12.02.26
22:09
Reuters
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Chip-Lieferengpässe setzen Oracle und PC-Hersteller unter Druck
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Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe höher als erwartet
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| Reiseportal Tripadvisor nach Zahlen auf Rekordtief |
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| Clog-Anbieter Crocs mit Kursfeuerwerk |
| (Neu: Schlusskurse) |
| Frankfurt, 12. Feb (Reuters) - Sorgen vor einer |
| Umwälzung ganzer Branchen durch Künstliche Intelligenz (KI) |
| haben die Wall Street am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. |
| Anleger verkauften vor allem Technologie- und Transportwerte und |
| flüchteten in defensivere Sektoren wie Versorger und Immobilien. |
| Der Dow-Jones-Index(.DJI) der Standardwerte schloss 1,3 Prozent |
| im Minus bei 49.451 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 |
| verlor 1,6 Prozent auf 6832 Zähler. Der Index der |
| Technologiebörse Nasdaq(.IXIC) sackte um zwei Prozent auf 22.597 |
| Punkte ab. |
"Am Markt dreht sich derzeit vieles um die Frage, welche Branchen ihre Produktivität durch Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) steigern können - und welche durch KI unter Druck geraten dürften", sagte Jack Herr, Chefanalyst bei der Investmentfondsgesellschaft GuideStone. "Wir sehen dies als ein 'Beweisjahr' für KI. Es muss sich zeigen, dass die Investitionen auch Rendite abwerfen."
| Besonders unter Druck gerieten Transport- und |
| Logistikwerte wie C.H. Robinson, Landstar und Expeditors. Einem |
| Bericht des Senders CNBC zufolge macht ein neues Werkzeug einer |
| KI-Firma die Branche anfällig für Disruption. Auch die Kurse der |
| Technologieriesen Apple(AAPL.O), Nvidia(NVDA.O) und |
| Amazon.com(AMZN.O) gaben nach. Die Aktien des |
| US-Netzwerkausrüsters Cisco(CSCO.O) büßten 12,3 Prozent ein, |
| nachdem die Bruttomarge die Erwartungen verfehlte. Gegen den |
| Trend stemmten sich die Papiere des Rechenzentrum-Betreibers |
| Equinix(EQIX.O) die nach einer optimistischen Umsatzprognose |
| dank hoher KI-Nachfrage zulegte. |
Speicherchip-Lieferengpässe belasteten auch die PC-Hersteller. Die US-Konzerne Dell(DELL.N) und HP(HPQ.N) büßten rund neun beziehungsweise knapp fünf Prozent ein, nachdem der chinesische Rivale Lenovo(0992.HK) angesichts des sich verschärfenden Mangels vor Lieferproblemen bei PCs gewarnt hatte.
Die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt lieferten keine klaren Impulse, während Anleger auf den am Freitag erwarteten Inflationsbericht warteten. Die Anzahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe lag in der Vorwoche bei 227.000 und damit über der durchschnittlichen Expertenprognose von 222.000. Dies schürte zeitweise neue Hoffnungen auf baldige weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed, die versucht, mit straffer Geldpolitik die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Am Mittwoch hatten die US-Börsen leicht nachgegeben, nachdem der offizielle Bericht des Arbeitsministeriums für Januar überraschend stark ausgefallen war.
Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets, mahnte zur Vorsicht. Mit den Zahlen vom Donnerstag "setzt sich der Abwärtstrend am US-Arbeitsmarkt fort", sagte der Experte. "Für Zinssenkungsfantasien ist allerdings noch kein Platz. Erst wenn sich weitere konjunkturelle Abschwächungstendenzen in den USA zeigen, sollte dieses Thema wieder akut werden." Die Strategen von UBS Global Wealth Management zeigten sich hingegen gelassen: "Trotz der starken Zahlen dürfte eine in den kommenden Monaten nachlassende Inflation die Fed dazu veranlassen, ihren Lockerungskurs fortzusetzen."
Für Gesprächsstoff bei den Einzelwerten außerhalb des Technologiesektors sorgte unter anderem Tripadvisor(TRIP.O). Die Titel des Online-Reiseportals brachen um bis zu 19,4 Prozent ein und waren mit 9,80 Dollar zeitweise so billig wie nie. Tripadvisor verfehlte im vierten Quartal die Gewinn-Erwartungen der Analysten. Unter den Prognosen lag auch der Umsatz. Das Unternehmen befindet sich derzeit in einer kostspieligen Transformation: Es investiert massiv in sein Wachstumsgeschäft mit Touren und Aktivitäten, während das Kerngeschäft mit Hotelbuchungen schneller schrumpft als erwartet.
