02.03.26
12:00
Reuters
| * Ölpreis | springt um bis zu 13 Prozent |
| * | Straße von Hormus im Fokus |
| * | Dax grenzt Verluste auf minus 1,5 Prozent ein |
| * | Flug- und Reisefirmen im Sinkflug |
| (Neu: Europäische Börsen, Ölpreis, Reedereien, Dollar) | |
| Frankfurt, 02. Mrz (Reuters) - Die Eskalation im Nahen | |
| Osten hat die Ölpreise sprunghaft ansteigen lassen und an den | |
| Aktienmärkten die Furcht vor einem Ölpreisschock geschürt. "Die | |
| Reaktion, die im Zentrum von allem steht, ist die des | |
| Ölmarktes", kommentierte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. | |
| "Denn ein massiver und länger andauernder Ölpreisanstieg hätte | |
| ohne Frage schwerwiegende Folgen für die Weltwirtschaft." Die | |
| Rohölsorte Brent(LCOc1) aus der Nordsee verteuerte sich am | |
| Montag um bis zu 13 Prozent auf 82,37 Dollar je Barrel. An den | |
| Aktienmärkten fiel die Reaktion auf die israelischen und | |
| amerikanischen Angriffe auf den Iran wesentlich verhaltener aus. | |
| Der Dax(.GDAXI) gab in der Spitze um 2,5 Prozent auf 24.651 | |
| Punkte nach, | grenzte im Handelsverlauf aber die Verluste auf 1,5 |
| Prozent ein. | |
"Der Dax startet trotz einer beispiellosen geopolitischen Eskalation in einer der wichtigsten ölproduzierenden Regionen der Erde ohne Panik in die neue Woche", konstatierte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Die Reaktionen zeigten, dass Anleger mit einer kurzen militärischen Auseinandersetzung rechneten, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "Angesichts der möglichen Tragweite dieser Auseinandersetzung sind die initialen Kursverluste sehr moderat."
Selbst beim Ölpreis fiel der Preisanstieg nach dem Wochenende schwächer aus als von manchem Experten befürchtet. In der Spitze bewegte sich Brent-Rohöl auf dem höchsten Stand seit gut einem Jahr, sank im Handelsverlauf aber wieder unter 80 Dollar je Barrel. Analysten führten dies auf eine bereits einkalkulierte Risikoprämie zurück. Bis Freitag hatte sich Brent-Öl in diesem Jahr bereits um gut 19 Prozent verteuert. "Die Märkte erkennen den Ernst des Konflikts an, signalisieren aber gleichzeitig, dass es sich vorerst um einen geopolitischen Schock und nicht um eine systemische Krise handelt", sagte Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.
Entscheidend ist nach Ansicht von Analysten, wie lange die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, nachdem iranische Vergeltungsangriffe den Schiffsverkehr beeinträchtigten. Mehr als 200 Schiffe, darunter Öl- und Gastanker, lagen Schiffsdaten zufolge am Sonntag vor der Meerenge vor Anker. Durch die Meerenge im Persischen Golf werden täglich etwa 17 Millionen Barrel Öl transportiert. Das entspricht etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion.
An den Börsen ließen Spekulationen auf höhere Frachtraten und knappe Kapazitäten Anleger bei Aktien europäischer Reedereien zugreifen. Die Papiere von Maersk(MAERSKb.CO) gewannen zeitweise mehr als sieben Prozent. Auch Hapag-Lloyd(HLAG.DE) waren gefragt und verteuerten sich um sechs Prozent. Beide Container-Reedereien haben Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus bis auf Weiteres ausgesetzt. Am Sonntag begannen sie, auch den Suezkanal und die Meerenge Bab al-Mandab zu meiden und leiten ihre Schiffe nun wieder um Afrika herum. Gekauft wurden auch Rüstungswerte wie Rheinmetall(RHMG.DE) und Hensoldt(HAGG.DE), deren Aktien sich um bis zu sechs beziehungsweise mehr als acht Prozent verteuerten.
Das Chaos im Flugverkehr angesichts der Schließung wichtiger Drehkreuze im Nahen Osten sowie die anziehenden Treibstoffpreise schickten dagegen Fluggesellschaften auf Talfahrt. Die Aktien der Lufthansa(HAG.DE) brachen in der Spitze mehr als elf Prozent ein. Auch Air France-KLM(AIRF.PA), IAG(ICAG.L) und Ryanair(RYA.I) gaben zeitweise jeweils rund zehn Prozent nach.
Aus den Depots der Anleger flogen auch Papiere von Hotel- und Reisekonzernen. TUI(TUI1n.DE) rauschten zeitweise knapp zehn Prozent in die Tiefe. Analysten von Oddo BHF und MWB wiesen auf die besondere Situation von TUI hin. Der Reisekonzern sei durch den Einsatz von Kreuzfahrtschiffen in den Häfen am Persischen Golf sowie durch die starke Nutzung der Luftkorridore im Nahen Osten für Langstreckenflüge vom Nahost-Konflikt betroffen.
