19.05.26
13:05
Reuters
| * | Investoren sehen eher Konsum- als Luxusmarke | |
| * | Bewertung rutscht ab | |
| * | zuletzt schwaches Wachstum und Margendruck | |
| * | Rivale Crocs vermeidet Ausverkauf | |
| - von Savyata Mishra und Danielle Kaye | ||
| 18. Mai (Reuters) - Birkenstock(BIRK.N) kommt an der | ||
| Börse in New York immer stärker ins Rutschen. Bei Investoren | ||
| verlieren die bequemen Kork-Sandalen zunehmend an Glanz. Den | ||
| Aufstieg vom Öko-Schuh zum Mode-Statement hat das Unternehmen | ||
| geschafft, nun scheint aber der Traum von der Luxusmarke zu | ||
| platzen. Die Zweifel an der Marktpositionierung von Birkenstock | ||
| verstärkten sich vergangene Woche, nachdem der | ||
| Sandalenhersteller ein geringeres vierteljährliches | ||
| Umsatzwachstum gemeldet hatte. Die Aktie brach auf ein | ||
| Rekordtief ein. Damit lag der Börsenwert um mehr als ein Drittel | ||
| unter dem Wert zum Börsengang 2023. Unter Anlegern macht sich | ||
| Ernüchterung breit. | ||
"Die Erwartungen der Anleger waren wahrscheinlich überhöht, als die Marke eher wie ein Luxusmodeunternehmen als wie ein Schuhunternehmen bewertet wurde", sagt Keith Fraley vom Fashion Institute of Technology in New York. Birkenstock steckt in einer Art Zwischenwelt: exklusiver als die meisten Schuhmarken, weil das Unternehmen den Vertrieb streng kontrolliert und Rabattschlachten meidet. Aber auch ohne die schiere Größe und Produktvielfalt der globalen Luxusmarken.
Diese Zwickmühle zeigt sich im Tagesgeschäft. Die Produktion "Made in Germany" untermauert zwar das Premium-Image, entpuppt sich im Vergleich zur Konkurrenz aus Asien aber als Kostentreiber. Gleichzeitig gerät die Nachfrage ins Stocken. Während wohlhabendere Kunden die Preiserhöhungen noch mitmachen, halten sich preisbewusstere Käufer angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten zurück. Im letzten Quartal drückten zudem US-Zölle und ein schwächerer Dollar auf die Gewinnmarge – ausgerechnet im wichtigsten Markt, den USA.
Für Birkenstock stellt sich nun die Gretchenfrage, die laut dem Finanzexperten Michael Ashley Schulman alle Modemärkte irgendwann beantworten müssen: "Ist das zeitlos oder hat jeder, der es haben wollte, schon genug gekauft?" Wie Eric Tsytsylin von der Markenberatung Lippincott warnt, steht das Unternehmen vor einem Dilemma: "Wenn Birkenstock dem Volumen nachjagt, indem es zu viele Großhandelskanäle öffnet oder auf Rabatte setzt, wird es den Luxusaufschlag verlieren, den es über Jahrzehnte aufgebaut hat."
Beflügelt von einem Gastauftritt im Blockbuster-Film "Barbie" legte das deutsche Traditionsunternehmen 2023 einen schillernden Börsengang in New York hin. Die Bewertung war von Anfang an ambitioniert; erst etwa sechs Wochen nach dem Gang aufs Börsenparkett im Oktober erreichte die Aktie wieder den IPO-Preis von 46 Dollar. Knapp drei Jahre später deutet ein Einbruch der Marktkapitalisierung von Birkenstock darauf hin, dass Investoren das Unternehmen zunehmend als Schuhmarke mit einer kleinen, treuen Kundschaft und stabilen Umsätzen sehen – ihr aber nicht die breite Anziehungskraft oder die Margen von Luxusgiganten wie LVMH(LVMH.PA) zutrauen. Der französische Luxuskonzern ist maßgeblich an Birkenstock beteiligt.