Steil nach oben ging es hingegen bei Clogs-Anbieter Crocs(CROX.O). Die Titel des zuletzt schwächelnden US-Freizeitschuhherstellers legten nach überraschend starken Geschäftszahlen und einer optimistischen Prognose um mehr 19 Prozent zu.
(Bericht von Sanne Schimanski und Isabelle Noack. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)
12.02.26
22:09
Reuters
Frankfurt, 12. Feb (Reuters) - Sorgen vor einer Umwälzung ganzer Branchen durch Künstliche Intelligenz (KI) haben die Wall Street am Donnerstag auf Talfahrt geschickt. Anleger verkauften vor allem Technologie- und Transportwerte und flüchteten in defensivere Sektoren wie Versorger und Immobilien. Der Dow-Jones-Index(.DJI) der Standardwerte schloss 1,3 Prozent im Minus bei 49.451 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,6 Prozent auf 6832 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq(.IXIC) sackte um zwei Prozent auf 22.597 Punkte ab.
"Am Markt dreht sich derzeit vieles um die Frage, welche Branchen ihre Produktivität durch Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) steigern können - und welche durch KI unter Druck geraten dürften", sagte Jack Herr, Chefanalyst bei der Investmentfondsgesellschaft GuideStone. "Wir sehen dies als ein 'Beweisjahr' für KI. Es muss sich zeigen, dass die Investitionen auch Rendite abwerfen."
Besonders unter Druck gerieten Transport- und Logistikwerte wie C.H. Robinson, Landstar und Expeditors. Einem Bericht des Senders CNBC zufolge macht ein neues Werkzeug einer KI-Firma die Branche anfällig für Disruption. Auch die Kurse der Technologieriesen Apple(AAPL.O), Nvidia(NVDA.O) und Amazon.com(AMZN.O) gaben nach. Die Aktien des US-Netzwerkausrüsters Cisco(CSCO.O) büßten 12,3 Prozent ein, nachdem die Bruttomarge die Erwartungen verfehlte. Gegen den Trend stemmten sich die Papiere des Rechenzentrum-Betreibers Equinix(EQIX.O) die nach einer optimistischen Umsatzprognose dank hoher KI-Nachfrage zulegte.
Speicherchip-Lieferengpässe belasteten auch die PC-Hersteller. Die US-Konzerne Dell(DELL.N) und HP(HPQ.N) büßten rund neun beziehungsweise knapp fünf Prozent ein, nachdem der chinesische Rivale Lenovo(0992.HK) angesichts des sich verschärfenden Mangels vor Lieferproblemen bei PCs gewarnt hatte.
Die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt lieferten keine klaren Impulse, während Anleger auf den am Freitag erwarteten Inflationsbericht warteten. Die Anzahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe lag in der Vorwoche bei 227.000 und damit über der durchschnittlichen Expertenprognose von 222.000. Dies schürte zeitweise neue Hoffnungen auf baldige weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed, die versucht, mit straffer Geldpolitik die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Am Mittwoch hatten die US-Börsen leicht nachgegeben, nachdem der offizielle Bericht des Arbeitsministeriums für Januar überraschend stark ausgefallen war.
Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets, mahnte zur Vorsicht. Mit den Zahlen vom Donnerstag "setzt sich der Abwärtstrend am US-Arbeitsmarkt fort", sagte der Experte. "Für Zinssenkungsfantasien ist allerdings noch kein Platz. Erst wenn sich weitere konjunkturelle Abschwächungstendenzen in den USA zeigen, sollte dieses Thema wieder akut werden." Die Strategen von UBS Global Wealth Management zeigten sich hingegen gelassen: "Trotz der starken Zahlen dürfte eine in den kommenden Monaten nachlassende Inflation die Fed dazu veranlassen, ihren Lockerungskurs fortzusetzen."
Für Gesprächsstoff bei den Einzelwerten außerhalb des Technologiesektors sorgte unter anderem Tripadvisor(TRIP.O). Die Titel des Online-Reiseportals brachen um bis zu 19,4 Prozent ein und waren mit 9,80 Dollar zeitweise so billig wie nie. Tripadvisor verfehlte im vierten Quartal die Gewinn-Erwartungen der Analysten. Unter den Prognosen lag auch der Umsatz. Das Unternehmen befindet sich derzeit in einer kostspieligen Transformation: Es investiert massiv in sein Wachstumsgeschäft mit Touren und Aktivitäten, während das Kerngeschäft mit Hotelbuchungen schneller schrumpft als erwartet.
Steil nach oben ging es hingegen bei Clogs-Anbieter Crocs(CROX.O). Die Titel des zuletzt schwächelnden US-Freizeitschuhherstellers legten nach überraschend starken Geschäftszahlen und einer optimistischen Prognose um mehr 19 Prozent zu.
(Bericht von Sanne Schimanski und Isabelle Noack. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)