23.09.26
07:00
Reuters
Frankfurt, 23. Sep (Reuters) - Im Rennen um die technologische Führung bei Künstlicher Intelligenz (KI) sind die USA und China erbitterte Gegner. Für viele Anleger spielt diese Spaltung in zwei Lager jedoch keine Rolle - sie investieren einfach in Unternehmen auf beiden Seiten. Chinesische Technologieunternehmen heuern regelmäßig US-Banken als Konsortialführer für Finanzierungsrunden oder Börsengänge an. Gleichzeitig kaufen sich Fonds aus der Volksrepublik bei US-Technologiefirmen ein.
Die Rivalität verstärke das Interesse an den Unternehmen aus dem jeweils anderen Staat, weil sie voraussichtlich auf eine Spaltung der Technologie-Welt hinauslaufe, erläutert James Buckley-Thorp, Gründer und Chef des KI-Entwicklers Atlian. "Es wird zwei Internet-Welten geben, zwei Software-Ökosysteme und zwei Regelwerke." Ein Portfolio müsse beide Sphären abdecken. Dabei vertrauten die Investoren darauf, dass die Politik wegen des technologischen Systemwettstreits auf eine strengere Regulierung der Branche verzichten werde. US-Präsident Donald Trump lehnt eine Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen ab, weil dies China in die Hände spiele.
Weltweit diskutieren Experten, ob der Menschheit die Kontrolle über KI zu entgleiten droht und sie vor ihrer Auslöschung steht. Auslöser der Debatte sind entsprechende Warnungen von KI-Entwicklern aus den USA. Aus China kamen bislang kaum Wortmeldungen zu diesem Thema. US-Finanzminister Scott Bessent hat nach eigenen Angaben mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten He Lifeng über die Einrichtung eines KI-Dialogs beraten. Dieser solle unter anderem dazu dienen, sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen.
<h5 align=center> ANNÄHERUNG DURCH HANDEL</h5>Politisch sind die finanziellen Verflechtungen ebenfalls von Vorteil, betonen Experten. Keine der beiden Seiten habe Interesse daran, dass die aktuellen Spannungen eskalieren. Das geplante Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping könnte sogar zu einer Verbesserung der Beziehungen beitragen, sagt Fred Hu, Gründer und Chef der Beteiligungsgesellschaft Primavera. Experten gehen davon aus, dass die beiden Staaten ihren Burgfrieden im Handelsstreit verlängern werden.
Auf Investorenebene werden die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik täglich enger: Dem Datenanbieter LSEG zufolge haben Investmentbanken wie Goldman Sachs(GS.N), Morgan Stanley(MS.N) oder JPMorgan(JPM.N) seit Jahresbeginn chinesische Technologieunternehmen bei der Beschaffung von 17,2 Milliarden Dollar an Kapital federführend begleitet. Hierzu zählten die Börsendebüts des KI-Entwicklers MiniMax(0100.HK) und von Victory Giant(2476.HK), einem Anbieter von Leiterplatten für KI-Server. Die Wall Street mache "auf beiden Seiten des Kalten Krieges Kasse", sagt Atlian-Chef Buckley-Thorp.
Gleichzeitig schwollen die Investitionen chinesischer Anleger in US-Aktien nach LSEG-Daten in den vergangenen Monaten um etwa ein Viertel auf 750 Milliarden Dollar an. Gefragt sind unter anderem die Aktien der Chip-Hersteller AMD(AMD.O) und Micron(MU.O). Darüber hinaus beteiligen sich chinesische Investoren immer häufiger an Finanzierungsrunden für KI-Startups aus den USA. Dem Datenanbieter S&P Global Market Intelligence stellten sie hierfür seit Jahresbeginn 8,9 Milliarden Dollar zur Verfügung. Der genaue Umfang des Engagements lasse sich nur schwer abschätzen, gibt Thilo Hanemann, Partner beim Analysehaus Rhodium, zu bedenken. Viele wohlhabende Chinesen nutzen für solche Geschäfte Offshore-Fonds.
(Reporter: Reuters-Mitarbeiter; geschrieben von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter 030 2201 33702.)