Begehrt waren bei Anlegern in Krisenzeiten vor allem vermeitlich sichere Anlagen wie etwa Gold. Der Goldpreis(XAU=) zog um gut zwei Prozent auf 5388 Dollar je Feinunze an. Profiteur war zudem der US-Dollar. Der Dollar-Index(.DXY) kletterte in der Spitze um ein Prozent auf 98,566 Punkte und legte auch gegenüber dem Schweizer Franken zu. Gegenüber dem Euro stieg der Schweizer Franken dagegen auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt, weil Anleger in die als sicher geltende Währung investierten.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
02.03.26
12:00
Reuters
Frankfurt, 02. Mrz (Reuters) - Die Eskalation im Nahen Osten hat die Ölpreise sprunghaft ansteigen lassen und an den Aktienmärkten die Furcht vor einem Ölpreisschock geschürt. "Die Reaktion, die im Zentrum von allem steht, ist die des Ölmarktes", kommentierte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. "Denn ein massiver und länger andauernder Ölpreisanstieg hätte ohne Frage schwerwiegende Folgen für die Weltwirtschaft." Die Rohölsorte Brent(LCOc1) aus der Nordsee verteuerte sich am Montag um bis zu 13 Prozent auf 82,37 Dollar je Barrel. An den Aktienmärkten fiel die Reaktion auf die israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran wesentlich verhaltener aus. Der Dax(.GDAXI) gab in der Spitze um 2,5 Prozent auf 24.651 Punkte nach, grenzte im Handelsverlauf aber die Verluste auf 1,5 Prozent ein.
"Der Dax startet trotz einer beispiellosen geopolitischen Eskalation in einer der wichtigsten ölproduzierenden Regionen der Erde ohne Panik in die neue Woche", konstatierte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Die Reaktionen zeigten, dass Anleger mit einer kurzen militärischen Auseinandersetzung rechneten, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. "Angesichts der möglichen Tragweite dieser Auseinandersetzung sind die initialen Kursverluste sehr moderat."
STRASSE VON HORMUS IM FOKUS
Selbst beim Ölpreis fiel der Preisanstieg nach dem Wochenende schwächer aus als von manchem Experten befürchtet. In der Spitze bewegte sich Brent-Rohöl auf dem höchsten Stand seit gut einem Jahr, sank im Handelsverlauf aber wieder unter 80 Dollar je Barrel. Analysten führten dies auf eine bereits einkalkulierte Risikoprämie zurück. Bis Freitag hatte sich Brent-Öl in diesem Jahr bereits um gut 19 Prozent verteuert. "Die Märkte erkennen den Ernst des Konflikts an, signalisieren aber gleichzeitig, dass es sich vorerst um einen geopolitischen Schock und nicht um eine systemische Krise handelt", sagte Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.
Entscheidend ist nach Ansicht von Analysten, wie lange die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, nachdem iranische Vergeltungsangriffe den Schiffsverkehr beeinträchtigten. Mehr als 200 Schiffe, darunter Öl- und Gastanker, lagen Schiffsdaten zufolge am Sonntag vor der Meerenge vor Anker. Durch die Meerenge im Persischen Golf werden täglich etwa 17 Millionen Barrel Öl transportiert. Das entspricht etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion.
REEDEREIEN IM HÖHENFLUG - AIRLINES TAUCHEN AB
An den Börsen ließen Spekulationen auf höhere Frachtraten und knappe Kapazitäten Anleger bei Aktien europäischer Reedereien zugreifen. Die Papiere von Maersk(MAERSKb.CO) gewannen zeitweise mehr als sieben Prozent. Auch Hapag-Lloyd(HLAG.DE) waren gefragt und verteuerten sich um sechs Prozent. Beide Container-Reedereien haben Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus bis auf Weiteres ausgesetzt. Am Sonntag begannen sie, auch den Suezkanal und die Meerenge Bab al-Mandab zu meiden und leiten ihre Schiffe nun wieder um Afrika herum. Gekauft wurden auch Rüstungswerte wie Rheinmetall(RHMG.DE) und Hensoldt(HAGG.DE), deren Aktien sich um bis zu sechs beziehungsweise mehr als acht Prozent verteuerten.
Das Chaos im Flugverkehr angesichts der Schließung wichtiger Drehkreuze im Nahen Osten sowie die anziehenden Treibstoffpreise schickten dagegen Fluggesellschaften auf Talfahrt. Die Aktien der Lufthansa(HAG.DE) brachen in der Spitze mehr als elf Prozent ein. Auch Air France-KLM(AIRF.PA), IAG(ICAG.L) und Ryanair(RYA.I) gaben zeitweise jeweils rund zehn Prozent nach.
Aus den Depots der Anleger flogen auch Papiere von Hotel- und Reisekonzernen. TUI(TUI1n.DE) rauschten zeitweise knapp zehn Prozent in die Tiefe. Analysten von Oddo BHF und MWB wiesen auf die besondere Situation von TUI hin. Der Reisekonzern sei durch den Einsatz von Kreuzfahrtschiffen in den Häfen am Persischen Golf sowie durch die starke Nutzung der Luftkorridore im Nahen Osten für Langstreckenflüge vom Nahost-Konflikt betroffen.
Begehrt waren bei Anlegern in Krisenzeiten vor allem vermeitlich sichere Anlagen wie etwa Gold. Der Goldpreis(XAU=) zog um gut zwei Prozent auf 5388 Dollar je Feinunze an. Profiteur war zudem der US-Dollar. Der Dollar-Index(.DXY) kletterte in der Spitze um ein Prozent auf 98,566 Punkte und legte auch gegenüber dem Schweizer Franken zu. Gegenüber dem Euro stieg der Schweizer Franken dagegen auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt, weil Anleger in die als sicher geltende Währung investierten.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)