illiquide sein. Die durchschnittliche Anzahl der täglichen Transaktionen liegt selbst bei großen Unternehmen manchmal nur im einstelligen Bereich. Dadurch können kleine Kauf- oder Verkaufsaufträge relativ große Kursausschläge auslösen.
Im Prinzip kann jeder Finanzakteur einen CDS auflegen und verkaufen, nicht nur Versicherungen. Meist bieten große Investmentbanken ihren Kunden diese Papiere an. Dabei handelt es sich um außerbörsliche "Over-the-Counter"-Geschäfte, die nicht über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt werden. Der Käufer des CDS zahlt regelmäßig eine Prämie genannte Gebühr an seine Gegenpartei, die dann das Risiko übernimmt. Im Gegenzug zahlt der Verkäufer des CDS einen bestimmten Betrag aus, wenn etwas schiefläuft - genau wie bei einer traditionellen Versicherung.
Der Kurs eines CDS, im Fachjargon Credit Spread genannt, wird in Basispunkten angegeben. Er gibt an, welchen Anteil der versicherten Summe ein Verkäufer dieses Derivates als Gebühr erhebt. Je größer das wahrgenommene Risiko eines Zahlungsausfalls ist, desto größer wird dieser Spread. Liegt der Kurs eines CDS bei 100 Basispunkten, muss ein Prozent der versicherten Summe jährlich als Prämie gezahlt werden. Bei einem Anleihe-Paket im Volumen von zehn Millionen Euro wären das 100.000 Euro.
Ein Marktteilnehmer, üblicherweise der Käufer eines CDS, beantragt beim Credit Derivatives Determinations Committee (DC) die Prüfung, ob ein sogenanntes Kreditereignis (Credit Event) eingetreten ist. Darunter verstehen Fachleute den Zahlungsausfall eines Schuldners oder eine Umschuldung. Weltweit gibt es fünf DCs, jedes ist für eine bestimmte Region verantwortlich. In diesem Gremium sitzen bis zu 15 stimmberechtigte Mitglieder, die hauptsächlich von den großen Banken und Vermögensverwaltern entsandt werden.
Es gibt fünf Grund-Szenarien, die als Kreditereignis gewertet werden: Insolvenz, Zahlungsausfall, Umschuldung, Zahlungsmoratorium und eine vorzeitige Fälligkeit einer Verbindlichkeit (Obligation Acceleration). Bei Letzterer ist nicht der eigentliche Bond notleidend, sondern eine andere Verbindlichkeit, wodurch die versicherte Anleihe vorzeitig fällig wird.
Stellt das DC ein Kreditereignis fest, übergibt der CDS-Käufer die versicherten Bonds dem CDS-Verkäufer und erhält von diesem den Nominalwert der Anleihen ausgezahlt. Ist der CDS-Käufer nicht im Besitz der versicherten Papiere, weil er nur mit dem CDS selbst spekuliert hat, muss er diese auftreiben. Sollte sich dies als schwierig erweisen, können sich die Parteien auch auf eine rein finanzielle Abwicklung des Geschäfts einigen, bei der keine Anleihen den Besitzer wechseln.
Steigt die Furcht vor Zahlungsausfällen, treibt dies die Kurse der CDS und damit die Kosten für die Ausfallversicherungen in die Höhe. Anleihehalter können dadurch gezwungen sein, sich von Bonds zu trennen. Für Unternehmen erhöhen sich gleichzeitig die Finanzierungskosten, was wiederum Spekulationen auf Zahlungsausfälle befördert und in einen Teufelskreis mündet.
CDS standen im Zentrum der Finanzkrise 2008. Die US-Investmentbanken Bear Stearns und Lehman Brothers gehörten zu den vielen Banken, die neben anderen Arten von Derivaten CDS für Anleger auf hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS) ausgaben – Hypotheken, die in einem Paket gebündelt sind. Als die US-Zinsen im Laufe des Jahres 2007 stark anstiegen, löste dies eine Welle von Hypothekenausfällen aus, wodurch MBS und andere gebündelte Wertpapiere in Milliardenhöhe wertlos wurden. Dies führte zu massiven Auszahlungsverpflichtungen für Banken wie Lehman und Bear Stearns.
(ammengestellt von Hakan Ersen, Amanda Cooper, Karin Strohecker, Davide Barbuscia. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkt)