15.05.26
17:33
Reuters
Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Der erneute Anstieg der Ölpreise angesichts neu entflammter Nahost-Sorgen belastet die Wall Street. Der Dow-Jones-Index(.DJI) der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500(.SPX) notierten am Freitag jeweils rund ein Prozent tiefer bei 49.638 und 7436 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq(.IXIC) verlor etwa genauso viel auf 26.349 Zähler. "Die Anleger stellen sich auf einen längerfristig hohen Ölpreis und eine hartnäckigere Inflation ein", sagte Tom Ross, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors. Die Nordsee-Rohölsorte Brent(LCOc1) verteuerte sich auf Wochensicht um rund acht Prozent, beim US-Leichtöl WTI(CLc1) lag das Plus bei mehr als zehn Prozent. Sollte der US-Iran-Konflikt in einen langanhaltenden Zermürbungskrieg übergehen, dürfte dies laut Experten die Ölpreise noch weiter nach oben treiben.
Da das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking keinen Durchbruch im US-Iran-Konflikt brachte, fürchten Anleger nun eine erneute militärische Eskalation. Trump drohte dem Iran am Donnerstag, er werde "nicht mehr lange geduldig sein". Dabei hatten die Investoren gehofft, dass der US-Präsident China stärker einbinden könnte, um in dem seit Ende Februar andauernden Nahost-Krieg zu vermitteln. "Am Markt setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Trump-Xi-Gipfel letztlich vor allem symbolischen Charakter hatte", resümierte Timo Emden von Emden Research.
An den Anleihemärkten trieben Inflationsängste wegen der anhaltend hohen Energiepreise die Bond-Renditen in die Höhe. Investoren dies- und jenseits des Atlantiks stellten sich zunehmend auf Zinserhöhungen der großen Notenbanken ein, um die hohe Teuerung in den USA und im Euroraum in den Griff zu bekommen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsbonds(US10YT=RR) lag mit 4,587 Prozent auf dem höchsten Stand seit rund einem Jahr.
Auch der Dollar(.DXY)-Index legte wegen der Zins-Spekulationen um rund ein halbes Prozent auf 99,276 Punkte zu und notierte damit auf dem höchsten Stand seit mehr als fünf Wochen. Bei Gold(XAU=) und Kupfer(CMCU3) sorgte der starke Greenback für einen heftigen Abverkauf. Das Edelmetall verlor in der Spitze drei Prozent auf 4512 Dollar je Feinunze, das Industriemetall notierte mit 13.555 Dollar je Tonne in der Spitze 3,4 Prozent niedriger. Eine stärkere US-Währung verteuert in Dollar gehandelte Metalle für Inhaber anderer Währungen.
Bei den Einzelwerten belastete der Anstieg beim Ölpreis den globalen Chipsektor. Der US-Index für den Halbleitersektor(.SOX) rutschte um 3,6 Prozent ab. Daniel von Ahlen, Stratege beim Analysehaus TS Lombard, führte den Ausverkauf auf die Teuerung bei Öl und die Erwartung inflationsbedingt steigender Zinsen zurück. Höhere Zinsen schmälern laut Experten zukünftige Gewinne wachstumsstarker Technologiefirmen. Es handle sich dabei nicht um eine Änderung der fundamentalen Aussichten für den Sektor, sagt von Ahlen.
Gefragt waren Getty Images(GETY.N) und Shutterstock(SSTK.N) mit Gewinnen von 18,5 und gut drei Prozent. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA gab die 3,7 Milliarden Dollar schwere Fusion der beiden Bildagenturen unter der Bedingung frei, dass Shutterstock sein globales redaktionelles Geschäft veräußert.
Anleger griffen auch bei Microsoft(MSFT.O) zu, was die Titel des Softwarekonzerns um 3,6 Prozent nach oben trieb. Der Milliardär Bill Ackman ist nach eigenen Angaben eine neue Position bei Microsoft eingegangen. Die Aktie ist in diesem Jahr um rund 15 Prozent abgerutscht. Anleger sorgen sich über ein langsameres Wachstum im Cloud-Geschäft, hohe Ausgaben und Änderungen an der Partnerschaft mit dem KI-Start-up OpenAI. Ackman bezeichnete diese Bedenken als übertrieben. Microsoft spiele mit seiner Cloud-Sparte Azure und dem Office-Paket M365 eine zentrale Rolle bei der zunehmenden KI-Nutzung durch Unternehmen, erklärte der Investor.
