27.07.26
08:24
Reuters
27. Jul (Reuters) - Der chinesische Online-Modehändler Shein strebt an die Hongkonger Börse. Das Unternehmen ist für günstige und schnell wechselnde Kollektionen ("Fast Fashion") bekannt. Nachfolgend einige Fakten zu Shein:
Shein produziert seine Kleidung in China und vertreibt sie außerhalb der Volksrepublik. Der Modehändler bringt täglich mehrere tausend neue Kleidungsstücke seiner zehn Marken auf den Markt, die er ausschließlich über seine eigene Webseite verkauft. Er betreibt keine eigenen Fabriken, sondern arbeitet mit tausenden hauptsächlich chinesischen Subunternehmern zusammen. Das Unternehmen hat ein System entwickelt, um die Produktion rasch an die Nachfrage anzupassen. Dadurch liegt der Anteil unverkaufter Ware nach eigenen Angaben durchgängig im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Bei Werbung setzt Shein voll auf das Internet. Die Firma hat nach eigenen Angaben mehrere hundert Millionen Follower in den Sozialen Medien. Außerdem arbeitet Shein mit zahlreichen Influencern zusammen, welche die Produkte auf Plattformen wie YouTube oder TikTok bewerben.
Shein steigerte den Umsatz seit 2023 um jährlich rund 14 Prozent und erwirtschaftete 2025 41,9 Milliarden Dollar. Dabei wuchs das Unternehmen außerhalb der USA überdurchschnittlich. Europa trägt inzwischen mehr als 35 Prozent zum Konzernumsatz bei. Im ersten Quartal 2026 legten die Erlöse lediglich um 1,1 Prozent zu. In den USA musste Shein wegen gestrichener Zollausnahmen für Warensendungen mit geringem Wert sogar ein Minus von 14 Prozent hinnehmen. Dadurch brach der operative Gewinn um 26 Prozent auf 258 Millionen Dollar ein.
Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2022 war Shein mit rund 98 Milliarden Dollar bewertet worden. Mit dem Abflauen des Booms im Online-Handel nach dem Ende der Coronavirus-Pandemie und der wachsenden Kritik an den Geschäftspraktiken schrumpfte die Bewertung auf 64 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Insidern zufolge peilt das Unternehmen eine Marktkapitalisierung zwischen 40 und 50 Milliarden Dollar an.
Die Gründer von Shein sind Sky Yangtian Xu, Maggie Gu, Molly Miao und Tony Ren. Sie halten bislang 65 Prozent an dem Unternehmen und bekleiden Spitzenpositionen im Management. Die restlichen Anteile teilen sich Finanzinvestoren wie IDG oder Sequoia. Es ist unklar, welche Alteigentümer beim Börsengang Aktien zum Verkauf anbieten und wie sich die Besitzverhältnisse ändern werden. Ähnlich wie beim US-Weltraumkonzern SpaceX(SPCX.O) sichert sich die Führungsspitze mit Sonderstimmrechten die Kontrolle über Shein.
Konkurrenten werfen Shein seit Langem vor, das Design von Kleidungsstücken abzukupfern. Es laufen zahlreiche Verfahren gegen das Unternehmen, das die Vorwürfe stets zurückgewiesen hat.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Direktversand an die Kunden ohne Umweg über zentrale Lager in den verschiedenen Regionen. Dadurch konnte Shein seine Produkte lange Zeit zollfrei verkaufen, weil die Abgaben erst ab einem bestimmten Mindestwert fällig wurden. Die USA haben diese Ausnahme gestrichen. Die Europäische Union (EU) plant Ähnliches. Bis dahin gilt ein Mindestzoll von drei Euro je Sendung.
(Zusammengestellt von Hakan Ersen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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