28.07.26
09:35
Reuters
(neu: Aktienkurs, mehr Details)
* Lenzing schließt Werke in Österreich und Großbritannien
* Rund 2000 Stellen sollen weltweit wegfallen
* Kapitalerhöhung und Kredite sollen bis zu 600 Mio Euro bringen
* Lenzing-Aktie bricht um rund 19 Prozent ein
Wien, 28. Jul (Reuters) - Der österreichische Faserhersteller Lenzing(LENV.VI) hat einen tiefgreifenden Konzernumbau angekündigt und damit die Anleger verschreckt. Die Aktie verlor am Dienstagvormittag zeitweise 19 Prozent und notierte zuletzt mit einem Minus von rund 18 Prozent bei 20,0 Euro. Damit steuert das Papier auf den stärksten Tagesverlust seit 2022 zu. Das Unternehmen kündigte am Montagabend an, sich künftig stärker auf Vliesstoffe zu konzentrieren, zwei Werke zu schließen und weltweit Stellen abzubauen. Zur Finanzierung der Neuausrichtung will sich Lenzing über eine Kapitalerhöhung und neue Kredite bis zu 600 Millionen Euro frisches Geld besorgen.
Mit dem Umbau verordnet der neue Lenzing-Chef Georg Kasperkovitz dem Konzern eine neue Strategie. Er war erst im Juni vom operativen Chef (COO) an die Konzernspitze aufgerückt und folgte auf Rohit Aggarwal, der den Posten Ende Januar aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Kasperkovitz will nun das Vliesstoff-Geschäft für Hygieneartikel ausbauen und sich bei Textilien auf Premium-Segmente fokussieren. Dafür wird in Österreich, den USA und China investiert, während der Anteil von Standard-Viskosefasern zurückgeht. Mittelfristig soll der Umsatzanteil des zyklischen Textilgeschäfts von 45 auf rund 30 Prozent sinken, während Vliesstoffe und Zellstoff jeweils etwa 30 Prozent beitragen sollen.
Zudem schließen die Werke im österreichischen Heiligenkreuz (bis Ende 2026) und im britischen Grimsby (bis Ende 2027). Für den Produktionsstandort in Indonesien läuft seit vergangenem September ein Verkaufsprozess, parallel werden dort im dritten Quartal Stellen abgebaut. Die weltweite Belegschaft von zuletzt rund 8100 Mitarbeitern dürfte bis Ende 2027 deutlich schrumpfen. Kasperkovitz sprach der Nachrichtenagentur APA zufolge von rund 2000 wegfallenden Stellen, davon 600 in der Verwaltung. Für Heiligenkreuz gibt es bereits einen Sozialplan, in Großbritannien sollen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern folgen. Insgesamt sollen die Kosten bis Ende 2027 um 120 Millionen Euro im Vergleich zu 2025 sinken.
Die Neuausrichtung schlägt im laufenden Jahr mit Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro auf das operative Ergebnis (Ebit) sowie mit Restrukturierungskosten von bis zu 40 Millionen Euro beim Ebitda zu Buche. Am 25. August soll eine außerordentliche Hauptversammlung über die garantierte Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro entscheiden. Diese ist Voraussetzung für ein Refinanzierungspaket über weitere 300 Millionen Euro an neuen Krediten sowie Laufzeitverlängerungen bis 2030. Die Großaktionäre B&C Gruppe, der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano(SUZB3.SA) und die Oberbank wollen sich anteilig beteiligen.
