03.03.26
17:49
Reuters
| * | Steigende Ölpreise beflügeln Dollar und drücken Euro | |
| * | EU-Inflation bereits im Februar auf Aufwärtskurs | |
| * | Sämtliche Sektoren unter Druck - Schwarzer Tag für | |
| Beiersdorf | ||
(Neu: Xetra-Schlusskurse, Wall Street, Edelmetalle, US-Bonds, Devisen)
| Frankfurt, 03. Mrz (Reuters) - Der sich ausweitende |
| Nahost-Konflikt und Inflationsängste angesichts weiter |
| steigender Energiepreise haben die Börsen am Dienstag einbrechen |
| lassen. Der Dax(.GDAXI) notierte zum Handelsschluss 3,4 Prozent |
| tiefer bei 23.790,65 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) verlor |
| 3,6 Prozent auf 5771,73 Zähler. Die wichtigsten |
| US-Indizes(.DJI)(.SPX)(.IXIC) lagen jeweils rund 1,5 Prozent im |
| Minus. Steil nach unten ging es auch für Gold(XAU=) und |
| Silber(XAG=). Leicht im Minus lag auch der Kurs zehnjähriger |
| US-Staatsanleihen(US10YT=RR), was die Rendite nach oben hievte. |
| "Normalerweise sehen wir in nervösen Marktphasen eine Rotation: |
| Kapital wandert aus risikoreicheren Anlagen wie Aktien in |
| vermeintlich sichere Häfen wie Staatsanleihen oder Gold", |
| kommentierte Salah-Eddine Bouhmidi, Experte vom Broker IG. "Doch |
| heute fehlt genau diese Bewegung. Es geht nicht mehr um relative |
| Attraktivität einzelner Anlageklassen, sondern um absolute |
| Risikoreduktion." |
Experten verwiesen dabei vor allem auf die Angst der Anleger vor einer Ölknappheit infolge der Sperrung der Straße von Hormus. Je länger die strategisch wichtige Meerenge abgeschnitten ist, desto teurer könnte Öl werden. Am Dienstag verteuerten sich die Nordsee-Rohölsorte Brent(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) um bis zu 9,5 Prozent, bevor sie sich bei einem Plus von rund 6,5 Prozent einpendelten. Mit 82,88 und 75,90 Dollar je Fass (159 Liter) lagen die Preise auf dem höchsten Stand seit Juli und Januar 2025. Dies trieb den Dollar-Index(.DXY) um knapp ein Prozent auf ein Anderthalb-Monats-Hoch, während der Euro(EUR=) in etwa genauso viel auf ein Drei-Monats-Tief sank. Händler verwiesen darauf, dass Europa und Japan als große Energieimporteure stärker von den gestiegenen Ölpreisen betroffen seien als die USA.
Die Ausweitung des Konflikts ließ auch die Gaspreise sprunghaft steigen: Der europäische Future(TRNLTTFMc1) schoss in der Spitze mehr als 50 Prozent auf 65,50 Euro je Megawattstunde. Zuletzt lag er gut 20 Prozent im Plus bei 52,25 Euro. Zum Wochenauftakt hatte der Preis bereits um rund ein Drittel zugelegt. "Dieser Anstieg, ausgelöst durch knappe Lager und den LNG-Stopp Katars, weckt böse Erinnerungen an die Preissteigerungen des Jahres 2022", sagte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Anleger blickten auch auf die Entwicklung der Inflation im Euroraum. Überraschend sind die Preise bereits vor dem Nahost-Krieg angezogen und nähren damit die hochgekochten Inflationssorgen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Februar um durchschnittlich 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Experten hatten für Februar mit einer Stabilisierung auf 1,7 Prozent gerechnet.
Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation über einen Anstieg der Energiepreise anheizen. Das könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken, sagte der Ire der "Financial Times". Die deutsche Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte unterdessen vor einem neuen Energieschock für Deutschland durch die Eskalation im Nahen Osten.
Der Abwärtssog an den Märkten erfasste sämtliche Sektoren. Angeführt wurden die Verluste von den Finanzwerten. Der wichtigste europäische Bankenindex(.SX7E) rutschte um 4,2 Prozent ab. Vor allem britische Kreditinstitute gerieten unter die Räder, da Börsianer davon ausgingen, dass sie stärker von Risiken im Nahen Osten betroffen sind. Mehr als vier Prozent verlor auch der Versicherungssektor(.SXIP). Selbst der Energiesektor(.SXENP) blieb trotz der gestiegenen Preise nicht verschont und gab 2,4 Prozent nach. Höhere Preise sind zwar ein Gewinnbringer, können in einem risikoscheuen Umfeld aber auch die Nachfrage abwürgen.
Unter Druck blieb auch der Reisesektor. Lufthansa(LHAG.DE)-Aktien gaben erneut mehr als vier Prozent nach. Bei den Einzelwerten ließ ein verhaltener Ausblick die Aktien des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf(BEIG.DE) einbrechen. Mit einem Minus von gut 20 Prozent verzeichnete die Aktie des Nivea-Herstellers den bislang größten Tagesverlust.
