15.06.26
16:56
Reuters
* USA und Iran einigen sich auf Ende des Krieges
* Experten warnen vor verbleibenden Risiken
* Ölpreise fallen um fünf Prozent
* Autokonzerne gefragt - Rüstungswerte unter Druck
(Neu: Schlusskurse)
Frankfurt, 15. Jun (Reuters) - Die Grundsatzeinigung zwischen den USA und dem Iran auf ein vorläufiges Abkommen zur Beendigung ihres Krieges ist an den europäischen Börsen mit Erleichterung aufgenommen worden. Der Dax(.GDAXI) ging 1,1 Prozent höher bei 24.894 Punkten aus dem Handel; der EuroStoxx50(.STOXX50E) zog 0,7 Prozent auf 6229 Zähler an. Die Aussicht zur Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus ließ am Montag die Ölpreise um rund fünf Prozent fallen und linderte Inflationssorgen. "Mit der Beruhigung bei den Energiepreisen hoffen die Anleger nun auf eine langsame Belebung der Wirtschaft in Europa und wieder mehr Investitionen der Unternehmen", konstatierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets.
Die Gefahr einer erneuten Eskalation sei damit aber noch nicht vom Tisch, sondern lediglich etwas reduziert. "Die Anleger trauen dem Braten noch nicht", kommentierte auch Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG. Die Absichtserklärung soll am Freitag in der Schweiz offiziell unterzeichnet werden. Problematisch seien aber offene Fragen zum iranischen Atomprogramm und zum Verhalten Israels gegenüber dem Libanon, warnten Börsianer.
Die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückte den Ölpreis auf ein Drei-Monats-Tief. US-Leichtöl WTI(CLc1) fiel in der Spitze um sechs Prozent auf bis zu 79,70 Dollar je Barrel. Auch die Preise für Nordsee-Rohöl der Sorte Brent(LCOc1) fielen in der Spitze mehr als fünf Prozent auf 82,40 Dollar. "Finanzinvestoren nehmen quasi künftige reale Lieferungen vorweg, was den aktuellen Rückgang der Ölpreise erklärt", sagt Analyst Tamas Varga vom Ölmakler PVM. "Die langsame Wiederaufnahme der Transporte dürfte jedoch 2026 insgesamt zu einem Angebotsdefizit führen." Vor dem Beginn des Iran-Krieges hatte der Ölpreis bei rund 70 Dollar gelegen.
Mit dem Rückgang der Ölpreise sank Analysten zufolge auch der Druck auf die Zentralbanken, die Zinsen zur Eindämmung der Inflation weiter zu erhöhen. Dies ließ Anleger auch bei Staatsanleihen zugreifen. Im Gegenzug sank die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe(DE10YT=RR), die als Richtwert für die Eurozone gilt, um vier Basispunkte auf 2,955 Prozent. Die gedämpften Erwartungen an weiter steigende Zinsen ließ Anleger auch bei Gold(XAU=) zugreifen. Der Preis für das Edelmetall zog um bis zu 3,6 Prozent auf knapp 4371 Dollar je Feinunze an. Steigende Zinsen drücken die Nachfrage nach zinslosen Edelmetallen.
Bei den Einzelwerten stiegen Investoren aus Rüstungswerten aus. Rheinmetall(RHMG.DE) und Hensoldt(HAGG.DE) büßten jeweils rund fünf Prozent ein.
Dagegen zogen Renault(RENA.PA) um rund vier Prozent an, nachdem der französische Automobilhersteller angekündigt hatte, gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Thales(TCFP.PA) ein Militärfahrzeug zu entwickeln. Auch bei anderen Auto-Titeln deckten sich Anleger ein; ein entsprechender Branchenindex(.SXAP) zog knapp drei Prozent an.
Schneider Electric(SCHN.PA) legten in Paris um drei Prozent zu. Der KI-Ausrüster gab eine strategische Zusammenarbeit mit dem taiwanischen Konzern Foxconn(2317.TW) zur Entwicklung von Infrastruktur für KI-Rechenzentren bekannt. Im Aufwind befand sich auch der breiter gefasste Reise- und Freizeitsektor(.SXTP). Der Bankenindex(.SX7P) kletterte auf den höchsten Stand seit Januar 2008. Größter Dax-Gewinner war die Deutsche Bank(DBKGn.DE) mit einem Plus von gut vier Prozent.
