29.07.26
13:38
Reuters
* Fluggesellschaften gestalten Streckennetz neu
* KI prägt den regionalen Handel
* Strengere Einfuhrregeln in USA und EU belasten E-Commerce
- von Julie Zhu und Lisa Baertlein
Hongkong/los Angeles, 29. Jul (Reuters) - Der weltweite Wettlauf um den Aufbau Künstlicher Intelligenz (KI) verändert die Luftfrachtlandschaft in Asien. Statt Billigware aus China transportieren die asiatischen Fluggesellschaften immer mehr Speicherchips und Prozessoren. Ihre Streckennetze richten sie daher zunehmend auf die Zentren der Halbleiterfertigung aus. Den Wandel treiben neben dem KI-Boom auch strengere Einfuhrbestimmungen in den USA sowie der EU voran. In den Frachträumen der Airlines aus Fernost stapelt sich daher immer häufiger Hochtechnologie statt Online-Bestellungen.
"Der E-Commerce war die wichtigste Wachstumssäule der Luftfracht, aber das ist nicht mehr der Fall", sagte Niall van de Wouw vom Frachtanalyseunternehmen Xeneta. Ein deutliches Beispiel für den Wandel liefert Korean AirLines(003490.KS). Der Frauchtumsatz stieg im zweiten Quartal um 46 Prozent auf umgerechnet gut eine Milliarde Dollar, angetrieben durch KI-Chips, Server-Racks und Rechenzentrumsinfrastruktur. Die E-Commerce-Sendungen aus China wurden damit als wichtigster Wachstumsmotor abgelöst, teilte die Fluggesellschaft mit.
"Hochtechnologische Fracht hat sich rasant zu einem zentralen Wachstumstreiber entwickelt", sagte auch Jaedong Eum, Leiter des Frachtgeschäfts von Korean Air. Die Auftragslage für fortschrittliche Speicherchips mit hoher Bandbreite und Prozessoren reiche bereits zwei bis drei Jahre in die Zukunft. Dabei übersteige die Nachfrage weiterhin das Angebot.
Laut Xeneta haben sich die weltweiten Halbleiterumsätze im April im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt – das stärkste Wachstum seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1986. Im Gegensatz dazu gingen Chinas Exporte von Waren mit geringem Wert und E-Commerce-Exporte im Mai um sieben Prozent zurück und verzeichneten damit den sechsten Rückgang in Folge. Die USA haben im vergangenen Jahr die zollfreie sogenannte "De-minimis"-Regelung für Importe mit geringem Wert aus China abgeschafft. Die Europäische Union hob in diesem Monat ihre eigene zollfreie Schwelle auf. Das machte etwa dem chinesischen Modehändler Shein zu schaffen, der am Sonntag erklärte, diese Änderungen hätten seinem US-Geschäft geschadet und würden voraussichtlich auch in Europa für weiteren Gegenwind sorgen.
Die sich verändernde Fracht führt zu einer Neugestaltung der Handelsrouten in ganz Asien. Japan exportiert Ausrüstung für die Halbleiterfertigung, Südkorea produziert hochmoderne Speicherchips und Taiwan ist das Zentrum der Spitzentechnologie in der Chipherstellung. Unterdessen entwickeln sich Vietnam, Malaysia, Thailand und Singapur zunehmend zu wichtigen Produktions- und Montagezentren für KI-Server, die für Nordamerika und Europa bestimmt sind.
Der Frachtumschlag am Flughafen Changi in Singapur stieg im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp neun Prozent, angetrieben von der starken weltweiten Nachfrage nach Halbleitern, sagte Lim Ching Kiat, Executive Vice President der Flughafengruppe. Die Fluggesellschaften richteten sich neu auf diese Ströme aus. Japan Airlines(9201.T) teilte mit, dass Technologieprodukte im vergangenen Jahr rund 80 Prozent des Anstiegs der Luftfrachtexporte aus Asien ohne China ausmachten. Vor diesem Hintergrund baute die Fluggesellschaft ihre Frachtflüge zwischen Halbleiterzentren wie Taipeh, Bangkok und Hanoi und dem Flughafen Narita in Tokio aus.
Die japanische Airline-Holding ANA(9202.T) gab bekannt, dass sie Nippon Cargo Airlines integriert, um mehr große Frachtflugzeuge auf trans-pazifischen und europäischen Strecken einzusetzen. Gleichzeitig nutzt ANA das Netzwerk in Asien, um Halbleiterfracht aus Produktionszentren in der gesamten Region zu transportieren. In Taiwan hat China Airlines(2610.TW) Frachtflüge nach Südostasien aufgenommen. Bei EVA Airways(2618.TW) machten KI-bezogene Sendungen mittlerweile bis zur Hälfte der Frachteinnahmen aus.
Der Transport von KI-Hardware stellt Airlines dabei vor neue Herausforderungen, da die Sendungen oft empfindliche Halbleiterfertigungsanlagen und Grafikprozessoren enthalten. Der Luftfahrtverband IATA schätzt, dass KI-bezogene Güter 2025 gut 53 Prozent des Wertes der per Luftfracht transportierten Güter ausmachten, obwohl ihr Anteil am Frachtvolumen lediglich sieben Prozent betragen habe. Im Gegensatz zu vielen E-Commerce-Frachten ist KI-Hardware kompakt, äußerst wertvoll und oft zeitkritisch, um Rechenzentrumsprojekte im Zeitplan zu halten. Daher rechtfertige der Lufttransport auch den höheren Preis.
