29.09.26
13:16
Reuters
* Börsenwert von mehr als zwei Billionen Dollar angepeilt
* Umsatz und Verlust 2025 jeweils vervielfacht
* Anthropic warnt vor "existenziellen Gefahren für Menschheit" durch KI
| (Neu: weitere Details aus Börsenprospekt) |
| New York, 29. Sep (Reuters) - Der KI-Entwickler |
| Anthropic strebt bei seinem geplanten US-Börsengang eine |
| Marktkapitalisierung von mehr als zwei Billionen Dollar an. Dies |
| geht aus dem Emissionsprospekt des auf Künstliche Intelligenz |
| (KI) spezialisierten US-Startups hervor, den die |
| Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Diese Bewertung wäre |
| mehr als doppelt so hoch wie bei der jüngsten Finanzierungsrunde |
| im vergangenen Mai und ein Lackmustest für die Branchenstimmung. |
| Allerdings erkauft sich Anthropic sein rasantes Wachstum mit |
| hohen Verlusten. Gleichzeitig sorgen außer Kontrolle geratene |
| KI-Modelle, die in fremde IT-Systeme eindringen, immer wieder |
| für Schlagzeilen. Dies hat eine Diskussion darüber entfacht, ob |
| diese Technologie eine existenzielle Gefahr für die Menschheit |
| darstellt. |
Anthropic weist im Börsenprospekt sogar ausdrücklich darauf hin: Die aktuelle Entwicklung könnte das Risiko erhöhen, dass die KI-Modelle des Unternehmens mit Sitz in San Francisco Schaden anrichten. Sie könnten sich einer Abschaltung widersetzen, Informationen verheimlichen oder manipulieren sowie erpresserische Verhaltensweisen entwickeln. Dies ist ein ungewöhnlicher Schritt für eine Firma, dessen Erfolg von einer raschen Verbreitung dieser Technologie abhängt. Der Rivale OpenAI stoppte einem Zeitungsbericht zufolge die Veröffentlichung der nächsten KI-Generation, weil die Software unerwünschte Verhaltensweisen an den Tag legte. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI legte sogar seine Börsenpläne auf Eis.
Der Börsenaspirant Anthropic betont allerdings auch die wirtschaftlichen Chancen im Zusammenhang mit KI. Im vergangenen Jahr verzwölffachte sich der Umsatz des Startups den Angaben zufolge auf etwa 4,6 Milliarden Dollar. Der Verlust stieg jedoch in ähnlichem Umfang auf 42 Milliarden Dollar. Zwar geht der Löwenanteil davon auf Abschreibungen im Zusammenhang mit früheren Finanzierungsrunden zurück. Das operative Minus lag aber bei acht Milliarden Dollar. Ein Grund hierfür sind die steigenden Kosten für Rechenkapazitäten, die für das Training und den Betrieb von KI benötigt werden. Sie verdreifachten sich 2025 auf 7,3 Milliarden Dollar und machen mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben aus. In den kommenden Jahren will Anthropic insgesamt 518 Milliarden Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur investieren. Etwa 80 Prozent dieser Ausgaben seien vertraglich festgeschrieben und müssten unabhängig vom tatsächlichen Bedarf gezahlt werden. Diese Vertragskonstruktion sei notwendig, weil Rechenkapazitäten auf absehbare Zeit ein knappes Gut blieben.
Ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Anthropic bislang mit zwei Großkunden. Allerdings hätten diese und andere Abnehmer meist keine langfristigen Verträge abgeschlossen. Sie könnten daher jederzeit Auftragsvolumina reduzieren oder stornieren. Das Startup verfügt über Barmittel von rund 20 Milliarden Dollar. Zu den wichtigsten Kooperationspartnern zählen Amazon(AMZN.O) und Google. Der Onlinehändler und der Internetkonzern haben jeweils Milliarden in Anthropic investiert und stellen dem Unternehmen gleichzeitig Rechenkapazitäten zur Verfügung. Der dritte wichtige Cloud-Anbieter für das Startup ist Microsoft(MSFT.O). Er ist ebenso wie die beiden anderen US-Konzerne aber nicht nur Lieferant, sondern auch Kunde und als Entwickler eigener KI-Modelle gleichzeitig Konkurrent. Dies könnte Anreize schaffen, die "möglicherweise nicht vollständig mit den Interessen von Anthropic im Einklang stehen", warnte Anthropic. Die Einschränkungen von Cloud-Dienstleistungen oder Preiserhöhungen könnten die Bilanz beeinträchtigen.
