08.02.26
14:18
Reuters
Tokio, 08. Feb (Reuters) - Die schwankungsanfälligen japanischen Finanzmärkte können sich nach dem deutlichen Wahlsieg von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am Sonntag auf deren gefestigte Machtposition einstellen. Der Erfolg verschafft ihr ein Mandat zur Ankurbelung der Wirtschaft. Für Investoren stellt sich nun die Frage, ob Takaichis Wahlerfolg sie dazu veranlassen wird, ihre Konjunkturpläne auszuweiten oder ob er ihr ein vorsichtigeres Vorgehen ermöglicht.
Seit ihrem Aufstieg zur ersten Regierungschefin des Landes im Oktober hat der "Takaichi-Trade" die japanischen Aktien auf Rekordhöhen getrieben, gleichzeitig gerieten japanische Staatsanleihen und der Yen unter Druck. "Die Börse setzt voll auf Takaichi, daher ist ihr Erdrutschsieg ein gutes Signal für den Aktienmarkt zum Handelsstart am Montag", sagte Chris Scicluna von Daiwa Capital Markets in London. Ähnlich sah es Naoya Hasegawa von Okasan Securities: Der massive Sieg Takaichis bedeute, dass der "Takaichi-Trade" wiederaufleben werde. Takaichi gilt als Anhängerin der "Abenomics"-Politik des verstorbenen Premierministers Shinzo Abe und hat eine aktive, größtenteils durch Anleihen finanzierte Finanzpolitik versprochen.
Sie hatte ihr Amt angetreten, als sich die Popularität und Macht ihrer Liberaldemokratischen Partei (LDP) im Keller war. Das zwang sie zunächst dazu, mit der Opposition zu verhandeln, die teils noch ausgabenfreudigere Programme forderte. "Das Fundament der Regierung wird viel stabiler werden", sagte Kota Suzuki, Stratege bei Nomura Asset Management. Da keine Notwendigkeit mehr bestehe, aktiv die Zusammenarbeit mit der Opposition zu suchen, werde der Druck zu teuren Verteilungsgeschenken nachlassen.
Angesichts der guten Umfragewerte hatte der Leitindex Nikkei(.N225) bereits in der vergangenen Woche ein Allzeithoch von 54.783 Punkten markiert. Zu den Gewinnern zählten zuletzt Sektoren, die Takaichi für gezielte Investitionen auserkoren hat, wie Verteidigung, Künstliche Intelligenz und Halbleiter. Die Aussicht auf höhere Staatsausgaben hatte jedoch Investoren verunsichert, die sich um Japans Schuldenlast sorgen. Diese Ängste spitzten sich am 20. Januar zu, als die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGB) auf Mehrjahreshochs schossen, nachdem Takaichi Neuwahlen ausgerufen und eine Aussetzung der Steuer auf Lebensmittel ins Spiel gebracht hatte.
Auch der Yen geriet unter die Räder und verlor seit Oktober rund sechs Prozent zum Dollar. Shigeto Nagai von Oxford Economics geht davon aus, dass Takaichi weiterhin einen "delikaten Balanceakt" zwischen aktiver Finanzpolitik und Haushaltsdisziplin vollziehen wird. Sie sei zwar entschlossen, den durch die Inflation entstandenen fiskalischen Spielraum zu nutzen, sorge sich aber auch ernsthaft über einen weiteren Anstieg der Renditen.
(Bericht von Rocky Swift, Satoshi Sugiyama, Kevin Buckland und Junko Fujita in Tokio und Rae Wee in Singapur, geschrieben von Myria Mildenberger, redigiert von Christian Krämer. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
08.02.26
14:18
Reuters
Tokio, 08. Feb (Reuters) - Die schwankungsanfälligen japanischen Finanzmärkte können sich nach dem deutlichen Wahlsieg von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am Sonntag auf deren gefestigte Machtposition einstellen. Der Erfolg verschafft ihr ein Mandat zur Ankurbelung der Wirtschaft. Für Investoren stellt sich nun die Frage, ob Takaichis Wahlerfolg sie dazu veranlassen wird, ihre Konjunkturpläne auszuweiten oder ob er ihr ein vorsichtigeres Vorgehen ermöglicht.
Seit ihrem Aufstieg zur ersten Regierungschefin des Landes im Oktober hat der "Takaichi-Trade" die japanischen Aktien auf Rekordhöhen getrieben, gleichzeitig gerieten japanische Staatsanleihen und der Yen unter Druck. "Die Börse setzt voll auf Takaichi, daher ist ihr Erdrutschsieg ein gutes Signal für den Aktienmarkt zum Handelsstart am Montag", sagte Chris Scicluna von Daiwa Capital Markets in London. Ähnlich sah es Naoya Hasegawa von Okasan Securities: Der massive Sieg Takaichis bedeute, dass der "Takaichi-Trade" wiederaufleben werde. Takaichi gilt als Anhängerin der "Abenomics"-Politik des verstorbenen Premierministers Shinzo Abe und hat eine aktive, größtenteils durch Anleihen finanzierte Finanzpolitik versprochen.
Sie hatte ihr Amt angetreten, als sich die Popularität und Macht ihrer Liberaldemokratischen Partei (LDP) im Keller war. Das zwang sie zunächst dazu, mit der Opposition zu verhandeln, die teils noch ausgabenfreudigere Programme forderte. "Das Fundament der Regierung wird viel stabiler werden", sagte Kota Suzuki, Stratege bei Nomura Asset Management. Da keine Notwendigkeit mehr bestehe, aktiv die Zusammenarbeit mit der Opposition zu suchen, werde der Druck zu teuren Verteilungsgeschenken nachlassen.
Angesichts der guten Umfragewerte hatte der Leitindex Nikkei(.N225) bereits in der vergangenen Woche ein Allzeithoch von 54.783 Punkten markiert. Zu den Gewinnern zählten zuletzt Sektoren, die Takaichi für gezielte Investitionen auserkoren hat, wie Verteidigung, Künstliche Intelligenz und Halbleiter. Die Aussicht auf höhere Staatsausgaben hatte jedoch Investoren verunsichert, die sich um Japans Schuldenlast sorgen. Diese Ängste spitzten sich am 20. Januar zu, als die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGB) auf Mehrjahreshochs schossen, nachdem Takaichi Neuwahlen ausgerufen und eine Aussetzung der Steuer auf Lebensmittel ins Spiel gebracht hatte.
Auch der Yen geriet unter die Räder und verlor seit Oktober rund sechs Prozent zum Dollar. Shigeto Nagai von Oxford Economics geht davon aus, dass Takaichi weiterhin einen "delikaten Balanceakt" zwischen aktiver Finanzpolitik und Haushaltsdisziplin vollziehen wird. Sie sei zwar entschlossen, den durch die Inflation entstandenen fiskalischen Spielraum zu nutzen, sorge sich aber auch ernsthaft über einen weiteren Anstieg der Renditen.
(Bericht von Rocky Swift, Satoshi Sugiyama, Kevin Buckland und Junko Fujita in Tokio und Rae Wee in Singapur, geschrieben von Myria Mildenberger, redigiert von Christian Krämer. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)