(Bericht von Sanne Schimanski und Stefanie Geiger. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)
03.03.26
17:49
Reuters
Frankfurt, 03. Mrz (Reuters) - Der sich ausweitende Nahost-Konflikt und Inflationsängste angesichts weiter steigender Energiepreise haben die Börsen am Dienstag einbrechen lassen. Der Dax(.GDAXI) notierte zum Handelsschluss 3,4 Prozent tiefer bei 23.790,65 Punkten. Der EuroStoxx50(.STOXX50E) verlor 3,6 Prozent auf 5771,73 Zähler. Die wichtigsten US-Indizes(.DJI)(.SPX)(.IXIC) lagen jeweils rund 1,5 Prozent im Minus. Steil nach unten ging es auch für Gold(XAU=) und Silber(XAG=). Leicht im Minus lag auch der Kurs zehnjähriger US-Staatsanleihen(US10YT=RR), was die Rendite nach oben hievte. "Normalerweise sehen wir in nervösen Marktphasen eine Rotation: Kapital wandert aus risikoreicheren Anlagen wie Aktien in vermeintlich sichere Häfen wie Staatsanleihen oder Gold", kommentierte Salah-Eddine Bouhmidi, Experte vom Broker IG. "Doch heute fehlt genau diese Bewegung. Es geht nicht mehr um relative Attraktivität einzelner Anlageklassen, sondern um absolute Risikoreduktion."
Experten verwiesen dabei vor allem auf die Angst der Anleger vor einer Ölknappheit infolge der Sperrung der Straße von Hormus. Je länger die strategisch wichtige Meerenge abgeschnitten ist, desto teurer könnte Öl werden. Am Dienstag verteuerten sich die Nordsee-Rohölsorte Brent(LCOc1) und US-Leichtöl WTI(CLc1) um bis zu 9,5 Prozent, bevor sie sich bei einem Plus von rund 6,5 Prozent einpendelten. Mit 82,88 und 75,90 Dollar je Fass (159 Liter) lagen die Preise auf dem höchsten Stand seit Juli und Januar 2025. Dies trieb den Dollar-Index(.DXY) um knapp ein Prozent auf ein Anderthalb-Monats-Hoch, während der Euro(EUR=) in etwa genauso viel auf ein Drei-Monats-Tief sank. Händler verwiesen darauf, dass Europa und Japan als große Energieimporteure stärker von den gestiegenen Ölpreisen betroffen seien als die USA.
EU-INFLATION BEREITS IM FEBRUAR AUF AUFWÄRTSKURS
Die Ausweitung des Konflikts ließ auch die Gaspreise sprunghaft steigen: Der europäische Future(TRNLTTFMc1) schoss in der Spitze mehr als 50 Prozent auf 65,50 Euro je Megawattstunde. Zuletzt lag er gut 20 Prozent im Plus bei 52,25 Euro. Zum Wochenauftakt hatte der Preis bereits um rund ein Drittel zugelegt. "Dieser Anstieg, ausgelöst durch knappe Lager und den LNG-Stopp Katars, weckt böse Erinnerungen an die Preissteigerungen des Jahres 2022", sagte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Anleger blickten auch auf die Entwicklung der Inflation im Euroraum. Überraschend sind die Preise bereits vor dem Nahost-Krieg angezogen und nähren damit die hochgekochten Inflationssorgen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Februar um durchschnittlich 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Experten hatten für Februar mit einer Stabilisierung auf 1,7 Prozent gerechnet.
SÄMTLICHE SEKTOREN UNTER DRUCK
Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation über einen Anstieg der Energiepreise anheizen. Das könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken, sagte der Ire der "Financial Times". Die deutsche Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte unterdessen vor einem neuen Energieschock für Deutschland durch die Eskalation im Nahen Osten.
Der Abwärtssog an den Märkten erfasste sämtliche Sektoren. Angeführt wurden die Verluste von den Finanzwerten. Der wichtigste europäische Bankenindex(.SX7E) rutschte um 4,2 Prozent ab. Vor allem britische Kreditinstitute gerieten unter die Räder, da Börsianer davon ausgingen, dass sie stärker von Risiken im Nahen Osten betroffen sind. Mehr als vier Prozent verlor auch der Versicherungssektor(.SXIP). Selbst der Energiesektor(.SXENP) blieb trotz der gestiegenen Preise nicht verschont und gab 2,4 Prozent nach. Höhere Preise sind zwar ein Gewinnbringer, können in einem risikoscheuen Umfeld aber auch die Nachfrage abwürgen.
Unter Druck blieb auch der Reisesektor. Lufthansa(LHAG.DE)-Aktien gaben erneut mehr als vier Prozent nach. Bei den Einzelwerten ließ ein verhaltener Ausblick die Aktien des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf(BEIG.DE) einbrechen. Mit einem Minus von gut 20 Prozent verzeichnete die Aktie des Nivea-Herstellers den bislang größten Tagesverlust.
(Bericht von Sanne Schimanski und Stefanie Geiger. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte))