21.05.26
10:00
Reuters
| * | Grok bei US-Behörden kaum eingesetzt, trotz niedriger | ||
| Preise | |||
| * | Beschäftigte nutzen Konkurrenten für anspruchsvolle | ||
| Aufgaben | |||
| * | Bei Unternehmen spielt Grok ebenfalls kaum eine Rolle | ||
| - | von Raphael Satter und Alexandra Alper | ||
| Washington, 21. Mai (Reuters) - Die anvisierte | |||
| Billionen-Bewertung der Weltraumfirma SpaceX beim geplanten | |||
| Börsengang basiert unter anderem auf dem Versprechen künftiger | |||
| Milliardenumsätze der KI-Tochter xAI. Deren Software kommt bei | |||
| einem der weltweit wichtigsten Kunden, der US-Regierung, jedoch | |||
| kaum zum Einsatz. Dies ergaben am Donnerstag veröffentlichte | |||
| Reuters-Recherchen. Die Nachrichtenagentur führte zahlreiche | |||
| Gespräche mit Behördenvertretern und wertete Daten zum Einsatz | |||
| Künstlicher Intelligenz (KI) in Behörden aus. Der Grund für die | |||
| geringe Akzeptanz sind Zweifel an der Leistungsfähigkeit des | |||
| KI-Modells Grok, trotz öffentlicher Lobbyarbeit durch | |||
| SpaceX-Gründer Elon Musk und seine Mitstreiter. | |||
Beschäftigte der US-Regierung können Grok und Konkurrenzprodukte wie ChatGPT von OpenAI oder Gemini von Google über die staatliche Plattform OneGov nutzen. xAI verlangt hierfür nur eine symbolische Gebühr von 0,42 Dollar je Behörde. Derartige Sonderangebote sind für US-Technologiefirmen nicht ungewöhnlich, wenn sie Regierungsstellen von ihren Produkten überzeugen wollen. "Das Ziel ist es, die Nutzung voranzutreiben, damit sich Bundesbedienstete ihre Arbeit ohne generative KI gar nicht mehr vorstellen können", sagte Valerie Wirtschafter, eine Forscherin an der Denkfabrik Brookings Institution.
Einer vom US-Haushaltsbüro OMB zusammengestellten Auswertung zufolge kam Grok bei US-Behörden jedoch gerade einmal in drei von über 400 Anwendungsfällen zum Einsatz. Dabei hat Musk öffentlich das Potenzial von Grok angepriesen und sich für dessen breite Einführung in der Regierung eingesetzt. Die zeitweise von dem Milliardär geleitete US-Effizienzbehörde Doge soll Insidern zufolge das Heimatschutzministerium zur Nutzung von Grok gedrängt haben, obwohl die erforderlichen Genehmigungen noch nicht vorlagen.
Brookings-Expertin Wirtschafter wies jedoch darauf hin, dass die Daten einige Unstimmigkeiten aufwiesen. So werde oft nicht aufgeschlüsselt, welcher Dienst konkret genutzt wird. Zudem gebe es offenbar unterschiedliche Definitionen für KI. Dennoch handele es sich um das "umfassendste Verzeichnis von KI-Anwendungsfällen außerhalb des Militärs und der Nachrichtendienste, über das wir verfügen." Weder xAI noch das OMB waren für eine Stellungnahme zu erreichen.
"Die mangelnde Begeisterung für Grok ist ein Warnsignal", sagte Vineet Jain, Mitbegründer und Chef von Egnyte, einem Anbieter KI-gestützter Firmensoftware. Es deute darauf hin, dass bei Grok die für den Regierungseinsatz erforderlichen Sicherheitsmechanismen fehlten. Ohne ein staatliches Gütesiegel erscheine der angestrebte SpaceX-Börsenwert von 1,75 Billionen Dollar eher als eine Obergrenze denn als Basis für weitere Kursgewinne.
Dabei beschreibt die Weltraumfirma dieses Geschäftsfeld in ihrem Emissionsprospekt als Wachstumsfeld. xAI soll langfristig zum wichtigsten Umsatzbringer werden. Bislang ist dies der Satellitenbetreiber Starlink, der bis zu 80 Prozent zu den Konzernerlösen beisteuert und Milliardengewinne erwirtschaftet. xAI schreibt dagegen Verluste. Musk hatte seine KI-Firma Anfang des Jahres in einer 1,25 Billionen Dollar schweren Transaktion mit SpaceX verschmolzen. Bei dieser Transaktion wurde xAI mit 250 Milliarden Dollar bewertet.
SpaceX will bei dem für den 12. Juni anvisierten Börsengang 75 Milliarden Dollar erlösen. Dieses Emissionsvolumen würde den bisherigen Weltrekord um das Dreifache übertreffen.
Zwar erhielt xAI zu Jahresbeginn einen 200 Millionen Dollar schweren Auftrag des Verteidigungsministeriums, der in der OMB-Datenbank nicht enthalten ist. Grok wurde zudem neben anderen KI-Modellen für den Umgang mit geheimen Informationen freigegeben. Einem Insider zufolge kann Grok mit der Konkurrenz jedoch nicht mithalten. Bei der US-Rüstungsagentur Darpa werde die Software daher nicht einmal in Betracht gezogen. Die Beschäftigten dort nutzten hauptsächlich Claude von Anthropic, Gemini und ChatGPT. Das Verteidigungsministerium und Darpa reagierten nicht auf eine Anfrage.
In anderen Regierungsstellen werde Grok lediglich in Pilotprojekten getestet oder für wenig anspruchsvolle Aufgaben wie die Erstellung von Emails oder Beiträgen für Sozialen Medien eingesetzt. Das Veteranenbüro entschied sich einem anderen Insider zufolge bei einer Ausschreibung gegen die Software, weil sie den Anforderungen nicht genügte. Die Behörde beantwortete die Frage nach Grok nicht direkt, sondern betonte, dass man sich nicht auf ein KI-Modell konzentrieren dürfe.
Auf dem gewinnträchtigen Markt für Firmensoftware ist Grok ebenfalls praktisch bedeutungslos. Dem Branchendienst Netskope zufolge setzten lediglich zwei von 1000 Nutzern die xAI-Software ein. Dabei verbrächten sie weniger als halb so viel Zeit mit diesem Chatbot wie mit ChatGPT, ergänzte Netskope-Manager Ray Canzanese. Er bezweifle daher, dass Grok in der Wirtschaft große Verbreitung finden werde.
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| Entwicklung der SpaceX-Bewertung | https://reut.rs/4sGR6sj | ||
| Die größten Börsenemissionen weltweit | https://reut.rs/4cjaxl6 | ||
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(unter Mitarbeit von Mike Stone, David Jeans und Echo Wang; geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
21.05.26
10:00
Reuters
von Raphael Satter und Alexandra Alper
Washington, 21. Mai (Reuters) - Die anvisierte Milliardenbewertung der Weltraumfirma SpaceX beim geplanten Börsengang basiert unter anderem auf dem Versprechen künftiger Milliardenumsätze der KI-Tochter xAI. Deren Software kommt bei einem der weltweit wichtigsten Kunden, der US-Regierung, jedoch kaum zum Einsatz. Dies ergaben am Donnerstag veröffentlichte Reuters-Recherchen. Die Nachrichtenagentur führte zahlreiche Gespräche mit Behördenvertretern und wertete Daten zum Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Behörden aus. Der Grund für die geringe Akzeptanz sind Zweifel an der Leistungsfähigkeit des KI-Modells Grok, trotz öffentlicher Lobbyarbeit durch SpaceX-Gründer Elon Musk und seine Mitstreiter.
Beschäftigte der US-Regierung können Grok und Konkurrenzprodukte wie ChatGPT von OpenAI oder Gemini von Google über die staatliche Plattform OneGov nutzen. xAI verlangt hierfür nur eine symbolische Gebühr von 0,42 Dollar je Behörde. Derartige Sonderangebote sind für US-Technologiefirmen nicht ungewöhnlich, wenn sie Regierungsstellen von ihren Produkten überzeugen wollen. "Das Ziel ist es, die Nutzung voranzutreiben, damit sich Bundesbedienstete ihre Arbeit ohne generative KI gar nicht mehr vorstellen können", sagte Valerie Wirtschafter, eine Forscherin an der Denkfabrik Brookings Institution.
