02.04.26
14:30
Reuters
| * | Iran-Krieg bleibt richtungsweisend | |
| * | Anleger fürchten Energiepreisschock | |
| * | US-Inflationszahlen auf dem Radar | |
| * | Anleger warten auf Signale aus Fed-Protokollen | |
| - von Anika Ross | ||
| Frankfurt, 02. Apr (Reuters) - Das lange Osterwochenende | ||
| dürfte den aufgewühlten Dax-Anlegern nur eine kleine Atempause | ||
| verschaffen. "Die Stimmung ist schlecht – an der Tankstelle wie | ||
| am Aktienmarkt", sagt Helaba-Stratege Adrian Keppler. Der vom | ||
| Iran-Krieg ausgehende Energiepreisschock trifft die | ||
| Weltwirtschaft und beunruhigt die Investoren mehr und mehr. | ||
| Zudem bleiben sie vor dem Hintergrund widersprüchlicher Signale | ||
| von US-Präsident Donald Trump im Ungewissen. "Angesichts einer | ||
| Flut von Widersprüchen ist es derzeit nicht so einfach, echte | ||
| Signale von Störgeräuschen zu unterscheiden, so wie man es | ||
| normalerweise erwarten würde. Die Märkte haben dadurch das | ||
| Gefühl, sich auf Messers Schneide zu bewegen", sagt Mark | ||
| Dowding, Anlageexperte für festverzinsliche Wertpapiere bei RBC | ||
| BlueBay Asset Management. | ||
Solange der Ölhandel beeinträchtigt bleibt, wird Dowding zufolge jeder schnelle Ausweg anhaltende und ungewisse wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen haben. "Der anhaltende Konflikt im Iran und die Störungen beim Transport von Energie durch die Straße von Hormus betreffen rund 20 Prozent des weltweiten Energieangebots", fasst Tiffany Wilding, Ökonomin bei Pimco, zusammen. Der Brent-Ölpreis(LCoc1) stieg am Donnerstag auf rund 110 Dollar pro Barrel. Trump erklärte, die USA würden die Angriffe auf den Iran fortsetzen, was die Befürchtung längerer Unterbrechungen der Ölversorgung schürte. Vorherige Aussagen hatten die Investoren noch auf ein absehbares Kriegsende hoffen lassen.
Die Aktienmärkte seien bislang noch vergleichsweise ruhig geblieben, da kurzfristige Lösungen eingepreist würden und Lagerbestände die unmittelbaren Auswirkungen abfederten, sagen die Pimco-Experten. In der Karwoche stand der Dax(.GDAXI) nach einer Berg- und Talfahrt mit 22.760 Punkten per Freitagnachmittag unter dem Strich ein halbes Prozent im Plus. "Mit anhaltenden Unterbrechungen könnten jedoch Rezessionsrisiken, ein Rückgang der Nachfrage und steigende Anleiheprämien zunehmen", warnt Ökonomin Wilding.
Vor dem Hintergrund des veränderten Inflationsumfeldes haben sich auch die Zinserwartungen deutlich verschoben. Zu Jahresbeginn hatten Marktteilnehmer noch zwei Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed eingepreist. Inzwischen wird bis Ende 2026 keine Zinssenkung mehr erwartet. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank das Protokoll ihrer Sitzung von Mitte März, was Hinweise auf die Stimmungslage der Zentralbanker liefern dürfte.
Wegen des Nahost-Kriegs ist die US-Inflation wohl deutlich nach oben gesprungen. Wie stark, davon werden die am Freitag erwarteten Zahlen für März einen ersten Eindruck liefern. Stärkster Inflationstreiber dürfte Benzin sein, das sich zum Februar bereinigt um rund 20 Prozent verteuert habe, sagen die Ökonomen der Commerzbank. "Die teurere Energie hat sich aber wahrscheinlich noch nicht auf breiter Front in höheren Preisen für andere Waren und Dienstleistungen niedergeschlagen, außer vielleicht in Ansätzen bei Flugreisen. Dies ist aber wohl nur eine Frage der Zeit." Am Ostermontag, an dem der Börsenhandel feiertagsbedingt hierzulande ruht, steht der ISM-Serviceindex an, der als wichtiger Indikator für die US-Dienstleistungsbranche gilt.
Am Dienstag steht der PMI-Index für Dienstleistungen in Europa und für Deutschland auf dem Programm. Die ansonsten in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten aus Deutschland stammen aus dem Februar und zeichnen somit ein Bild der Lage vor Ausbruch des Krieges. Am Mittwoch werden Zahlen zu den Auftragseingängen der Industrie erwartet, am Donnerstag zu den Exporten und der Produktion.
Bei den Unternehmen herrscht noch die Ruhe vor der nächsten Quartalssaison. Wie sich die höheren Energiepreise auf die Gewinnperspektiven auswirken, werde sich also erst in den kommenden Wochen zeigen, sagt die LBBW.
(Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
02.04.26
14:30
Reuters
Frankfurt, 02. Apr (Reuters) - Das lange Osterwochenende dürfte den aufgewühlten Dax-Anlegern nur eine kleine Atempause verschaffen. "Die Stimmung ist schlecht – an der Tankstelle wie am Aktienmarkt", sagt Helaba-Stratege Adrian Keppler. Der vom Iran-Krieg ausgehende Energiepreisschock trifft die Weltwirtschaft und beunruhigt die Investoren mehr und mehr. Zudem bleiben sie vor dem Hintergrund widersprüchlicher Signale von US-Präsident Donald Trump im Ungewissen. "Angesichts einer Flut von Widersprüchen ist es derzeit nicht so einfach, echte Signale von Störgeräuschen zu unterscheiden, so wie man es normalerweise erwarten würde. Die Märkte haben dadurch das Gefühl, sich auf Messers Schneide zu bewegen", sagt Mark Dowding, Anlageexperte für festverzinsliche Wertpapiere bei RBC BlueBay Asset Management.
Solange der Ölhandel beeinträchtigt bleibt, wird Dowding zufolge jeder schnelle Ausweg anhaltende und ungewisse wirtschaftliche und geopolitische Auswirkungen haben. "Der anhaltende Konflikt im Iran und die Störungen beim Transport von Energie durch die Straße von Hormus betreffen rund 20 Prozent des weltweiten Energieangebots", fasst Tiffany Wilding, Ökonomin bei Pimco, zusammen. Der Brent-Ölpreis(LCoc1) stieg am Donnerstag auf rund 110 Dollar pro Barrel. Trump erklärte, die USA würden die Angriffe auf den Iran fortsetzen, was die Befürchtung längerer Unterbrechungen der Ölversorgung schürte. Vorherige Aussagen hatten die Investoren noch auf ein absehbares Kriegsende hoffen lassen.
ANLEGER FÜRCHTEN SICH VOR BEGINN EINES ANGEBOTSCHOCKS
Die Aktienmärkte seien bislang noch vergleichsweise ruhig geblieben, da kurzfristige Lösungen eingepreist würden und Lagerbestände die unmittelbaren Auswirkungen abfederten, sagen die Pimco-Experten. In der Karwoche stand der Dax(.GDAXI) nach einer Berg- und Talfahrt mit 22.760 Punkten per Freitagnachmittag unter dem Strich ein halbes Prozent im Plus. "Mit anhaltenden Unterbrechungen könnten jedoch Rezessionsrisiken, ein Rückgang der Nachfrage und steigende Anleiheprämien zunehmen", warnt Ökonomin Wilding.
Vor dem Hintergrund des veränderten Inflationsumfeldes haben sich auch die Zinserwartungen deutlich verschoben. Zu Jahresbeginn hatten Marktteilnehmer noch zwei Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed eingepreist. Inzwischen wird bis Ende 2026 keine Zinssenkung mehr erwartet. Am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank das Protokoll ihrer Sitzung von Mitte März, was Hinweise auf die Stimmungslage der Zentralbanker liefern dürfte.
ÖLPREISANSTIEG TREIBT US-INFLATION
Wegen des Nahost-Kriegs ist die US-Inflation wohl deutlich nach oben gesprungen. Wie stark, davon werden die am Freitag erwarteten Zahlen für März einen ersten Eindruck liefern. Stärkster Inflationstreiber dürfte Benzin sein, das sich zum Februar bereinigt um rund 20 Prozent verteuert habe, sagen die Ökonomen der Commerzbank. "Die teurere Energie hat sich aber wahrscheinlich noch nicht auf breiter Front in höheren Preisen für andere Waren und Dienstleistungen niedergeschlagen, außer vielleicht in Ansätzen bei Flugreisen. Dies ist aber wohl nur eine Frage der Zeit." Am Ostermontag, an dem der Börsenhandel feiertagsbedingt hierzulande ruht, steht der ISM-Serviceindex an, der als wichtiger Indikator für die US-Dienstleistungsbranche gilt.
Am Dienstag steht der PMI-Index für Dienstleistungen in Europa und für Deutschland auf dem Programm. Die ansonsten in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten aus Deutschland stammen aus dem Februar und zeichnen somit ein Bild der Lage vor Ausbruch des Krieges. Am Mittwoch werden Zahlen zu den Auftragseingängen der Industrie erwartet, am Donnerstag zu den Exporten und der Produktion.
Bei den Unternehmen herrscht noch die Ruhe vor der nächsten Quartalssaison. Wie sich die höheren Energiepreise auf die Gewinnperspektiven auswirken, werde sich also erst in den kommenden Wochen zeigen, sagt die LBBW.
(Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)