30.10.26
13:46
Reuters
(Neu: FBI, Zitate zu Nordkorea)
* Kriminelle erbeuten 6,3 Milliarden Dollar
* Binance: Rund drei Milliarden Dollar gefunden und eingefroren
| * Analysten vermuten Nordkorea dahinter |
| * Betroffene sollen vollständig entschädigt werden |
| - von Ankur Banerjee und Tom Westbrook und Summer Zhen |
| Singapur/Hongkong, 30. Okt (Reuters) - Hacker haben bei |
| einem Angriff auf die weltgrößte Kryptowährungsbörse Binance |
| eine Milliardenbeute gemacht. Experten machen Nordkorea für die |
| Tat verantwortlich, die das größte Finanzverbrechen der |
| Geschichte sein könnte. |
Der Schaden belaufe sich auf 6,3 Milliarden Dollar, teilte Binance am Freitag mit. Man arbeite mit verschiedenen Partnern zusammen, um die betroffenen Vermögenswerte einzufrieren. Bei etwa der Hälfte der gestohlenen Summe sei dies dank der Hilfe einzelner Stablecoin-Anbieter wie Tether oder Circle(CRCL.N) bereits gelungen. "Ihr Geld ist sicher, und wir kommen für jeden Verlust auf", schrieb Co-Chef Richard Teng auf der Kurznachrichtenplattform X. "Unsere Untersuchung hat bisher keine konkrete Person als verantwortlich identifiziert." Binance setzte als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend sämtliche Ein- und Auszahlungen aus.
Die Firma arbeitet mit der US-Bundespolizei FBI und dem Secret Service zusammen, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. "Das war ein komplexer Angriff, und wir tun in Abstimmung mit den Strafverfolgungsbehörden alles, was wir können, um ihn aufzuklären", teilte Binance in einem Beitrag auf X mit.
Der Vorfall treffe den Markt an einer empfindlichen Stelle, sagte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG. "Auch wenn Binance den Ersatz der Verluste zugesagt hat, rücken Fragen zur Sicherheit und Verwahrung digitaler Vermögenswerte wieder in den Vordergrund." Die Kurse der wichtigsten Cyberdevisen Bitcoin(BTC=) und Ethereum(ETH=) fielen zeitweise um rund drei Prozent. Der Binance-Coin(BNB=CCCL), mit dem die Gebühren der Handelsplattform beglichen werden, verlor fünf Prozent. Am US-Aktienmarkt gaben die Titel der Kryptobörse Coinbase(COIN.O) und der Softwarefirma MicroStrategy(MSTR.O), die Milliarden in Kryptowährungen investiert hat, ähnlich stark nach.
Binance hat nach eigenen Angaben weltweit 335 Millionen registrierte Nutzer. Das verwahrte Vermögen belief sich 2025 auf 162,8 Milliarden Dollar. Die Handelsplattform betreibt einen eigenen Sicherungsfonds über eine Milliarde Dollar in Bitcoin, der bei Hackerangriffen Nutzer entschädigen soll. Binance teilte zudem mit, intern rund 6,34 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln zurückgelegt zu haben, um die Verluste zu decken. Details zur Herkunft der Gelder nannte die Kryptobörse nicht.
Ersten Ermittlungen zufolge verschafften sich die Angreifer über den gehackten Laptop eines Ingenieurs Zugriff auf die IT-Systeme von Binance. Der Löwenanteil der Beute sei am Donnerstagabend innerhalb von 20 Minuten transferiert worden, gaben die Analysefirmen TRM Labs und Chainalysis an. Das Vorgehen der Angreifer weise Ähnlichkeiten mit dem Hackerangriff auf die Kryptobörse Bybit auf, für den das FBI Nordkorea verantwortlich gemacht hatte. "TRM führt den Angriff auf TraderTraitor, Nordkoreas Elite-Hacker-Einheit, zurück", erklärten die Experten in einer auf der TRM-Website veröffentlichten Analyse. "Wir sind uns bei dieser Einschätzung sehr sicher." Auch die britischen Blockchain-Analysten von Elliptic vermuten Nordkorea hinter der Tat.
