09.03.26
17:46
Reuters
| * Ölpreis grenzt Plus nach Rekordanstieg wieder ein | |
| * | Brent-Preis bei 100 Dollar |
| * | Mögliche Freigabe strategischer Reserven |
| * | Dollar steigt weiter |
| (Neu: Schlusskurse, Wall Street) | |
| Frankfurt, 09. Mrz (Reuters) - Ein Ölpreis-Schock mit | |
| einem historischen Preissprung von zeitweise fast 30 Prozent hat | |
| weltweit die Aktienmärkte erschüttert. Nachdem Modschtaba | |
| Chamenei zum Nachfolger seines getöteten Vaters Ali Chamenei als | |
| neues iranisches geistliches Oberhaupt ernannt worden war, | |
| schwand an den Märkten die Hoffnung auf ein schnelles Ende des | |
| Kriegs im Nahen Osten. Dies trieb die Nordsee-Rohölsorte | |
| Brent(LCOc1) zum Wochenauftakt auf bis zu 119,50 Dollar je Fass. | |
| Der Dax(.GDAXI) rutschte um bis zu 2,8 Prozent unter die Marke | |
| von 23.000 Punkten; der EuroStoxx50(.STOXX50E) brach gut drei | |
| Prozent auf bis zu 5543 Zähler ein. Auch an der Wall Street | |
| startete der Handel tiefrot. | |
Im Handelsverlauf grenzte Brent-Rohöl(LCOc1) den Anstieg auf rund acht Prozent ein und lag zuletzt bei rund 100 Dollar je Fass. Börsianer spekulierten auf eine sinkende Energienachfrage, bei einer ausgebremsten Wirtschaftserholung aufgrund der gestiegenen Energiekosten. Auch der Dax begrenzte das Minus und ging 0,8 Prozent niedriger bei 23.409 Punkten aus dem Handel.
Die Anstieg der Ölpreise setzte nicht nur die Aktienmärkte unter Druck, sondern ließ auch die Anleihemärkte abrutschen. Im Gegenzug zogen die Renditen deutlich an. Investoren wetteten auf eine energiegetriebene Inflation und darauf, dass der nächste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank nach oben gehen könnte, möglicherweise schon im Juni. Das Risiko höherer Kreditkosten ist vor allem in Ländern akut, die auf Energieimporte angewiesen sind.
Angesichts der stark gestiegenen Energiepreise warnten Experten vor den Kosten für die Wirtschaft und Verbraucher. Die entscheidende Frage ist Börsianern zufolge wie lange die Ölpreise auf dem hohen Niveau bleiben, da dies letztlich die wirtschaftlichen Folgen bestimme. "Je länger das so weitergeht, desto exponentieller werden die Schäden – ein Dominoeffekt", sagte Michael Every, Stratege bei der Rabobank. "Wenn wir nächste Woche um diese Zeit immer noch in der gleichen Lage sind, könnte es ziemlich beängstigend werden."
Gewinner der Krise blieb der Dollar(.DXY), der von seiner jüngst zurückgewonnenen Rolle als "sicherer Hafen" profitierte und in der Spitze um 0,7 Prozent auf 99,6950 Punkte stieg. Der Euro(EUR=) fiel im Gegenzug um bis zu 0,9 Prozent auf 1,1508 Dollar.
Seit den Bombenangriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar sind die Preise für Brent um bis zu 65 Prozent und für US-Leichtöl WTI um bis zu 78 Prozent gestiegen. In der Spitze lag der Preis für Brent-Rohöl auf dem höchsten Stand seit 2022. Die Allzeithochs von 147,50 Dollar pro Barrel für Brent und 147,27 Dollar gab es im Juli 2008.
Der saudische Staatskonzern Saudi Aramco hat damit begonnen, die Produktion in zwei seiner Ölfelder zu drosseln, wie aus Kreisen verlautete. Analysten erwarten, dass auch andere Schwergewichte der Opec wie die Vereinigten Arabischen Emirate, der Irak und Kuwait ihre Produktion bald kürzen werden, da ihre Lagerkapazitäten erschöpft sind. Der Krieg hat die Schifffahrt in der Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssigerdgases transportiert wird, praktisch zum Erliegen gebracht. Ein griechisch betriebener Öltanker konnte die Meerenge jedoch mit einer Ladung saudischen Rohöls passieren. Dem Datenanalyseunternehmen Kpler zufolge würde es jedoch selbst bei einer sofortigen Öffnung der Meerenge sechs bis sieben Wochen dauern, bis die Exporte aus der Golfregion wieder ihre volle Kapazität erreichen.