Die Neubewertung durch die Anleger lässt sich in Zahlen ablesen. Die Aktie wird nicht mehr mit einem satten Luxus-Aufschlag gehandelt, sondern bewegt sich nahe am Branchendurchschnitt. Zum Vergleich: Der Clogs-Anbieter Crocs(CROX.O), der mit seinen Freizeitschuhen aus einem Kunstharzgemisch nie Luxus-Ambitionen verfolgte, wird als Massenmarkt-Wert gehandelt und liefert stabile Margen – damit entging er einem vergleichbaren Ausverkauf. Während die Birkenstock-Aktien an der Wall Street seit Jahresanfang mehr als 20 Prozent abrutschten, zogen Crocs-Aktien gut 13 Prozent an.
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| Birkenstock's shares lose steam since listing in 2023 | https://www.reuters.com/graphics/BIRKENSTOCK-GROWTH/gkplkennevb/Birkenstock_performance.png |
| Birkenstock's margins decline for three consecutive quarters | |
| https://www.reuters.com/graphics/BIRKENSTOCK-GROWTH/akpeywqedpr/chart.png | |
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(geschrieben von Stefanie Geiger, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
19.05.26
13:05
Reuters
"Die Erwartungen der Anleger waren wahrscheinlich überhöht, als die Marke eher wie ein Luxusmodeunternehmen als wie ein Schuhunternehmen bewertet wurde", sagt Keith Fraley vom Fashion Institute of Technology in New York. Birkenstock steckt in einer Art Zwischenwelt: exklusiver als die meisten Schuhmarken, weil das Unternehmen den Vertrieb streng kontrolliert und Rabattschlachten meidet. Aber auch ohne die schiere Größe und Produktvielfalt der globalen Luxusmarken.
Diese Zwickmühle zeigt sich im Tagesgeschäft. Die Produktion "Made in Germany" untermauert zwar das Premium-Image, entpuppt sich im Vergleich zur Konkurrenz aus Asien aber als Kostentreiber. Gleichzeitig gerät die Nachfrage ins Stocken. Während wohlhabendere Kunden die Preiserhöhungen noch mitmachen, halten sich preisbewusstere Käufer angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten zurück. Im letzten Quartal drückten zudem US-Zölle und ein schwächerer Dollar auf die Gewinnmarge – ausgerechnet im wichtigsten Markt, den USA.
Für Birkenstock stellt sich nun die Gretchenfrage, die laut dem Finanzexperten Michael Ashley Schulman alle Modemärkte irgendwann beantworten müssen: "Ist das zeitlos oder hat jeder, der es haben wollte, schon genug gekauft?" Wie Eric Tsytsylin von der Markenberatung Lippincott warnt, steht das Unternehmen vor einem Dilemma: "Wenn Birkenstock dem Volumen nachjagt, indem es zu viele Großhandelskanäle öffnet oder auf Rabatte setzt, wird es den Luxusaufschlag verlieren, den es über Jahrzehnte aufgebaut hat."
Beflügelt von einem Gastauftritt im Blockbuster-Film "Barbie" legte das deutsche Traditionsunternehmen 2023 einen schillernden Börsengang in New York hin. Die Bewertung war von Anfang an ambitioniert; erst etwa sechs Wochen nach dem Gang aufs Börsenparkett im Oktober erreichte die Aktie wieder den IPO-Preis von 46 Dollar. Knapp drei Jahre später deutet ein Einbruch der Marktkapitalisierung von Birkenstock darauf hin, dass Investoren das Unternehmen zunehmend als Schuhmarke mit einer kleinen, treuen Kundschaft und stabilen Umsätzen sehen – ihr aber nicht die breite Anziehungskraft oder die Margen von Luxusgiganten wie LVMH(LVMH.PA) zutrauen. Der französische Luxuskonzern ist maßgeblich an Birkenstock beteiligt.
Die Neubewertung durch die Anleger lässt sich in Zahlen ablesen. Die Aktie wird nicht mehr mit einem satten Luxus-Aufschlag gehandelt, sondern bewegt sich nahe am Branchendurchschnitt. Zum Vergleich: Der Clogs-Anbieter Crocs(CROX.O), der mit seinen Freizeitschuhen aus einem Kunstharzgemisch nie Luxus-Ambitionen verfolgte, wird als Massenmarkt-Wert gehandelt und liefert stabile Margen – damit entging er einem vergleichbaren Ausverkauf. Während die Birkenstock-Aktien an der Wall Street seit Jahresanfang mehr als 20 Prozent abrutschten, zogen Crocs-Aktien gut 13 Prozent an.
(geschrieben von Stefanie Geiger, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)