20.05.26
09:24
Reuters
Frankfurt/Jakarta, 20. Mai (Reuters) - Indonesien will die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe in staatliche Hände legen und hat an den Börsen damit für Verunsicherung gesorgt. Das Land werde eine neue Agentur gründen, um die Exporte von Gütern wie Heizkohle, Palmöl und Nickel zu verwalten, kündigte Präsident Prabowo Subianto am Mittwoch vor dem Parlament an. Damit sollten die Staatseinnahmen gesteigert und die Warenströme stärker überwacht werden. Ziel sei es, die in den letzten 34 Jahren entstandenen Einnahmeverluste zu stoppen. Das Land habe bis zu 908 Milliarden Dollar verloren, weil seine Rohstoffe billig verkauft würden, rechnete Subianto vor. "Der gesamte Absatz unserer Ressourcen, von Palmöl bis Kohle, muss über ein von der Regierung ausgewähltes staatliches Unternehmen als alleiniger Exporteur erfolgen." In der ersten Phase werden Kohle, Palmöl und Eisenlegierungen, die bei der Stahlerzeugung wichtig sind, unter staatliche Obhut genommen. Dann wird die Regierung nach Angaben von Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto alle drei Monate prüfen, welche Rohstoffe noch in den Plan aufgenommen werden können.
Marktteilnehmer zeigten sich von den Plänen verunsichert und fürchteten, dass es zu Änderungen der Preismechanismen und sinkenden Margen der Händler kommen könnte. Am Aktienmarkt verlor Jakartas Leitindex(.JKSE) am Mittwoch 0,8 Prozent, nachdem er am Dienstag bei aufkommenden Spekulationen auf die anstehenden Regierungsmaßnahmen um 3,5 Prozent abgesackt war. An den Terminmärkten verteuerten sich die Preise für Palmöl aus Malaysia(FCOPOc2) um knapp zwei Prozent. Die Exportpläne Indonesiens lösten Angebotssorgen und Spekulationen auf eine Verlagerung der Nachfrage nach Malaysia aus. "Die Aufmerksamkeit der Käufer könnte sich Malaysia zuwenden, bis mehr darüber bekannt ist, wie der in Indonesien eingeführte Mechanismus funktionieren wird", sagte Paramalingam Supramaniam vom Broker Pelindung Bestari. Versorgungsängste trieben auch den Nickelpreis(CMNI3) an. Eine Tonne des Metalls verteuerte sich um bis zu ein Prozent. Die indonesische Landeswährung Rupiah(IDR=) schlitterte zunächst auf ein frisches Rekordtief, der Dollar stieg im Gegenzug um bis zu 0,3 Prozent auf 17.745 Rupiah. Nach einer Zinserhöhung der indonesischen Notenbank ging es für die Rupiah dann wieder etwas bergauf. Indonesien steht an den Finanzmärkten seit Monaten unter Druck: Sorgen um die Staatsfinanzen und die Regierungsführung führten zu massiven Kapitalabflüssen.
H Kristiono, Chef des Bergbauunternehmens Ucoal Resources, sieht durch eine staatliche Bündelung der Exporte die Chance auf eine stärkere Verhandlungsposition Indonesiens sowie optimierte Einnahmen, Daten und Planung. "Mögliche Nachteile sind: Risiko niedrigerer Preise für die Produzenten durch weniger Auswahl, geringere Attraktivität für Investoren, Verlangsamung von Innovation und Effizienz, hohes Konzentrationsrisiko aufgrund einer zentralisierten Einheit." Der Chef des indonesischen Palmölproduzentenverbands, Eddy Martono, warnte: "Exporteure haben in der Regel bereits ihre eigenen Märkte. Wir müssen sicherstellen, dass wir diese Märkte nicht aufgrund schlechten Managements verlieren." Die neue Struktur ignoriere die Herausforderungen, mit denen die indonesische Exportbranche zu kämpfen habe, sagte Rizki Siregar, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Indonesien. Dazu zähle unter anderem, dass sie mit Bestechung konfrontiert seien und das stärker als Mitbewerber und durchschnittliche indonesische Firmen. Zudem seien die Handelskosten sowohl beim Import als auch beim Export bereits gestiegen. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Agentur möglicherweise weitere Verzerrungen schafft, anstatt Lösungen für die bereits bestehenden, gravierenden Verzerrungen zu bieten, mit denen Exporteure konfrontiert sind", sagte Siregar.
Indonesien kämpft seit Monaten mit einer Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Sorgen um ein ausgeweitetes Haushaltsdefizit und den steigenden staatlichen Einfluss beunruhigen die Anleger. Die Warnung des Index-Anbieters MSCI vor einer möglichen Herabstufung des Landes wegen mangelnder Transparenz hatte Ende Januar zu einem Ausverkauf an den indonesischen Börsen geführt. Die hohen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs beschleunigten die Talfahrt. Asiatische Länder, insbesondere Nettoenergieimporteure wie Indonesien, Indien, die Philippinen und Thailand, sind von der Schließung der Straße von Hormus und den steigenden Energiepreisen besonders hart getroffen.