Ein Indikator für die extreme Anspannung am Markt ist der Aufschlag für kurzfristig lieferbares Öl, das deutlich über dem Preis für spätere Lieferungen liegt. Der Aufschlag für Brent-Futures zur sofortigen Lieferung gegenüber Kontrakten mit sechsmonatiger Laufzeit(LCOc1-LCOc7) erreichte mit 24 Dollar je Barrel einen Rekordwert. Dies deutet auf ein knappes Angebot hin. "Alternativen wie das Anzapfen strategischer Ölreserven sind begrenzt und im Vergleich zum potenziellen Ausmaß der Lieferunterbrechung nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) sind bereit, wegen des Nahost-Krieges in die Ölmärkte einzugreifen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, hieß es aus Frankreich.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
09.03.26
17:46
Reuters
Im Handelsverlauf grenzte Brent-Rohöl(LCOc1) den Anstieg auf rund acht Prozent ein und lag zuletzt bei rund 100 Dollar je Fass. Börsianer spekulierten auf eine sinkende Energienachfrage, bei einer ausgebremsten Wirtschaftserholung aufgrund der gestiegenen Energiekosten. Auch der Dax begrenzte das Minus und ging 0,8 Prozent niedriger bei 23.409 Punkten aus dem Handel.
Die Anstieg der Ölpreise setzte nicht nur die Aktienmärkte unter Druck, sondern ließ auch die Anleihemärkte abrutschen. Im Gegenzug zogen die Renditen deutlich an. Investoren wetteten auf eine energiegetriebene Inflation und darauf, dass der nächste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank nach oben gehen könnte, möglicherweise schon im Juni. Das Risiko höherer Kreditkosten ist vor allem in Ländern akut, die auf Energieimporte angewiesen sind.
Angesichts der stark gestiegenen Energiepreise warnten Experten vor den Kosten für die Wirtschaft und Verbraucher. Die entscheidende Frage ist Börsianern zufolge wie lange die Ölpreise auf dem hohen Niveau bleiben, da dies letztlich die wirtschaftlichen Folgen bestimme. "Je länger das so weitergeht, desto exponentieller werden die Schäden – ein Dominoeffekt", sagte Michael Every, Stratege bei der Rabobank. "Wenn wir nächste Woche um diese Zeit immer noch in der gleichen Lage sind, könnte es ziemlich beängstigend werden."
Gewinner der Krise blieb der Dollar(.DXY), der von seiner jüngst zurückgewonnenen Rolle als "sicherer Hafen" profitierte und in der Spitze um 0,7 Prozent auf 99,6950 Punkte stieg. Der Euro(EUR=) fiel im Gegenzug um bis zu 0,9 Prozent auf 1,1508 Dollar.
Seit den Bombenangriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar sind die Preise für Brent um bis zu 65 Prozent und für US-Leichtöl WTI um bis zu 78 Prozent gestiegen. In der Spitze lag der Preis für Brent-Rohöl auf dem höchsten Stand seit 2022. Die Allzeithochs von 147,50 Dollar pro Barrel für Brent und 147,27 Dollar gab es im Juli 2008.
Der saudische Staatskonzern Saudi Aramco hat damit begonnen, die Produktion in zwei seiner Ölfelder zu drosseln, wie aus Kreisen verlautete. Analysten erwarten, dass auch andere Schwergewichte der Opec wie die Vereinigten Arabischen Emirate, der Irak und Kuwait ihre Produktion bald kürzen werden, da ihre Lagerkapazitäten erschöpft sind. Der Krieg hat die Schifffahrt in der Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssigerdgases transportiert wird, praktisch zum Erliegen gebracht. Ein griechisch betriebener Öltanker konnte die Meerenge jedoch mit einer Ladung saudischen Rohöls passieren. Dem Datenanalyseunternehmen Kpler zufolge würde es jedoch selbst bei einer sofortigen Öffnung der Meerenge sechs bis sieben Wochen dauern, bis die Exporte aus der Golfregion wieder ihre volle Kapazität erreichen.
Ein Indikator für die extreme Anspannung am Markt ist der Aufschlag für kurzfristig lieferbares Öl, das deutlich über dem Preis für spätere Lieferungen liegt. Der Aufschlag für Brent-Futures zur sofortigen Lieferung gegenüber Kontrakten mit sechsmonatiger Laufzeit(LCOc1-LCOc7) erreichte mit 24 Dollar je Barrel einen Rekordwert. Dies deutet auf ein knappes Angebot hin. "Alternativen wie das Anzapfen strategischer Ölreserven sind begrenzt und im Vergleich zum potenziellen Ausmaß der Lieferunterbrechung nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) sind bereit, wegen des Nahost-Krieges in die Ölmärkte einzugreifen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, hieß es aus Frankreich.
(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)