26.02.26
09:41
Reuters
| (neu: DSW, Händlerkommentar, Aktienkurs) |
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| DSW: prüfen Schadenersatzansprüche |
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| Finanzaufsicht Bafin weitet Ermittlungen aus |
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| Aktie setzt jahrelange Talfahrt fort |
| München, 26. Feb (Reuters) - Neue Zweifel an den |
| Bilanzen von Gerresheimer(GXIG.DE) könnten juristische Probleme |
| für den Verpackungshersteller nach sich ziehen. Die |
| Aktionärsvereinigung DSW teilte am Donnerstag mit, sie wolle |
| Schadenersatzansprüche prüfen. Betroffene Aktionäre sollten sich |
| melden, so die DSW. Die Aktie setzte ihre seit Jahren anhaltende |
| Talfahrt fort und gab am Vormittag zeitweise fast 20 Prozent auf |
| 14,83 Euro nach. Gerresheimer war damit der mit Abstand |
| schwächste Wert im SDax. "Eine unendliche Geschichte, und es |
| wird schlimmer", hieß es bei einem Händler. Die Aktie sei |
| "uninvestierbar". Seit September 2023 hat das Papier mehr als 85 |
| Prozent seines Wertes verloren. |
Am Vorabend hatte Gerresheimer mitgeteilt, die Finanzaufsicht BaFin wolle ihre Bilanzprüfung ausweiten. Die Prüfer hätten konkrete Anhaltspunkte gefunden, dass im Abschluss für das Geschäftsjahr 2023/24 weitere Fehler gemacht wurden. Außerdem untersuche die BaFin nun auch den Halbjahresbericht 2024/25. Bisher hatte sich die Finanzaufsicht vor allem am Umgang mit sogenannten "Bill-and-hold"-Verträgen gestört, bei denen Gerresheimer Umsätze und die damit verbundenen Gewinne zu früh gebucht habe.
Nun geht es auch um unterlassene Abschreibungen auf den Wert der Schweizer Tochter Sensile Medical, die damals noch mit knapp 200 Millionen Euro in den Büchern stand. Vor zwei Wochen hatte Gerresheimer angekündigt, 220 bis 240 Millionen Euro auf Technologie- und Entwicklungsprojekte von Sensile Medical und auf Vermögenswerte der US-Behälterglas-Tochter Moulded Glass Chicago abzuschreiben. Die BaFin geht offenbar davon aus, dass die Wertminderungen schon früher absehbar waren. Zudem seien in der Bilanz für 2024 Leasingverbindlichkeiten im Umfang von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro womöglich fehlerhaft ausgewiesen.
Was die umstrittenen "Bill-and-hold"-Verträge angeht, sei nach Ansicht der BaFin wohl auch der Halbjahresabschluss 2024/25 falsch, erklärte Gerresheimer. Bei diesen Vereinbarungen wird dem Kunden die verkaufte Ware schon in Rechnung gestellt, aber erst später ausgeliefert. Bis dahin lagert der Hersteller sie ein. Nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS dürften die Umsätze erst bei der Auslieferung verbucht werden. Gerresheimer hatte im Dezember angekündigt, die Buchungspraxis entsprechend zu ändern. Der neue Vorstand sprach vor zwei Wochen erstmals von bewussten Verstößen von Mitarbeitern gegen interne Vorschriften und gegen die IFRS-Regeln. Allein in der Bilanz für 2024 seien 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen bereinigtes Ebitda zu viel verbucht worden.
(Bericht von Olaf Brenner und Alexander Hübner Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
26.02.26
09:41
Reuters
München, 26. Feb (Reuters) - Neue Zweifel an den Bilanzen von Gerresheimer(GXIG.DE) könnten juristische Probleme für den Verpackungshersteller nach sich ziehen. Die Aktionärsvereinigung DSW teilte am Donnerstag mit, sie wolle Schadenersatzansprüche prüfen. Betroffene Aktionäre sollten sich melden, so die DSW. Die Aktie setzte ihre seit Jahren anhaltende Talfahrt fort und gab am Vormittag zeitweise fast 20 Prozent auf 14,83 Euro nach. Gerresheimer war damit der mit Abstand schwächste Wert im SDax. "Eine unendliche Geschichte, und es wird schlimmer", hieß es bei einem Händler. Die Aktie sei "uninvestierbar". Seit September 2023 hat das Papier mehr als 85 Prozent seines Wertes verloren.
Am Vorabend hatte Gerresheimer mitgeteilt, die Finanzaufsicht BaFin wolle ihre Bilanzprüfung ausweiten. Die Prüfer hätten konkrete Anhaltspunkte gefunden, dass im Abschluss für das Geschäftsjahr 2023/24 weitere Fehler gemacht wurden. Außerdem untersuche die BaFin nun auch den Halbjahresbericht 2024/25. Bisher hatte sich die Finanzaufsicht vor allem am Umgang mit sogenannten "Bill-and-hold"-Verträgen gestört, bei denen Gerresheimer Umsätze und die damit verbundenen Gewinne zu früh gebucht habe.
Nun geht es auch um unterlassene Abschreibungen auf den Wert der Schweizer Tochter Sensile Medical, die damals noch mit knapp 200 Millionen Euro in den Büchern stand. Vor zwei Wochen hatte Gerresheimer angekündigt, 220 bis 240 Millionen Euro auf Technologie- und Entwicklungsprojekte von Sensile Medical und auf Vermögenswerte der US-Behälterglas-Tochter Moulded Glass Chicago abzuschreiben. Die BaFin geht offenbar davon aus, dass die Wertminderungen schon früher absehbar waren. Zudem seien in der Bilanz für 2024 Leasingverbindlichkeiten im Umfang von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro womöglich fehlerhaft ausgewiesen.
Was die umstrittenen "Bill-and-hold"-Verträge angeht, sei nach Ansicht der BaFin wohl auch der Halbjahresabschluss 2024/25 falsch, erklärte Gerresheimer. Bei diesen Vereinbarungen wird dem Kunden die verkaufte Ware schon in Rechnung gestellt, aber erst später ausgeliefert. Bis dahin lagert der Hersteller sie ein. Nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS dürften die Umsätze erst bei der Auslieferung verbucht werden. Gerresheimer hatte im Dezember angekündigt, die Buchungspraxis entsprechend zu ändern. Der neue Vorstand sprach vor zwei Wochen erstmals von bewussten Verstößen von Mitarbeitern gegen interne Vorschriften und gegen die IFRS-Regeln. Allein in der Bilanz für 2024 seien 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen bereinigtes Ebitda zu viel verbucht worden.
(Bericht von Olaf Brenner und Alexander Hübner Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)