Mittelfristig strebt der Konzern wieder Umsatzwachstum, eine Ebitda-Steigerung um 150 Millionen Euro sowie eine Ebitda-Marge von 20 bis 25 Prozent an. Zudem soll die Nettoverschuldung auf weniger als das 2,5-fache des Ebitda fallen. Erste Sparmaßnahmen zeigten im zweiten Quartal Wirkung: Das Ebitda stieg nach vorläufigen Zahlen auf 123 (Vorjahr: 112) Millionen Euro, der Umsatz lag mit 652 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Detaillierte Halbjahreszahlen folgen am 5. August.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
28.07.26
09:35
Reuters
Wien, 28. Jul (Reuters) - Der österreichische Faserhersteller Lenzing(LENV.VI) hat einen tiefgreifenden Konzernumbau angekündigt und damit die Anleger verschreckt. Die Aktie verlor am Dienstagvormittag zeitweise 19 Prozent und notierte zuletzt mit einem Minus von rund 18 Prozent bei 20,0 Euro. Damit steuert das Papier auf den stärksten Tagesverlust seit 2022 zu. Das Unternehmen kündigte am Montagabend an, sich künftig stärker auf Vliesstoffe zu konzentrieren, zwei Werke zu schließen und weltweit Stellen abzubauen. Zur Finanzierung der Neuausrichtung will sich Lenzing über eine Kapitalerhöhung und neue Kredite bis zu 600 Millionen Euro frisches Geld besorgen.
Mit dem Umbau verordnet der neue Lenzing-Chef Georg Kasperkovitz dem Konzern eine neue Strategie. Er war erst im Juni vom operativen Chef (COO) an die Konzernspitze aufgerückt und folgte auf Rohit Aggarwal, der den Posten Ende Januar aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte. Kasperkovitz will nun das Vliesstoff-Geschäft für Hygieneartikel ausbauen und sich bei Textilien auf Premium-Segmente fokussieren. Dafür wird in Österreich, den USA und China investiert, während der Anteil von Standard-Viskosefasern zurückgeht. Mittelfristig soll der Umsatzanteil des zyklischen Textilgeschäfts von 45 auf rund 30 Prozent sinken, während Vliesstoffe und Zellstoff jeweils etwa 30 Prozent beitragen sollen.
Zudem schließen die Werke im österreichischen Heiligenkreuz (bis Ende 2026) und im britischen Grimsby (bis Ende 2027). Für den Produktionsstandort in Indonesien läuft seit vergangenem September ein Verkaufsprozess, parallel werden dort im dritten Quartal Stellen abgebaut. Die weltweite Belegschaft von zuletzt rund 8100 Mitarbeitern dürfte bis Ende 2027 deutlich schrumpfen. Kasperkovitz sprach der Nachrichtenagentur APA zufolge von rund 2000 wegfallenden Stellen, davon 600 in der Verwaltung. Für Heiligenkreuz gibt es bereits einen Sozialplan, in Großbritannien sollen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern folgen. Insgesamt sollen die Kosten bis Ende 2027 um 120 Millionen Euro im Vergleich zu 2025 sinken.
Die Neuausrichtung schlägt im laufenden Jahr mit Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro auf das operative Ergebnis (Ebit) sowie mit Restrukturierungskosten von bis zu 40 Millionen Euro beim Ebitda zu Buche. Am 25. August soll eine außerordentliche Hauptversammlung über die garantierte Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro entscheiden. Diese ist Voraussetzung für ein Refinanzierungspaket über weitere 300 Millionen Euro an neuen Krediten sowie Laufzeitverlängerungen bis 2030. Die Großaktionäre B&C Gruppe, der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano(SUZB3.SA) und die Oberbank wollen sich anteilig beteiligen.
Mittelfristig strebt der Konzern wieder Umsatzwachstum, eine Ebitda-Steigerung um 150 Millionen Euro sowie eine Ebitda-Marge von 20 bis 25 Prozent an. Zudem soll die Nettoverschuldung auf weniger als das 2,5-fache des Ebitda fallen. Erste Sparmaßnahmen zeigten im zweiten Quartal Wirkung: Das Ebitda stieg nach vorläufigen Zahlen auf 123 (Vorjahr: 112) Millionen Euro, der Umsatz lag mit 652 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Detaillierte Halbjahreszahlen folgen am 5. August.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)