15.06.26
11:18
Reuters
* USA und Iran einigen sich auf Ende des Krieges
* Experten warnen vor verbleibenden Risiken
* Ölpreis fällt auf 80 Dollar - Defizit noch nicht vom Tisch
* Auto- und Luftfahrtaktien im Aufwind - Energiesektor gibt nach
(Neu: Europäische Börsen, US-Futures, Öl)
Frankfurt, 15. Jun (Reuters) - Die Ankündigung eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran sorgt am Montag für gute Stimmung an den Börsen. Eine Rally blieb jedoch vorerst aus. Der Dax(.GDAXI) und der EuroStoxx50(.STOXX50E) notierten gegen Mittag jeweils rund ein Prozent höher bei 24.931 und 6254 Punkten. Im Plus lagen auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes(1YMcv1)(EScv1)(NQcv1).
Die USA und der Iran haben sich auf ein Friedensabkommen geeinigt, wie US-Präsident Donald Trump, das iranische Außenministerium, Irans Nationaler Sicherheitsrat und der Vermittlerstaat Pakistan in der Nacht zum Montag mitteilten. Die offizielle Unterzeichnung der Vereinbarung sei für Freitag geplant. "Fast sah es danach aus, als hätte Trump wieder einmal den Mund zu voll genommen. Doch diesmal folgten nach der Ankündigung eines baldigen Friedens im Nahen Osten Taten", kommentierte Analyst Christian Henke vom Broker IG. Viele Experten warnten jedoch vor verbleibenden Risiken. "Der Teufel steckt im Detail: Um endlich ein Abkommen zu erreichen, wurden diverse zentrale Punkte ausgespart und auf einen späteren Zeitpunkt vertagt", schrieben die Analysten der LBBW.
Problematisch seien insbesondere offene Fragen zum iranischen Atomprogramm und zum Verhalten Israels gegenüber dem Libanon. Auch am Ölmarkt wird nur eine schrittweise Entspannung erwartet - und zwar trotz der Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. "Finanzinvestoren nehmen quasi künftige reale Lieferungen vorweg, was den aktuellen Rückgang der Ölpreise erklärt", sagt Analyst Tamas Varga vom Ölmakler PVM. "Die langsame Wiederaufnahme der Transporte dürfte jedoch 2026 insgesamt zu einem Angebotsdefizit führen." Die Preise für Nordsee-Rohöl der Sorte Brent(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) fielen am Montag um jeweils rund fünf Prozent auf rund 80 Dollar je Fass (159 Liter). Vor dem Beginn des Iran-Krieges hatten sie bei rund 70 Dollar gelegen.
Daher dürften die Öl- und Gaspreise nicht direkt nachhaltig auf das Vorkriegsniveau zurückfallen, was die Verbraucherpreise weiter antreiben könnte. "Es fühlt sich an wie das Ende des Öldramas, aber noch nicht wie das Ende des Inflationsdramas", resümierte Florian Ielpo von Lombard Odier Investment Managers. Die Erleichterung sei dennoch spürbar, sagte IG-Analyst Chris Beauchamp. "Die EZB dürfte erfreut sein, dass sie nicht länger einen schärferen Ton anschlagen muss. Und diese Erleichterung dürfte die leichte Verlegenheit darüber in den Hintergrund drängen, vergangene Woche zu einer Zinserhöhung gedrängt worden zu sein."
Im Fokus stehen nun die Zinsentscheide der US-Notenbank Fed und der Bank of England am Mittwoch und Donnerstag. Experten und Händler gehen zwar mehrheitlich davon aus, dass die Währungshüter die Zinsen unverändert belassen. Zugleich erhoffen sie sich aus den Aussagen der Notenbanker Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs. Mit Spannung warten Börsianer vor allem auf Äußerungen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh, der als Befürworter niedrigerer Zinsen gilt. Tiefgreifende Änderungen gelten jedoch wegen der angestiegenen Inflation und des starken US-Arbeitsmarkts vorerst als unwahrscheinlich.
Besonders gefragt waren konjunktur- und energiepreissensible Werte. Autoaktien(.SXAP) gewannen drei Prozent, während die Papiere von Fluggesellschaften wie Lufthansa(LHAG.DE) und Air France(AIRF.PA) um rund fünf und drei Prozent zulegten. Energieaktien(.SXEP) gaben dagegen im Einklang mit den gefallenen Ölpreisen um gut drei Prozent nach.
Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von Renault(RENA.PA) um vier Prozent. Der Autobauer kündigte an, gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Thales(TCFP.PA) ein Militärfahrzeug zu entwickeln. Schneider Electric(SCHN.PA) legten indes um drei Prozent zu. Der KI-Ausrüster gab eine strategische Zusammenarbeit mit dem taiwanischen Konzern Foxconn(2317.TW) zur Entwicklung von Infrastruktur für KI-Rechenzentren bekannt.
