06.07.26
07:57
Reuters
06. Jul (Reuters) - Der Speicherchip-Hersteller SK Hynix(000660.KS) plant eine der größten Aktienemissionen der Geschichte. Bei seiner Zweitnotiz an der US-Börse will der südkoreanische Konzern 28 Milliarden Dollar einnehmen. Hynix blickt auf eine wechselvolle Historie zurück. Nachfolgend eine Übersicht der wichtigsten Stationen:
1983
Gründung der Firma unter dem Namen Hyundai Electronics als Konkurrenz zu Samsung Electronics(005930.KS). Eines der ersten Produkte ist das kabelgebundene Telefon "Multifunctional Phone LX-2".
1984
Beginn der Speicherchip-Produktion in Südkorea. Die Angebotspalette umfasst zudem Audiosysteme für Autos, Mobiltelefone und Computerbildschirme.
1996
Debüt an der südkoreanischen Börse und schuldenfinanzierte Expansion im Ausland. Aufbau neuer Werke in den USA und Europa.
2001
Trennung vom Mutterkonzern Hyundai und Umbenennung in Hynix Semiconductor. Ein Preisverfall bei Speicherchips bringt das Unternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die Gläubigerbanken greifen Hynix unter die Arme.
2002
Die Gläubiger versuchen mehrfach erfolglos, Hynix zu verkaufen. Die Übernahme durch den US-Konkurrenten Micron(MU.O) scheitert am Widerstand des Hynix-Managements. Abspaltung der Bildschirm-Tochter Hydis.
2006
Dank einer Erholung des Geschäfts verzeichnet Hynix einen Rekordumsatz und -gewinn für das Gesamtjahr. Ein in Kooperation mit dem europäischen Chipkonzern STMicro(STMPA.PA) gebautes Werk in China nimmt den Betrieb auf.
2012
Der südkoreanische Mischkonzern SK übernimmt Hynix. Wegen des hohen Investitionsbedarfs der Chipbranche und der traditionell stark schwankenden Halbleiter-Nachfrage stößt der Deal auf Kritik. Samsung Electronics wird zu dieser Zeit zehnmal so hoch bewertet wie Hynix und ist der weltweit führende Anbieter von Dynamic Random-Access Memory (DRAM). Diese Speicherchips werden vor allem in Smartphones und PCs verbaut.
2014
In Kooperation mit dem US-Prozessorhersteller AMD(AMD.O) bringt Hynix den weltweit ersten HBM-Chip (High Bandwidth Memory) für Server heraus. In den darauffolgenden Jahren fällt das Unternehmen jedoch technologisch hinter Samsung zurück. Daher erwägt das Hynix-Management zeitweise, sich aus diesem Geschäftsbereich zurückzuziehen. In der Hoffnung auf eine steigende Nachfrage baut Hynix seine HBM-Produktionskapazitäten dennoch aus.
2019
Die Milliardenausgaben für neue HBM-Fertigungslinien drohen zur Fehlinvestition zu werden. Werke sind nicht ausgelastet, weil Bestellungen des Prozessorherstellers Nvidia(NVDA.O) und von Kryptowährungsschürfern ausbleiben. Letztere nutzen für die Verifizierung von Transaktionen Hochleistungsrechner mit HBM-Speicher.
2022
OpenAI veröffentlicht das KI-Modell ChatGPT und löst einen Hype aus. Weltweit forcieren Unternehmen und Forschungseinrichtungen die Entwicklung Generativer Künstlicher Intelligenz (KI). Für deren Training werden Server mit HBM-Speicher benötigt. Hynix ist der wichtigste Zulieferer von Nvidia, dem Weltmarktführer bei KI-Prozessoren. "Niemand hatte mit einem derart explosiven Wachstum gerechnet", sagt Shim Dae-yong, damals Leiter der HBM-Entwicklung bei Hynix. "Aber wir waren hinsichtlich Leistung und Produktionskapazität vorbereitet."
2023
Ein Nachfrage-Einbruch bei traditionellen Speicherchips brockt Hynix den bislang letzten operativen Gesamtjahresverlust ein.
2025
Der weltweite Bauboom bei KI-Rechenzentren führt zu Lieferengpässen bei HBM- und klassischen Speicherchips. Dadurch vervielfachen sich die Preise innerhalb weniger Monate. Sowohl Hynix als auch die Wettbewerber Samsung und Micron fahren daraufhin einen Rekordgewinn nach dem anderen ein. Hynix überholt Samsung zeitweise als weltgrößter Anbieter von DRAM-Speichern.
2026
Eine monatelange Kursrally hievt den Börsenwert von Hynix im Mai über die Marke von einer Billion Dollar. Wenige Wochen später löst der Konzern den Rivalen Samsung als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen Südkoreas ab. Im Juli debütieren Hynix-Aktien an der US-Technologiebörse Nasdaq(NDAQ.O). Mit einem Volumen von 29 Milliarden Dollar ist es die weltweit zweitgrößte Emission der Geschichte hinter der des Weltraumkonzerns SpaceX(SPCX.O).
(Zusammengestellt von Hakan Ersen, unter Mitarbeit von Hyunjoo Jin und Heekyong Yang. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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Reuters
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