Einer vom US-Haushaltsbüro OMB zusammengestellten Auswertung zufolge kam Grok bei US-Behörden jedoch gerade einmal in drei von über 400 Anwendungsfällen zum Einsatz. Dabei hat Musk öffentlich das Potenzial von Grok angepriesen und sich für dessen breite Einführung in der Regierung eingesetzt. Die zeitweise von dem Milliardär geleitete US-Effizienzbehörde Doge soll Insidern zufolge das Heimatschutzministerium zur Nutzung von Grok gedrängt haben, obwohl die erforderlichen Genehmigungen noch nicht vorlagen.
Brookings-Expertin Wirtschafter wies jedoch darauf hin, dass die Daten einige Unstimmigkeiten aufwiesen. So werde oft nicht aufgeschlüsselt, welcher Dienst konkret genutzt wird. Zudem gebe es offenbar unterschiedliche Definitionen für KI. Dennoch handele es sich um das "umfassendste Verzeichnis von KI-Anwendungsfällen außerhalb des Militärs und der Nachrichtendienste, über das wir verfügen." Weder xAI noch das OMB waren für eine Stellungnahme zu erreichen.
"Die mangelnde Begeisterung für Grok ist ein Warnsignal", sagte Vineet Jain, Mitbegründer und Chef von Egnyte, einem Anbieter KI-gestützter Firmensoftware. Es deute darauf hin, dass bei Grok die für den Regierungseinsatz erforderlichen Sicherheitsmechanismen fehlten. Ohne ein staatliches Gütesiegel erscheine der angestrebte SpaceX-Börsenwert von 1,75 Billionen Dollar eher als eine Obergrenze denn als Basis für weitere Kursgewinne.
Dabei beschreibt die Weltraumfirma dieses Geschäftsfeld in ihrem Emissionsprospekt als Wachstumsfeld. xAI soll langfristig zum wichtigsten Umsatzbringer werden. Bislang ist dies der Satellitenbetreiber Starlink, der bis zu 80 Prozent zu den Konzernerlösen beisteuert und Milliardengewinne erwirtschaftet. xAI schreibt dagegen Verluste. Musk hatte seine KI-Firma Anfang des Jahres in einer 1,25 Billionen Dollar schweren Transaktion mit SpaceX verschmolzen. Bei dieser Transaktion wurde xAI mit 250 Milliarden Dollar bewertet.
SpaceX will bei dem für den 12. Juni anvisierten Börsengang 75 Milliarden Dollar erlösen. Dieses Emissionsvolumen würde den bisherigen Weltrekord um das Dreifache übertreffen.
Zwar erhielt xAI zu Jahresbeginn einen 200 Millionen Dollar schweren Auftrag des Verteidigungsministeriums, der in der OMB-Datenbank nicht enthalten ist. Grok wurde zudem neben anderen KI-Modellen für den Umgang mit geheimen Informationen freigegeben. Einem Insider zufolge kann Grok mit der Konkurrenz jedoch nicht mithalten. Bei der US-Rüstungsagentur Darpa werde die Software daher nicht einmal in Betracht gezogen. Die Beschäftigten dort nutzten hauptsächlich Claude von Anthropic, Gemini und ChatGPT. Das Verteidigungsministerium und Darpa reagierten nicht auf eine Anfrage.
In anderen Regierungsstellen werde Grok lediglich in Pilotprojekten getestet oder für wenig anspruchsvolle Aufgaben wie die Erstellung von Emails oder Beiträgen für Sozialen Medien eingesetzt. Das Veteranenbüro entschied sich einem anderen Insider zufolge bei einer Ausschreibung gegen die Software, weil sie den Anforderungen nicht genügte. Die Behörde beantwortete die Frage nach Grok nicht direkt, sondern betonte, dass man sich nicht auf ein KI-Modell konzentrieren dürfe.
Auf dem gewinnträchtigen Markt für Firmensoftware ist Grok ebenfalls praktisch bedeutungslos. Dem Branchendienst Netskope zufolge setzten lediglich zwei von 1000 Nutzern die xAI-Software ein. Dabei verbrächten sie weniger als halb so viel Zeit mit diesem Chatbot wie mit ChatGPT, ergänzte Netskope-Manager Ray Canzanese. Er bezweifle daher, dass Grok in der Wirtschaft große Verbreitung finden werde.
(unter Mitarbeit von Mike Stone, David Jeans und Echo Wang; geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)