(Bericht von Sanne Schimanski. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
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Reuters
| * | Weiter kein Durchbruch bei US-Verhandlungen mit dem | |
| Iran | ||
| * | US-China-Gipfel sorgt für Enttäuschung | |
| * | Ölpreise ziehen an - Zinsspekulationen nehmen zu | |
| (Neu: Anleihen, Dollar, Metalle, Microsoft) | ||
| Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Der erneute Anstieg der | ||
| Ölpreise angesichts neu entflammter Nahost-Sorgen belastet die | ||
| Wall Street. Der Dow-Jones-Index(.DJI) der Standardwerte und der | ||
| breiter gefasste S&P 500(.SPX) notierten am Freitag jeweils rund | ||
| ein Prozent tiefer bei 49.638 und 7436 Punkten. Der Index der | ||
| Technologiebörse Nasdaq(.IXIC) verlor etwa genauso viel auf | ||
| 26.349 Zähler. "Die Anleger stellen sich auf einen längerfristig | ||
| hohen Ölpreis und eine hartnäckigere Inflation ein", sagte Tom | ||
| Ross, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors. Die | ||
| Nordsee-Rohölsorte Brent(LCOc1) verteuerte sich auf Wochensicht | ||
| um rund acht Prozent, beim US-Leichtöl WTI(CLc1) lag das Plus | ||
| bei mehr als zehn Prozent. Sollte der US-Iran-Konflikt in einen | ||
| langanhaltenden Zermürbungskrieg übergehen, dürfte dies laut | ||
| Experten die Ölpreise noch weiter nach oben treiben. | ||
Da das Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking keinen Durchbruch im US-Iran-Konflikt brachte, fürchten Anleger nun eine erneute militärische Eskalation. Trump drohte dem Iran am Donnerstag, er werde "nicht mehr lange geduldig sein". Dabei hatten die Investoren gehofft, dass der US-Präsident China stärker einbinden könnte, um in dem seit Ende Februar andauernden Nahost-Krieg zu vermitteln. "Am Markt setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass der Trump-Xi-Gipfel letztlich vor allem symbolischen Charakter hatte", resümierte Timo Emden von Emden Research.
An den Anleihemärkten trieben Inflationsängste wegen der anhaltend hohen Energiepreise die Bond-Renditen in die Höhe. Investoren dies- und jenseits des Atlantiks stellten sich zunehmend auf Zinserhöhungen der großen Notenbanken ein, um die hohe Teuerung in den USA und im Euroraum in den Griff zu bekommen. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsbonds(US10YT=RR) lag mit 4,587 Prozent auf dem höchsten Stand seit rund einem Jahr.
Auch der Dollar(.DXY)-Index legte wegen der Zins-Spekulationen um rund ein halbes Prozent auf 99,276 Punkte zu und notierte damit auf dem höchsten Stand seit mehr als fünf Wochen. Bei Gold(XAU=) und Kupfer(CMCU3) sorgte der starke Greenback für einen heftigen Abverkauf. Das Edelmetall verlor in der Spitze drei Prozent auf 4512 Dollar je Feinunze, das Industriemetall notierte mit 13.555 Dollar je Tonne in der Spitze 3,4 Prozent niedriger. Eine stärkere US-Währung verteuert in Dollar gehandelte Metalle für Inhaber anderer Währungen.
Bei den Einzelwerten belastete der Anstieg beim Ölpreis den globalen Chipsektor. Der US-Index für den Halbleitersektor(.SOX) rutschte um 3,6 Prozent ab. Daniel von Ahlen, Stratege beim Analysehaus TS Lombard, führte den Ausverkauf auf die Teuerung bei Öl und die Erwartung inflationsbedingt steigender Zinsen zurück. Höhere Zinsen schmälern laut Experten zukünftige Gewinne wachstumsstarker Technologiefirmen. Es handle sich dabei nicht um eine Änderung der fundamentalen Aussichten für den Sektor, sagt von Ahlen.
Gefragt waren Getty Images(GETY.N) und Shutterstock(SSTK.N) mit Gewinnen von 18,5 und gut drei Prozent. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA gab die 3,7 Milliarden Dollar schwere Fusion der beiden Bildagenturen unter der Bedingung frei, dass Shutterstock sein globales redaktionelles Geschäft veräußert.
Anleger griffen auch bei Microsoft(MSFT.O) zu, was die Titel des Softwarekonzerns um 3,6 Prozent nach oben trieb. Der Milliardär Bill Ackman ist nach eigenen Angaben eine neue Position bei Microsoft eingegangen. Die Aktie ist in diesem Jahr um rund 15 Prozent abgerutscht. Anleger sorgen sich über ein langsameres Wachstum im Cloud-Geschäft, hohe Ausgaben und Änderungen an der Partnerschaft mit dem KI-Start-up OpenAI. Ackman bezeichnete diese Bedenken als übertrieben. Microsoft spiele mit seiner Cloud-Sparte Azure und dem Office-Paket M365 eine zentrale Rolle bei der zunehmenden KI-Nutzung durch Unternehmen, erklärte der Investor.
(Bericht von Sanne Schimanski. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)