(Bericht von Christina Bernadette und Gayatri Suroyo, Anika Ross, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
20.05.26
09:24
Reuters
Frankfurt/Jakarta, 20. Mai (Reuters) - Indonesien will die Ausfuhr wichtiger Rohstoffe in staatliche Hände legen und hat an den Börsen damit für Verunsicherung gesorgt. Das Land werde eine neue Agentur gründen, um die Exporte von Gütern wie Heizkohle, Palmöl und Nickel zu verwalten, kündigte Präsident Prabowo Subianto am Mittwoch vor dem Parlament an. Damit sollten die Staatseinnahmen gesteigert und die Warenströme stärker überwacht werden. Ziel sei es, die in den letzten 34 Jahren entstandenen Einnahmeverluste zu stoppen. Das Land habe bis zu 908 Milliarden Dollar verloren, weil seine Rohstoffe billig verkauft würden, rechnete Subianto vor. "Der gesamte Absatz unserer Ressourcen, von Palmöl bis Kohle, muss über ein von der Regierung ausgewähltes staatliches Unternehmen als alleiniger Exporteur erfolgen." In der ersten Phase werden Kohle, Palmöl und Eisenlegierungen, die bei der Stahlerzeugung wichtig sind, unter staatliche Obhut genommen. Dann wird die Regierung nach Angaben von Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto alle drei Monate prüfen, welche Rohstoffe noch in den Plan aufgenommen werden können.
Marktteilnehmer zeigten sich von den Plänen verunsichert und fürchteten, dass es zu Änderungen der Preismechanismen und sinkenden Margen der Händler kommen könnte. Am Aktienmarkt verlor Jakartas Leitindex(.JKSE) am Mittwoch 0,8 Prozent, nachdem er am Dienstag bei aufkommenden Spekulationen auf die anstehenden Regierungsmaßnahmen um 3,5 Prozent abgesackt war. An den Terminmärkten verteuerten sich die Preise für Palmöl aus Malaysia(FCOPOc2) um knapp zwei Prozent. Die Exportpläne Indonesiens lösten Angebotssorgen und Spekulationen auf eine Verlagerung der Nachfrage nach Malaysia aus. "Die Aufmerksamkeit der Käufer könnte sich Malaysia zuwenden, bis mehr darüber bekannt ist, wie der in Indonesien eingeführte Mechanismus funktionieren wird", sagte Paramalingam Supramaniam vom Broker Pelindung Bestari. Versorgungsängste trieben auch den Nickelpreis(CMNI3) an. Eine Tonne des Metalls verteuerte sich um bis zu ein Prozent. Die indonesische Landeswährung Rupiah(IDR=) schlitterte zunächst auf ein frisches Rekordtief, der Dollar stieg im Gegenzug um bis zu 0,3 Prozent auf 17.745 Rupiah. Nach einer Zinserhöhung der indonesischen Notenbank ging es für die Rupiah dann wieder etwas bergauf. Indonesien steht an den Finanzmärkten seit Monaten unter Druck: Sorgen um die Staatsfinanzen und die Regierungsführung führten zu massiven Kapitalabflüssen.
MARKTTEILNEHMER UND EXPERTEN REAGIEREN SKEPTISCH
H Kristiono, Chef des Bergbauunternehmens Ucoal Resources, sieht durch eine staatliche Bündelung der Exporte die Chance auf eine stärkere Verhandlungsposition Indonesiens sowie optimierte Einnahmen, Daten und Planung. "Mögliche Nachteile sind: Risiko niedrigerer Preise für die Produzenten durch weniger Auswahl, geringere Attraktivität für Investoren, Verlangsamung von Innovation und Effizienz, hohes Konzentrationsrisiko aufgrund einer zentralisierten Einheit." Der Chef des indonesischen Palmölproduzentenverbands, Eddy Martono, warnte: "Exporteure haben in der Regel bereits ihre eigenen Märkte. Wir müssen sicherstellen, dass wir diese Märkte nicht aufgrund schlechten Managements verlieren." Die neue Struktur ignoriere die Herausforderungen, mit denen die indonesische Exportbranche zu kämpfen habe, sagte Rizki Siregar, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Indonesien. Dazu zähle unter anderem, dass sie mit Bestechung konfrontiert seien und das stärker als Mitbewerber und durchschnittliche indonesische Firmen. Zudem seien die Handelskosten sowohl beim Import als auch beim Export bereits gestiegen. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Agentur möglicherweise weitere Verzerrungen schafft, anstatt Lösungen für die bereits bestehenden, gravierenden Verzerrungen zu bieten, mit denen Exporteure konfrontiert sind", sagte Siregar.
Indonesien kämpft seit Monaten mit einer Vertrauenskrise an den Finanzmärkten. Sorgen um ein ausgeweitetes Haushaltsdefizit und den steigenden staatlichen Einfluss beunruhigen die Anleger. Die Warnung des Index-Anbieters MSCI vor einer möglichen Herabstufung des Landes wegen mangelnder Transparenz hatte Ende Januar zu einem Ausverkauf an den indonesischen Börsen geführt. Die hohen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs beschleunigten die Talfahrt. Asiatische Länder, insbesondere Nettoenergieimporteure wie Indonesien, Indien, die Philippinen und Thailand, sind von der Schließung der Straße von Hormus und den steigenden Energiepreisen besonders hart getroffen.
(Bericht von Christina Bernadette und Gayatri Suroyo, Anika Ross, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)