Die Kontrolle über Anthropic wollen die sieben Gründer auch nach dem Börsengang nicht abgeben. Ihre Anteile werden den Angaben zufolge in einer mit Sonderstimmrechten ausgestatteten "Founder LLC" gebündelt, die dem Allgemeinwohl verpflichtet ist. Ein Mehrheitsbeschluss dieses Gremiums, dem unter anderem Anthropic-Chef Dario Amodei und seine Schwester Daniela angehören, überstimmt die übrigen Aktionäre. Die Teilhaber der "Founder LLC" seien "in besonderer Weise geeignet, unsere Mission voranzutreiben". Dieses Ziel ist die Entwicklung einer verantwortungsvollen KI, die der Menschheit dient.
Mit der anvisierten Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen Dollar wäre Anthropic nach SpaceX(SPCX.O) das zweite Unternehmen, das diese Marke aus dem Stand knackt. Die Aktien des Weltraumkonzerns, zu dem auch der KI-Entwickler xAI zählt, rutschten nach ihrem fulminanten Börsendebüt im Juni jedoch zeitweise unter ihren Ausgabepreis. Analysten rechnen dennoch mit regem Interesse an den Anthropic-Papieren. Sie böten Anlegern Gelegenheit, direkt in ein reines KI-Unternehmen zu investieren, das technologisch führend sei.
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| STICHWORT-Hackerangriffe und Angriffsversuche autonomer | |
| KI-Systeme | [nL8N4570JQ] |
| STICHWORT-Warnung vor KI-Apokalypse: Wie konnte es so weit | |
| kommen? | [nL8N4570SP] |
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(icht von Echo Wang, Ross Kerber, Jeffrey Dastin und Sabrina Valle; geschrieben von Hakan Ersen. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkt)
29.09.26
13:16
Reuters
(Neu: weitere Details aus Börsenprospekt) New York, 29. Sep (Reuters) - Der KI-Entwickler Anthropic strebt bei seinem geplanten US-Börsengang eine Marktkapitalisierung von mehr als zwei Billionen Dollar an. Dies geht aus dem Emissionsprospekt des auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierten US-Startups hervor, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Diese Bewertung wäre mehr als doppelt so hoch wie bei der jüngsten Finanzierungsrunde im vergangenen Mai und ein Lackmustest für die Branchenstimmung. Allerdings erkauft sich Anthropic sein rasantes Wachstum mit hohen Verlusten. Gleichzeitig sorgen außer Kontrolle geratene KI-Modelle, die in fremde IT-Systeme eindringen, immer wieder für Schlagzeilen. Dies hat eine Diskussion darüber entfacht, ob diese Technologie eine existenzielle Gefahr für die Menschheit darstellt.
Anthropic weist im Börsenprospekt sogar ausdrücklich darauf hin: Die aktuelle Entwicklung könnte das Risiko erhöhen, dass die KI-Modelle des Unternehmens mit Sitz in San Francisco Schaden anrichten. Sie könnten sich einer Abschaltung widersetzen, Informationen verheimlichen oder manipulieren sowie erpresserische Verhaltensweisen entwickeln. Dies ist ein ungewöhnlicher Schritt für eine Firma, dessen Erfolg von einer raschen Verbreitung dieser Technologie abhängt. Der Rivale OpenAI stoppte einem Zeitungsbericht zufolge die Veröffentlichung der nächsten KI-Generation, weil die Software unerwünschte Verhaltensweisen an den Tag legte. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI legte sogar seine Börsenpläne auf Eis.