Auch an der Wall Street schob die USA/Iran-Vereinbarung die Kurse an. Der Dow-Jones-Index(.DJI) ketterte um 1,4 Prozent auf ein Rekordhoch. Der technologielastige Nasdaq(.IXIC) legte um rund drei Prozent zu. Vor allem Halbleiterwerte waren gefragt. Börsianer zeigten sich zudem erleichtert über den reibungslosen Handelsverlauf beim größten Börsengang der Geschichte. Die Titel des Raumfahrt-und KI-Konzerns SpaceX(SPCX.O) von Elon Musk blieben auch am Montag gefragt. Die Anteilsscheine verteuerten sich zum Wochenstart um weitere zehn Prozent und bauten damit ihre Gewinne nach dem Börsenbebüt vom Freitag weiter aus.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
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15.06.26
16:56
Reuters
(Neu: Schlusskurse)
Frankfurt, 15. Jun (Reuters) - Die Grundsatzeinigung zwischen den USA und dem Iran auf ein vorläufiges Abkommen zur Beendigung ihres Krieges ist an den europäischen Börsen mit Erleichterung aufgenommen worden. Der Dax(.GDAXI) ging 1,1 Prozent höher bei 24.894 Punkten aus dem Handel; der EuroStoxx50(.STOXX50E) zog 0,7 Prozent auf 6229 Zähler an. Die Aussicht zur Wiedereröffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus ließ am Montag die Ölpreise um rund fünf Prozent fallen und linderte Inflationssorgen. "Mit der Beruhigung bei den Energiepreisen hoffen die Anleger nun auf eine langsame Belebung der Wirtschaft in Europa und wieder mehr Investitionen der Unternehmen", konstatierte Andreas Lipkow, Analyst beim Broker CMC Markets.
Die Gefahr einer erneuten Eskalation sei damit aber noch nicht vom Tisch, sondern lediglich etwas reduziert. "Die Anleger trauen dem Braten noch nicht", kommentierte auch Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG. Die Absichtserklärung soll am Freitag in der Schweiz offiziell unterzeichnet werden. Problematisch seien aber offene Fragen zum iranischen Atomprogramm und zum Verhalten Israels gegenüber dem Libanon, warnten Börsianer.
US-LEICHTÖL UNTER 80 DOLLAR
Die Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus drückte den Ölpreis auf ein Drei-Monats-Tief. US-Leichtöl WTI(CLc1) fiel in der Spitze um sechs Prozent auf bis zu 79,70 Dollar je Barrel. Auch die Preise für Nordsee-Rohöl der Sorte Brent(LCOc1) fielen in der Spitze mehr als fünf Prozent auf 82,40 Dollar. "Finanzinvestoren nehmen quasi künftige reale Lieferungen vorweg, was den aktuellen Rückgang der Ölpreise erklärt", sagt Analyst Tamas Varga vom Ölmakler PVM. "Die langsame Wiederaufnahme der Transporte dürfte jedoch 2026 insgesamt zu einem Angebotsdefizit führen." Vor dem Beginn des Iran-Krieges hatte der Ölpreis bei rund 70 Dollar gelegen.
Mit dem Rückgang der Ölpreise sank Analysten zufolge auch der Druck auf die Zentralbanken, die Zinsen zur Eindämmung der Inflation weiter zu erhöhen. Dies ließ Anleger auch bei Staatsanleihen zugreifen. Im Gegenzug sank die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe(DE10YT=RR), die als Richtwert für die Eurozone gilt, um vier Basispunkte auf 2,955 Prozent. Die gedämpften Erwartungen an weiter steigende Zinsen ließ Anleger auch bei Gold(XAU=) zugreifen. Der Preis für das Edelmetall zog um bis zu 3,6 Prozent auf knapp 4371 Dollar je Feinunze an. Steigende Zinsen drücken die Nachfrage nach zinslosen Edelmetallen.
AUTO- KONZERNE GEFRAGT - RÜSTUNGSWERTE UNTER DRUCK
Bei den Einzelwerten stiegen Investoren aus Rüstungswerten aus. Rheinmetall(RHMG.DE) und Hensoldt(HAGG.DE) büßten jeweils rund fünf Prozent ein.
Dagegen zogen Renault(RENA.PA) um rund vier Prozent an, nachdem der französische Automobilhersteller angekündigt hatte, gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Thales(TCFP.PA) ein Militärfahrzeug zu entwickeln. Auch bei anderen Auto-Titeln deckten sich Anleger ein; ein entsprechender Branchenindex(.SXAP) zog knapp drei Prozent an.
Schneider Electric(SCHN.PA) legten in Paris um drei Prozent zu. Der KI-Ausrüster gab eine strategische Zusammenarbeit mit dem taiwanischen Konzern Foxconn(2317.TW) zur Entwicklung von Infrastruktur für KI-Rechenzentren bekannt. Im Aufwind befand sich auch der breiter gefasste Reise- und Freizeitsektor(.SXTP). Der Bankenindex(.SX7P) kletterte auf den höchsten Stand seit Januar 2008. Größter Dax-Gewinner war die Deutsche Bank(DBKGn.DE) mit einem Plus von gut vier Prozent.
Auch an der Wall Street schob die USA/Iran-Vereinbarung die Kurse an. Der Dow-Jones-Index(.DJI) ketterte um 1,4 Prozent auf ein Rekordhoch. Der technologielastige Nasdaq(.IXIC) legte um rund drei Prozent zu. Vor allem Halbleiterwerte waren gefragt. Börsianer zeigten sich zudem erleichtert über den reibungslosen Handelsverlauf beim größten Börsengang der Geschichte. Die Titel des Raumfahrt-und KI-Konzerns SpaceX(SPCX.O) von Elon Musk blieben auch am Montag gefragt. Die Anteilsscheine verteuerten sich zum Wochenstart um weitere zehn Prozent und bauten damit ihre Gewinne nach dem Börsenbebüt vom Freitag weiter aus.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
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