23.09.26
07:00
Reuters
(Wiederholung des am Vorabend gesendeten Textes ohne Änderungen)
* Wall Street-Banken spielen bei Börsengängen in China wichtige Rolle
* Chinesische Anleger investieren verstärkt in US-Technologiefirmen
| * Experte: |
| Frankfurt, 23. Sep (Reuters) - Im Rennen um die |
| technologische Führung bei Künstlicher Intelligenz (KI) sind die |
| USA und China erbitterte Gegner. Für viele Anleger spielt diese |
| Spaltung in zwei Lager jedoch keine Rolle - sie investieren |
| einfach in Unternehmen auf beiden Seiten. Chinesische |
| Technologieunternehmen heuern regelmäßig US-Banken als |
| Konsortialführer für Finanzierungsrunden oder Börsengänge an. |
| Gleichzeitig kaufen sich Fonds aus der Volksrepublik bei |
| US-Technologiefirmen ein. |
Die Rivalität verstärke das Interesse an den Unternehmen aus dem jeweils anderen Staat, weil sie voraussichtlich auf eine Spaltung der Technologie-Welt hinauslaufe, erläutert James Buckley-Thorp, Gründer und Chef des KI-Entwicklers Atlian. "Es wird zwei Internet-Welten geben, zwei Software-Ökosysteme und zwei Regelwerke." Ein Portfolio müsse beide Sphären abdecken. Dabei vertrauten die Investoren darauf, dass die Politik wegen des technologischen Systemwettstreits auf eine strengere Regulierung der Branche verzichten werde. US-Präsident Donald Trump lehnt eine Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen ab, weil dies China in die Hände spiele.
Weltweit diskutieren Experten, ob der Menschheit die Kontrolle über KI zu entgleiten droht und sie vor ihrer Auslöschung steht. Auslöser der Debatte sind entsprechende Warnungen von KI-Entwicklern aus den USA. Aus China kamen bislang kaum Wortmeldungen zu diesem Thema. US-Finanzminister Scott Bessent hat nach eigenen Angaben mit dem chinesischen Vize-Ministerpräsidenten He Lifeng über die Einrichtung eines KI-Dialogs beraten. Dieser solle unter anderem dazu dienen, sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen.
Politisch sind die finanziellen Verflechtungen ebenfalls von Vorteil, betonen Experten. Keine der beiden Seiten habe Interesse daran, dass die aktuellen Spannungen eskalieren. Das geplante Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping könnte sogar zu einer Verbesserung der Beziehungen beitragen, sagt Fred Hu, Gründer und Chef der Beteiligungsgesellschaft Primavera. Experten gehen davon aus, dass die beiden Staaten ihren Burgfrieden im Handelsstreit verlängern werden.
Auf Investorenebene werden die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik täglich enger: Dem Datenanbieter LSEG zufolge haben Investmentbanken wie Goldman Sachs(GS.N), Morgan Stanley(MS.N) oder JPMorgan(JPM.N) seit Jahresbeginn chinesische Technologieunternehmen bei der Beschaffung von 17,2 Milliarden Dollar an Kapital federführend begleitet. Hierzu zählten die Börsendebüts des KI-Entwicklers MiniMax(0100.HK) und von Victory Giant(2476.HK), einem Anbieter von Leiterplatten für KI-Server. Die Wall Street mache "auf beiden Seiten des Kalten Krieges Kasse", sagt Atlian-Chef Buckley-Thorp.
Gleichzeitig schwollen die Investitionen chinesischer Anleger in US-Aktien nach LSEG-Daten in den vergangenen Monaten um etwa ein Viertel auf 750 Milliarden Dollar an. Gefragt sind unter anderem die Aktien der Chip-Hersteller AMD(AMD.O) und Micron(MU.O). Darüber hinaus beteiligen sich chinesische Investoren immer häufiger an Finanzierungsrunden für KI-Startups aus den USA. Dem Datenanbieter S&P Global Market Intelligence stellten sie hierfür seit Jahresbeginn 8,9 Milliarden Dollar zur Verfügung. Der genaue Umfang des Engagements lasse sich nur schwer abschätzen, gibt Thilo Hanemann, Partner beim Analysehaus Rhodium, zu bedenken. Viele wohlhabende Chinesen nutzen für solche Geschäfte Offshore-Fonds.
(Reporter: Reuters-Mitarbeiter; geschrieben von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter 030 2201 33702.)