Der Börsenaspirant Anthropic betont allerdings auch die wirtschaftlichen Chancen im Zusammenhang mit KI. Im vergangenen Jahr verzwölffachte sich der Umsatz des Startups den Angaben zufolge auf etwa 4,6 Milliarden Dollar. Der Verlust stieg jedoch in ähnlichem Umfang auf 42 Milliarden Dollar. Zwar geht der Löwenanteil davon auf Abschreibungen im Zusammenhang mit früheren Finanzierungsrunden zurück. Das operative Minus lag aber bei acht Milliarden Dollar. Ein Grund hierfür sind die steigenden Kosten für Rechenkapazitäten, die für das Training und den Betrieb von KI benötigt werden. Sie verdreifachten sich 2025 auf 7,3 Milliarden Dollar und machen mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben aus. In den kommenden Jahren will Anthropic insgesamt 518 Milliarden Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur investieren. Etwa 80 Prozent dieser Ausgaben seien vertraglich festgeschrieben und müssten unabhängig vom tatsächlichen Bedarf gezahlt werden. Diese Vertragskonstruktion sei notwendig, weil Rechenkapazitäten auf absehbare Zeit ein knappes Gut blieben.
Ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Anthropic bislang mit zwei Großkunden. Allerdings hätten diese und andere Abnehmer meist keine langfristigen Verträge abgeschlossen. Sie könnten daher jederzeit Auftragsvolumina reduzieren oder stornieren. Das Startup verfügt über Barmittel von rund 20 Milliarden Dollar. Zu den wichtigsten Kooperationspartnern zählen Amazon(AMZN.O) und Google. Der Onlinehändler und der Internetkonzern haben jeweils Milliarden in Anthropic investiert und stellen dem Unternehmen gleichzeitig Rechenkapazitäten zur Verfügung. Der dritte wichtige Cloud-Anbieter für das Startup ist Microsoft(MSFT.O). Er ist ebenso wie die beiden anderen US-Konzerne aber nicht nur Lieferant, sondern auch Kunde und als Entwickler eigener KI-Modelle gleichzeitig Konkurrent. Dies könnte Anreize schaffen, die "möglicherweise nicht vollständig mit den Interessen von Anthropic im Einklang stehen", warnte Anthropic. Die Einschränkungen von Cloud-Dienstleistungen oder Preiserhöhungen könnten die Bilanz beeinträchtigen.
Die Kontrolle über Anthropic wollen die sieben Gründer auch nach dem Börsengang nicht abgeben. Ihre Anteile werden den Angaben zufolge in einer mit Sonderstimmrechten ausgestatteten "Founder LLC" gebündelt, die dem Allgemeinwohl verpflichtet ist. Ein Mehrheitsbeschluss dieses Gremiums, dem unter anderem Anthropic-Chef Dario Amodei und seine Schwester Daniela angehören, überstimmt die übrigen Aktionäre. Die Teilhaber der "Founder LLC" seien "in besonderer Weise geeignet, unsere Mission voranzutreiben". Dieses Ziel ist die Entwicklung einer verantwortungsvollen KI, die der Menschheit dient.
Mit der anvisierten Marktkapitalisierung von rund zwei Billionen Dollar wäre Anthropic nach SpaceX(SPCX.O) das zweite Unternehmen, das diese Marke aus dem Stand knackt. Die Aktien des Weltraumkonzerns, zu dem auch der KI-Entwickler xAI zählt, rutschten nach ihrem fulminanten Börsendebüt im Juni jedoch zeitweise unter ihren Ausgabepreis. Analysten rechnen dennoch mit regem Interesse an den Anthropic-Papieren. Sie böten Anlegern Gelegenheit, direkt in ein reines KI-Unternehmen zu investieren, das technologisch führend sei.
<p align=center><b><^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^</p></b>(icht von Echo Wang, Ross Kerber, Jeffrey Dastin und Sabrina Valle; geschrieben von Hakan Ersen. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkt)