02.09.26
08:50
Reuters
Berlin, 02. Sep (Reuters) - Der Anstieg der Renditen europäischer Staatsanleihen hat sich am Mittwoch den sechsten Handelstag in Folge fortgesetzt. Die deutsche Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit(DE10YT=RR) rentierte mit 3,3763 Prozent auf dem höchsten Stand seit April 2011. Die zweijährige Bundesanleihe(DE2YT=RR) - die besonders sensibel auf Zinserwartungen reagiert - notierte mit 2,9861 Prozent auf dem höchsten Niveau seit Juni 2024. An den Finanzmärkten wird inzwischen mit einer fast 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche ihren Leitzins im Kampf gegen die Inflation zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöhen wird - von 2,25 auf 2,50 Prozent.
Steigende Zinskosten sind eine schlechte Nachricht für Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, da sie die Aufnahme neuer Schulden verteuern und den Spielraum für andere Ausgaben wie Investitionen oder Sozialleistungen einschränken. Die Renditeaufschläge sind nicht nur Folge der höheren Inflation wegen des Iran-Kriegs, auf die viele Zentralbanken mit einer strafferen Geldpolitik reagieren. Da viele westliche Staaten wie die USA, Japan und Frankreich inzwischen sehr hoch verschuldet sind, ist das Angebot an Anleihen gestiegen. Um genügend Investoren zum Kauf zu bewegen, müssen diese mit höheren Zinsen gelockt werden. Wegen enormer Investitionen in Künstliche Intelligenz können Anleger zudem ihr Geld auch in attraktive Unternehmensanleihen stecken. Dieser Konkurrenzkampf treibt die Renditen für Staatsanleihen zusätzlich nach oben.
Bundesbankchef Joachim Nagel mahnte die Bundesregierung, die Top-Bonität Deutschlands in Sachen Kreditwürdigkeit zu bewahren. Man müsse hart daran arbeiten, die Bestnote "AAA"' zu erhalten, sagte Nagel am Dienstag in Asheville am Rande des G20-Finanztreffens in den USA. "Und es wird hier eine Herausforderung werden für die Bundesregierung", fügte er auf einer Pressekonferenz mit Klingbeil hinzu. Doch sei er zuversichtlich, auch weil die Wachstumsaussichten nun rosiger seien. Das helfe dem Fiskus auf der Einnahmenseite. Zudem sehe die deutsche Defizitquote im Vergleich zu anderen Ländern "noch sehr ordentlich" aus: "Aber klar ist, dass man natürlich hier in den Anstrengungen nicht nachlassen darf, weil Finanzmärkte eine gewisse Orientierung benötigen", so Nagel.
(Bericht von Rene Wagner - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
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Berlin, 02. Sep (Reuters) - Der Anstieg der Renditen europäischer Staatsanleihen hat sich am Mittwoch den sechsten Handelstag in Folge fortgesetzt. Die deutsche Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit(DE10YT=RR) rentierte mit 3,3763 Prozent auf dem höchsten Stand seit April 2011. Die zweijährige Bundesanleihe(DE2YT=RR) - die besonders sensibel auf Zinserwartungen reagiert - notierte mit 2,9861 Prozent auf dem höchsten Niveau seit Juni 2024. An den Finanzmärkten wird inzwischen mit einer fast 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche ihren Leitzins im Kampf gegen die Inflation zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöhen wird - von 2,25 auf 2,50 Prozent.
Steigende Zinskosten sind eine schlechte Nachricht für Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, da sie die Aufnahme neuer Schulden verteuern und den Spielraum für andere Ausgaben wie Investitionen oder Sozialleistungen einschränken. Die Renditeaufschläge sind nicht nur Folge der höheren Inflation wegen des Iran-Kriegs, auf die viele Zentralbanken mit einer strafferen Geldpolitik reagieren. Da viele westliche Staaten wie die USA, Japan und Frankreich inzwischen sehr hoch verschuldet sind, ist das Angebot an Anleihen gestiegen. Um genügend Investoren zum Kauf zu bewegen, müssen diese mit höheren Zinsen gelockt werden. Wegen enormer Investitionen in Künstliche Intelligenz können Anleger zudem ihr Geld auch in attraktive Unternehmensanleihen stecken. Dieser Konkurrenzkampf treibt die Renditen für Staatsanleihen zusätzlich nach oben.
Bundesbankchef Joachim Nagel mahnte die Bundesregierung, die Top-Bonität Deutschlands in Sachen Kreditwürdigkeit zu bewahren. Man müsse hart daran arbeiten, die Bestnote "AAA"' zu erhalten, sagte Nagel am Dienstag in Asheville am Rande des G20-Finanztreffens in den USA. "Und es wird hier eine Herausforderung werden für die Bundesregierung", fügte er auf einer Pressekonferenz mit Klingbeil hinzu. Doch sei er zuversichtlich, auch weil die Wachstumsaussichten nun rosiger seien. Das helfe dem Fiskus auf der Einnahmenseite. Zudem sehe die deutsche Defizitquote im Vergleich zu anderen Ländern "noch sehr ordentlich" aus: "Aber klar ist, dass man natürlich hier in den Anstrengungen nicht nachlassen darf, weil Finanzmärkte eine gewisse Orientierung benötigen", so Nagel.
(Bericht von Rene Wagner - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)