Behörden verschiedener Länder und Cybersicherheitsexperten werfen dem Land seit Jahren vor, Hacker für Spionage und Diebstahl von Vermögenswerten einzusetzen. Die Regierung in Pjöngjang hat dies stets zurückgewiesen. Die nordkoreanische Botschaft in Genf war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
TRM Labs zufolge erbeuteten Kriminelle im vergangenen Jahr bei knapp 150 Cyberangriffen insgesamt etwa 2,9 Milliarden Dollar. Einer der größten Fälle in diesem Zeitraum sei der Diebstahl von 350 Millionen Dollar bei der Kryptobörse Bitget.
Tether teilte mit, man habe Vermögenswerte im Wert von fast 1,57 Milliarden Dollar eingefroren. Circle sperrte nach eigenen Angaben mehr als 800 Millionen Dollar. Das dem US-Präsidenten Donald Trump und seiner Familie nahestehende Krypto-Unternehmen World Liberty Financial teilte mit, es habe mit dem Krypto-Verwahrer BitGo zusammengearbeitet, um gestohlene Gelder festzusetzen. Binance-Mitbegründerin Yi zufolge wurden dabei 27 Millionen Dollar in Stablecoins und World-Liberty-Token im Wert von rund zwei Millionen Dollar gesichert. Das Krypto-Unternehmen Ripple fror Gelder im Wert von rund 200 Millionen Dollar ein, fügte Yi hinzu.
"Es wird immer schwieriger, Hackerangriffe abzuwehren, da Künstliche Intelligenz Schwachstellen schneller finden kann, als sie behoben werden können", sagte Bernardo Brites, Chef von Trace Finance, einem Unternehmen für Zahlungsinfrastruktur. "Meiner Ansicht nach werden sich die Nutzer von kleineren und mittleren Börsen abwenden, da es zu riskant wird, ihr Geld an einem Ort zu parken, der die Verluste aus einem größeren Hackerangriff nicht ersetzen könnte."
(Geschrieben von Hakan Ersen und Esther Blank, bearbeitet von Myria Mildenberger. Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
30.10.26
13:46
Reuters
Singapur/Hongkong, 30. Okt (Reuters) - Hacker haben bei einem Angriff auf die weltgrößte Kryptowährungsbörse Binance eine Milliardenbeute gemacht. Experten machen Nordkorea für die Tat verantwortlich, die das größte Finanzverbrechen der Geschichte sein könnte.
Der Schaden belaufe sich auf 6,3 Milliarden Dollar, teilte Binance am Freitag mit. Man arbeite mit verschiedenen Partnern zusammen, um die betroffenen Vermögenswerte einzufrieren. Bei etwa der Hälfte der gestohlenen Summe sei dies dank der Hilfe einzelner Stablecoin-Anbieter wie Tether oder Circle(CRCL.N) bereits gelungen. "Ihr Geld ist sicher, und wir kommen für jeden Verlust auf", schrieb Co-Chef Richard Teng auf der Kurznachrichtenplattform X. "Unsere Untersuchung hat bisher keine konkrete Person als verantwortlich identifiziert." Binance setzte als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend sämtliche Ein- und Auszahlungen aus.
Die Firma arbeitet mit der US-Bundespolizei FBI und dem Secret Service zusammen, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. "Das war ein komplexer Angriff, und wir tun in Abstimmung mit den Strafverfolgungsbehörden alles, was wir können, um ihn aufzuklären", teilte Binance in einem Beitrag auf X mit.
Der Vorfall treffe den Markt an einer empfindlichen Stelle, sagte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG. "Auch wenn Binance den Ersatz der Verluste zugesagt hat, rücken Fragen zur Sicherheit und Verwahrung digitaler Vermögenswerte wieder in den Vordergrund." Die Kurse der wichtigsten Cyberdevisen Bitcoin(BTC=) und Ethereum(ETH=) fielen zeitweise um rund drei Prozent. Der Binance-Coin(BNB=CCCL), mit dem die Gebühren der Handelsplattform beglichen werden, verlor fünf Prozent. Am US-Aktienmarkt gaben die Titel der Kryptobörse Coinbase(COIN.O) und der Softwarefirma MicroStrategy(MSTR.O), die Milliarden in Kryptowährungen investiert hat, ähnlich stark nach.
Binance hat nach eigenen Angaben weltweit 335 Millionen registrierte Nutzer. Das verwahrte Vermögen belief sich 2025 auf 162,8 Milliarden Dollar. Die Handelsplattform betreibt einen eigenen Sicherungsfonds über eine Milliarde Dollar in Bitcoin, der bei Hackerangriffen Nutzer entschädigen soll. Binance teilte zudem mit, intern rund 6,34 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln zurückgelegt zu haben, um die Verluste zu decken. Details zur Herkunft der Gelder nannte die Kryptobörse nicht.
NORDKOREA IM VERDACHT
Ersten Ermittlungen zufolge verschafften sich die Angreifer über den gehackten Laptop eines Ingenieurs Zugriff auf die IT-Systeme von Binance. Der Löwenanteil der Beute sei am Donnerstagabend innerhalb von 20 Minuten transferiert worden, gaben die Analysefirmen TRM Labs und Chainalysis an. Das Vorgehen der Angreifer weise Ähnlichkeiten mit dem Hackerangriff auf die Kryptobörse Bybit auf, für den das FBI Nordkorea verantwortlich gemacht hatte. "TRM führt den Angriff auf TraderTraitor, Nordkoreas Elite-Hacker-Einheit, zurück", erklärten die Experten in einer auf der TRM-Website veröffentlichten Analyse. "Wir sind uns bei dieser Einschätzung sehr sicher." Auch die britischen Blockchain-Analysten von Elliptic vermuten Nordkorea hinter der Tat.
Behörden verschiedener Länder und Cybersicherheitsexperten werfen dem Land seit Jahren vor, Hacker für Spionage und Diebstahl von Vermögenswerten einzusetzen. Die Regierung in Pjöngjang hat dies stets zurückgewiesen. Die nordkoreanische Botschaft in Genf war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
TRM Labs zufolge erbeuteten Kriminelle im vergangenen Jahr bei knapp 150 Cyberangriffen insgesamt etwa 2,9 Milliarden Dollar. Einer der größten Fälle in diesem Zeitraum sei der Diebstahl von 350 Millionen Dollar bei der Kryptobörse Bitget.
DIEBESGUT TEILWEISE AUFGESPÜRT
Tether teilte mit, man habe Vermögenswerte im Wert von fast 1,57 Milliarden Dollar eingefroren. Circle sperrte nach eigenen Angaben mehr als 800 Millionen Dollar. Das dem US-Präsidenten Donald Trump und seiner Familie nahestehende Krypto-Unternehmen World Liberty Financial teilte mit, es habe mit dem Krypto-Verwahrer BitGo zusammengearbeitet, um gestohlene Gelder festzusetzen. Binance-Mitbegründerin Yi zufolge wurden dabei 27 Millionen Dollar in Stablecoins und World-Liberty-Token im Wert von rund zwei Millionen Dollar gesichert. Das Krypto-Unternehmen Ripple fror Gelder im Wert von rund 200 Millionen Dollar ein, fügte Yi hinzu.
"Es wird immer schwieriger, Hackerangriffe abzuwehren, da Künstliche Intelligenz Schwachstellen schneller finden kann, als sie behoben werden können", sagte Bernardo Brites, Chef von Trace Finance, einem Unternehmen für Zahlungsinfrastruktur. "Meiner Ansicht nach werden sich die Nutzer von kleineren und mittleren Börsen abwenden, da es zu riskant wird, ihr Geld an einem Ort zu parken, der die Verluste aus einem größeren Hackerangriff nicht ersetzen könnte."
(Geschrieben von Hakan Ersen und Esther Blank, bearbeitet von Myria Mildenberger. Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)