(geschrieben von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
29.07.26
13:38
Reuters
Hongkong/los Angeles, 29. Jul (Reuters) - Der weltweite Wettlauf um den Aufbau Künstlicher Intelligenz (KI) verändert die Luftfrachtlandschaft in Asien. Statt Billigware aus China transportieren die asiatischen Fluggesellschaften immer mehr Speicherchips und Prozessoren. Ihre Streckennetze richten sie daher zunehmend auf die Zentren der Halbleiterfertigung aus. Den Wandel treiben neben dem KI-Boom auch strengere Einfuhrbestimmungen in den USA sowie der EU voran. In den Frachträumen der Airlines aus Fernost stapelt sich daher immer häufiger Hochtechnologie statt Online-Bestellungen.
"Der E-Commerce war die wichtigste Wachstumssäule der Luftfracht, aber das ist nicht mehr der Fall", sagte Niall van de Wouw vom Frachtanalyseunternehmen Xeneta. Ein deutliches Beispiel für den Wandel liefert Korean AirLines(003490.KS). Der Frauchtumsatz stieg im zweiten Quartal um 46 Prozent auf umgerechnet gut eine Milliarde Dollar, angetrieben durch KI-Chips, Server-Racks und Rechenzentrumsinfrastruktur. Die E-Commerce-Sendungen aus China wurden damit als wichtigster Wachstumsmotor abgelöst, teilte die Fluggesellschaft mit.
"Hochtechnologische Fracht hat sich rasant zu einem zentralen Wachstumstreiber entwickelt", sagte auch Jaedong Eum, Leiter des Frachtgeschäfts von Korean Air. Die Auftragslage für fortschrittliche Speicherchips mit hoher Bandbreite und Prozessoren reiche bereits zwei bis drei Jahre in die Zukunft. Dabei übersteige die Nachfrage weiterhin das Angebot.
CHINAS ONLINE-SENDUNGEN RÜCKLÄUFIG
Laut Xeneta haben sich die weltweiten Halbleiterumsätze im April im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt – das stärkste Wachstum seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1986. Im Gegensatz dazu gingen Chinas Exporte von Waren mit geringem Wert und E-Commerce-Exporte im Mai um sieben Prozent zurück und verzeichneten damit den sechsten Rückgang in Folge. Die USA haben im vergangenen Jahr die zollfreie sogenannte "De-minimis"-Regelung für Importe mit geringem Wert aus China abgeschafft. Die Europäische Union hob in diesem Monat ihre eigene zollfreie Schwelle auf. Das machte etwa dem chinesischen Modehändler Shein zu schaffen, der am Sonntag erklärte, diese Änderungen hätten seinem US-Geschäft geschadet und würden voraussichtlich auch in Europa für weiteren Gegenwind sorgen.
NEUGESTALTUNG DER HANDELSROUTEN
Die sich verändernde Fracht führt zu einer Neugestaltung der Handelsrouten in ganz Asien. Japan exportiert Ausrüstung für die Halbleiterfertigung, Südkorea produziert hochmoderne Speicherchips und Taiwan ist das Zentrum der Spitzentechnologie in der Chipherstellung. Unterdessen entwickeln sich Vietnam, Malaysia, Thailand und Singapur zunehmend zu wichtigen Produktions- und Montagezentren für KI-Server, die für Nordamerika und Europa bestimmt sind.
Der Frachtumschlag am Flughafen Changi in Singapur stieg im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp neun Prozent, angetrieben von der starken weltweiten Nachfrage nach Halbleitern, sagte Lim Ching Kiat, Executive Vice President der Flughafengruppe. Die Fluggesellschaften richteten sich neu auf diese Ströme aus. Japan Airlines(9201.T) teilte mit, dass Technologieprodukte im vergangenen Jahr rund 80 Prozent des Anstiegs der Luftfrachtexporte aus Asien ohne China ausmachten. Vor diesem Hintergrund baute die Fluggesellschaft ihre Frachtflüge zwischen Halbleiterzentren wie Taipeh, Bangkok und Hanoi und dem Flughafen Narita in Tokio aus.
Die japanische Airline-Holding ANA(9202.T) gab bekannt, dass sie Nippon Cargo Airlines integriert, um mehr große Frachtflugzeuge auf trans-pazifischen und europäischen Strecken einzusetzen. Gleichzeitig nutzt ANA das Netzwerk in Asien, um Halbleiterfracht aus Produktionszentren in der gesamten Region zu transportieren. In Taiwan hat China Airlines(2610.TW) Frachtflüge nach Südostasien aufgenommen. Bei EVA Airways(2618.TW) machten KI-bezogene Sendungen mittlerweile bis zur Hälfte der Frachteinnahmen aus.
NEUE HERAUSFORDERUNGEN
Der Transport von KI-Hardware stellt Airlines dabei vor neue Herausforderungen, da die Sendungen oft empfindliche Halbleiterfertigungsanlagen und Grafikprozessoren enthalten. Der Luftfahrtverband IATA schätzt, dass KI-bezogene Güter 2025 gut 53 Prozent des Wertes der per Luftfracht transportierten Güter ausmachten, obwohl ihr Anteil am Frachtvolumen lediglich sieben Prozent betragen habe. Im Gegensatz zu vielen E-Commerce-Frachten ist KI-Hardware kompakt, äußerst wertvoll und oft zeitkritisch, um Rechenzentrumsprojekte im Zeitplan zu halten. Daher rechtfertige der Lufttransport auch den höheren Preis.
(geschrieben von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)