18.06.26
07:50
Reuters
* US-Wetterbehörde NOAA: El Niño bereits eingetreten
* Wahrscheinlichkeit für sehr starke Ausprägung liegt bei 63%
* Auswirkungen vor allem bei Kakao und Robusta-Kaffee erwartet
London/New York, 18. Jun (Reuters) - Ernteschäden durch das Wetterphänomen El Niño könnten in der zweiten Jahreshälfte die Preise für mehrere tropische Rohstoffe in die Höhe treiben. Besonders betroffen sind Experten zufolge Kakao, Kaffee und Zucker - das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt. Die US-Wetterbehörde NOAA hat Anfang Juni festgestellt, dass El-Nino-Bedingungen bereits herrschen. Sie schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen in diesem Jahr besonders stark ausgeprägt auftritt, auf 63 Prozent.
Das Phänomen beschreibt eine natürliche, periodische Erwärmung der Meeresoberfläche im Ostpazifik, die alle zwei bis sieben Jahre durch eine Abschwächung der Passatwinde verursacht wird und neun bis zwölf Monate andauert. Typische Folgen sind Dürren in Regionen wie Süd- und Südostasien, Australien und dem südlichen Afrika, während es in anderen Gebieten wie dem Süden Südamerikas und den USA zu starken Regenfällen kommt. Für die Landwirte sind die Wetterkapriolen eine weitere Belastung, die zu den derzeit hohen Preisen für Düngemittel und Diesel wegen des Kriegs in Nahost hinzukommt.
Besonders stark betroffen ist Kakao. Laut dem Investmenthaus WisdomTree hat jeder starke El Niño in den vergangenen 55 Jahren die Kakao-Produktion verringert. In Westafrika, wo mit der Elfenbeinküste und Ghana die beiden größten Produzenten liegen, führte das letzte Phänomen zunächst zu extremen Regenfällen und Pilzbefall, gefolgt von großer Hitze und trockenen Winden. In der Folge verdreifachte sich der Kakaopreis im Jahr 2024 und erreichte Rekordwerte. "Jeder denkt, El Niño sei nur mit Dürren in Westafrika verbunden. Das stimmt nicht unbedingt", sagt Jim Roemer von der Beratungsfirma Best Weather. Aufgrund des Klimawandels könne es anfangs auch zu viel Regen geben.
Beim Kaffee sind die Auswirkungen je nach Sorte unterschiedlich. Für Kaffee der Sorte Robusta ist El Niño problematisch, da damit typischerweise Hitze und Trockenheit in den Hauptanbaugebieten Vietnam und Indonesien verbunden sind. Diese beiden Länder stehen für rund die Hälfte der weltweiten Robusta-Produktion. Bei Arabica-Kaffee, der hauptsächlich in Brasilien angebaut wird, sind die Folgen zwiespältig. Höhere Temperaturen könnten zunächst schädlichen Winterfrost verhindern, längerfristig droht jedoch Trockenheit während der wichtigen Wachstumsphase für die nächste Ernte.
Auch beim Zucker sind die Effekte regional verschieden. Im weltgrößten Anbauland Brasilien führt El Niño oft zu übermäßigen Regenfällen, die die Ernte stören und die Qualität mindern. Beim zweitgrößten Exporteur Thailand und in Indien führt das Phänomen hingegen meist zu Trockenheit. Indien erwartet für 2026 den schwächsten Monsun seit elf Jahren. Ein moderater El Niño allein könnte die indische Zucker-Produktion um etwa eine Million Tonnen reduzieren, schätzt Carlos de Mello vom Broker Hedgepoint. Längerfristig könnten die stärkeren Regenfälle in Brasilien jedoch der Ernte des Folgejahres zugutekommen, was einen anhaltenden Preisanstieg bei Zucker unwahrscheinlicher macht.
(Bericht von May Angel und Marcelo Teixeira, geschrieben von Sanne Schimanski, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
18.06.26
07:50
Reuters
London/New York, 18. Jun (Reuters) - Ernteschäden durch das Wetterphänomen El Niño könnten in der zweiten Jahreshälfte die Preise für mehrere tropische Rohstoffe in die Höhe treiben. Besonders betroffen sind Experten zufolge Kakao, Kaffee und Zucker - das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt. Die US-Wetterbehörde NOAA hat Anfang Juni festgestellt, dass El-Nino-Bedingungen bereits herrschen. Sie schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetterphänomen in diesem Jahr besonders stark ausgeprägt auftritt, auf 63 Prozent.
Das Phänomen beschreibt eine natürliche, periodische Erwärmung der Meeresoberfläche im Ostpazifik, die alle zwei bis sieben Jahre durch eine Abschwächung der Passatwinde verursacht wird und neun bis zwölf Monate andauert. Typische Folgen sind Dürren in Regionen wie Süd- und Südostasien, Australien und dem südlichen Afrika, während es in anderen Gebieten wie dem Süden Südamerikas und den USA zu starken Regenfällen kommt. Für die Landwirte sind die Wetterkapriolen eine weitere Belastung, die zu den derzeit hohen Preisen für Düngemittel und Diesel wegen des Kriegs in Nahost hinzukommt.
Besonders stark betroffen ist Kakao. Laut dem Investmenthaus WisdomTree hat jeder starke El Niño in den vergangenen 55 Jahren die Kakao-Produktion verringert. In Westafrika, wo mit der Elfenbeinküste und Ghana die beiden größten Produzenten liegen, führte das letzte Phänomen zunächst zu extremen Regenfällen und Pilzbefall, gefolgt von großer Hitze und trockenen Winden. In der Folge verdreifachte sich der Kakaopreis im Jahr 2024 und erreichte Rekordwerte. "Jeder denkt, El Niño sei nur mit Dürren in Westafrika verbunden. Das stimmt nicht unbedingt", sagt Jim Roemer von der Beratungsfirma Best Weather. Aufgrund des Klimawandels könne es anfangs auch zu viel Regen geben.
Beim Kaffee sind die Auswirkungen je nach Sorte unterschiedlich. Für Kaffee der Sorte Robusta ist El Niño problematisch, da damit typischerweise Hitze und Trockenheit in den Hauptanbaugebieten Vietnam und Indonesien verbunden sind. Diese beiden Länder stehen für rund die Hälfte der weltweiten Robusta-Produktion. Bei Arabica-Kaffee, der hauptsächlich in Brasilien angebaut wird, sind die Folgen zwiespältig. Höhere Temperaturen könnten zunächst schädlichen Winterfrost verhindern, längerfristig droht jedoch Trockenheit während der wichtigen Wachstumsphase für die nächste Ernte.
Auch beim Zucker sind die Effekte regional verschieden. Im weltgrößten Anbauland Brasilien führt El Niño oft zu übermäßigen Regenfällen, die die Ernte stören und die Qualität mindern. Beim zweitgrößten Exporteur Thailand und in Indien führt das Phänomen hingegen meist zu Trockenheit. Indien erwartet für 2026 den schwächsten Monsun seit elf Jahren. Ein moderater El Niño allein könnte die indische Zucker-Produktion um etwa eine Million Tonnen reduzieren, schätzt Carlos de Mello vom Broker Hedgepoint. Längerfristig könnten die stärkeren Regenfälle in Brasilien jedoch der Ernte des Folgejahres zugutekommen, was einen anhaltenden Preisanstieg bei Zucker unwahrscheinlicher macht.
(Bericht von May Angel und Marcelo Teixeira, geschrieben von Sanne Schimanski, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)