(Bericht von Sanne Schimanski. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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Reuters
(Neu: Europäische Börsen, US-Futures, Öl)
Frankfurt, 15. Jun (Reuters) - Die Ankündigung eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran sorgt am Montag für gute Stimmung an den Börsen. Eine Rally blieb jedoch vorerst aus. Der Dax(.GDAXI) und der EuroStoxx50(.STOXX50E) notierten gegen Mittag jeweils rund ein Prozent höher bei 24.931 und 6254 Punkten. Im Plus lagen auch die Futures für die wichtigsten US-Indizes(1YMcv1)(EScv1)(NQcv1).
Die USA und der Iran haben sich auf ein Friedensabkommen geeinigt, wie US-Präsident Donald Trump, das iranische Außenministerium, Irans Nationaler Sicherheitsrat und der Vermittlerstaat Pakistan in der Nacht zum Montag mitteilten. Die offizielle Unterzeichnung der Vereinbarung sei für Freitag geplant. "Fast sah es danach aus, als hätte Trump wieder einmal den Mund zu voll genommen. Doch diesmal folgten nach der Ankündigung eines baldigen Friedens im Nahen Osten Taten", kommentierte Analyst Christian Henke vom Broker IG. Viele Experten warnten jedoch vor verbleibenden Risiken. "Der Teufel steckt im Detail: Um endlich ein Abkommen zu erreichen, wurden diverse zentrale Punkte ausgespart und auf einen späteren Zeitpunkt vertagt", schrieben die Analysten der LBBW.
Problematisch seien insbesondere offene Fragen zum iranischen Atomprogramm und zum Verhalten Israels gegenüber dem Libanon. Auch am Ölmarkt wird nur eine schrittweise Entspannung erwartet - und zwar trotz der Aussicht auf eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. "Finanzinvestoren nehmen quasi künftige reale Lieferungen vorweg, was den aktuellen Rückgang der Ölpreise erklärt", sagt Analyst Tamas Varga vom Ölmakler PVM. "Die langsame Wiederaufnahme der Transporte dürfte jedoch 2026 insgesamt zu einem Angebotsdefizit führen." Die Preise für Nordsee-Rohöl der Sorte Brent(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) fielen am Montag um jeweils rund fünf Prozent auf rund 80 Dollar je Fass (159 Liter). Vor dem Beginn des Iran-Krieges hatten sie bei rund 70 Dollar gelegen.
Daher dürften die Öl- und Gaspreise nicht direkt nachhaltig auf das Vorkriegsniveau zurückfallen, was die Verbraucherpreise weiter antreiben könnte. "Es fühlt sich an wie das Ende des Öldramas, aber noch nicht wie das Ende des Inflationsdramas", resümierte Florian Ielpo von Lombard Odier Investment Managers. Die Erleichterung sei dennoch spürbar, sagte IG-Analyst Chris Beauchamp. "Die EZB dürfte erfreut sein, dass sie nicht länger einen schärferen Ton anschlagen muss. Und diese Erleichterung dürfte die leichte Verlegenheit darüber in den Hintergrund drängen, vergangene Woche zu einer Zinserhöhung gedrängt worden zu sein."
Im Fokus stehen nun die Zinsentscheide der US-Notenbank Fed und der Bank of England am Mittwoch und Donnerstag. Experten und Händler gehen zwar mehrheitlich davon aus, dass die Währungshüter die Zinsen unverändert belassen. Zugleich erhoffen sie sich aus den Aussagen der Notenbanker Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs. Mit Spannung warten Börsianer vor allem auf Äußerungen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh, der als Befürworter niedrigerer Zinsen gilt. Tiefgreifende Änderungen gelten jedoch wegen der angestiegenen Inflation und des starken US-Arbeitsmarkts vorerst als unwahrscheinlich.
Besonders gefragt waren konjunktur- und energiepreissensible Werte. Autoaktien(.SXAP) gewannen drei Prozent, während die Papiere von Fluggesellschaften wie Lufthansa(LHAG.DE) und Air France(AIRF.PA) um rund fünf und drei Prozent zulegten. Energieaktien(.SXEP) gaben dagegen im Einklang mit den gefallenen Ölpreisen um gut drei Prozent nach.
Unter den Einzelwerten stiegen die Aktien von Renault(RENA.PA) um vier Prozent. Der Autobauer kündigte an, gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Thales(TCFP.PA) ein Militärfahrzeug zu entwickeln. Schneider Electric(SCHN.PA) legten indes um drei Prozent zu. Der KI-Ausrüster gab eine strategische Zusammenarbeit mit dem taiwanischen Konzern Foxconn(2317.TW) zur Entwicklung von Infrastruktur für KI-Rechenzentren bekannt.
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