„Amerika hat keine Freunde, nur Geschäftsinteressen“
Dieses Zitat des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger beherzigt Donald Trump jeden Tag. Er nutzt die wirtschaftliche und militärische Macht Amerikas, um geopolitische und -ökonomische Interessen der USA knallhart durchzusetzen.
Dass seine verhängten Importzölle die US-Wirtschaft bislang weniger belasten als erwartet und spürbare offizielle Verbraucherpreissteigerungen ausbleiben, bestärkt ihn noch in seiner harten Linie.
Nach Venezuela macht er nun in der Grönland-Frage Ernst, allerdings wieder nach seiner bekannten TACO-Manier: Trump always chickens out. Zwar wird er Grönland nicht dem Staatsgebiet der USA einverleiben können. Doch wird ihm das geplante Rahmenabkommen weitere Militärbasen und den Raketenschutzschirm „Golden Dome“ erlauben. Zudem kann Amerika russische und chinesische Engagements auf der Arktisinsel verhindern. Trotz aller berechtigten Kritik an Trumps Stil: mit Blick auf die brutalen Expansionsbestrebungen der anderen Großmächte hat Trump hier einen Punkt.
Mit dem Aufbau von massivem Druck hat er am Ende seine Ziele weitgehend erreicht, obwohl er von seiner ultraharten Linie Abstand genommen hat.
Auch Europa kann einstweilen zufrieden sein. Es kann zunächst das Narrativ nähren, dass seine Androhungen von Gegensanktionen, die auch die amerikanische Social Media-Giganten getroffen hätten, zur Beschwichtigung beigetragen haben. Ein Zerwürfnis der NATO wurde ebenso verhindert, auch weil sich die europäischen Verbündeten zu einem stärkeren Engagement in der gesamten Arktis verpflichten. Und dass russische und chinesische Aktivitäten in der Nordpolarregion kräftig entgegengewirkt werden, ist auch von großem Vorteil. Zudem wird Europa mittelfristig Zugang zu seltenen Erden aus Grönland haben und so seine Abhängigkeit von China reduzieren.
Ganz wichtig ist aber, dass die Zusatzzölle i.H.v. 10 Prozent ab dem 1. Februar und 25 Prozent ab dem 1. Juni für EU-Länder, die sich den US-Forderungen nach „Erwerb“ Grönlands widersetzten, offensichtlich vom Tisch sind.
Doch wird die Katze im Weißen Haus das Mausen nicht sein lassen, siehe der von Trump geplante und ihm unterstellte Friedensrat. Daher kann sich Europa nicht entspannt zurücklehnen. Es muss endlich selbst geopolitisches Gewicht auf die Waage bringen. Leider ist die EU hier aber auf einem schlechten Weg. Das noch vor kurzem von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen so hochgelobte Mercosur-Abkommen mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay wurde vom EU-Parlament zur Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof verwiesen. Nach den mittlerweile unfassbar langen 25 Verhandlungsjahren wird sich die Umsetzung noch weiter verzögern. Die EU ist oft kein Interessenverband, sondern wird von Einzelinteressen - wie jetzt von Frankreich -ausgebremst.
Und weiter: Die EU sollte eine 180°-Wende ihres staatswirtschaftlichen Kurses zugunsten der Marktwirtschaft vollziehen, würde auf Wachstum auch mehr internationales Gewicht folgen. Dies ist aktuell jedoch nur Zukunftsmusik, die weder gespielt noch gehört wird.
Im geopolitischen Wettbewerb schießt Europa noch zu viele Eigentore. Europa muss wissen: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!
Marktlage - Glück im Grönland-Unglück
Doch einstweilen zeichnen sich jetzt eine für alle Seiten positive Lösung ab.
Nach zwischenzeitlichen Rekordhochs reagieren Gold und Silber auf die geopolitischen Entspannungssignale zunächst mit einer leichten Konsolidierung. Aufgrund von weltweiter Überschuldung und Inflationsarroganz muss man sich über Edelmetalle aber keine Sorgen machen.
Die zollbefreiten Aktienmärkte reagieren naturgemäß erfreut, auch weil weitere transatlantische Spannungen zunächst ausbleiben. Auch hier zeigt sich der Taco-Trade weiter verlässlich. Schließlich haben Negativreaktionen an den Finanzmärkten den US-Präsidenten bislang durchaus beeindruckt und dazu geführt, dass er seine Ankündigungen nicht in voller Härte durchsetzt.
Grafik der Woche

Die erwartete Zinssenkungspause der Fed in der kommenden Woche ist sicherlich kein Aktientreiber. Doch würde die US-Notenbank einer Sell America-Offensive am Rentenmarkt entgegenwirken. China hat sein Engagement in US-Anleihen bereits deutlich heruntergefahren, so dass diesbezüglich keine große Gefahr mehr droht. Überhaupt handeln die großen Anleihegläubiger nicht als „Moralapostel“, sondern als kalt analysierende Anleger, denen es um Rendite, nicht um ethische Empfindlichkeiten geht.
Gleiches gilt für ihr Engagements in US-Aktien.
Die kommende Woche für Big Tech anlaufende Berichtssaison wird zur Bewährungsprobe für deren Aktienstimmung. Es kommt insbesondere auf die Ausblicke an. Der Fokus liegt auf der Frage der Wirtschaftlichkeit angesichts des Wettrüstens bei KI-Rechenzentren. Ebenso blicken die Anleger auf die Entwicklungen bei Digitalwerbung und Cloud.
Grundsätzlich verfügen die „Magnificent 7“ über intakte Geschäftsmodelle. Nach abgeschlossener Neubewertung dürfte die KI-Fantasie wieder für bessere Aktien-Laune sorgen.
Über europäischen Aktien schwebt aktuell das Damoklesschwert von Zöllen. Insofern sollte auch die jüngste Aufhellung der ZEW Konjunkturerwartungen auf den höchsten Stand seit Juli 2021 nicht zu positiv eingeschätzt werden, zumal die Bundesregierung ihre Wachstumseinschätzung für dieses Jahr auf 1,3 nach einem Prozent gesenkt hat. Allerdings stellen sich Unternehmen bereits seit langer Zeit auf das Zollthema ein. Es werden verstärkt Investitionen in den USA angestrebt.
Käme es hart auf hart, wird auch die EZB ihre Zinsen zur Konjunkturstabilisierung weiter senken, mit positivem Niederschlag auf Aktien.

In China zeigt der fortschreitende Investitionseinbruch, dass selbst die für chinesische Verhältnisse verhaltenen Wachstumszahlen von 4,5 Prozent im Schlussquartal 2025 mit großer Vorsicht zu genießen sind. Peking ist gezwungen, auf die zunehmende Eintrübung mit deutlich mehr Konjunkturmaßnahmen zu reagieren.
Insgesamt ist Verkaufs-Panik nicht auszumachen. Schließlich verleiht auch der bislang insgesamt freundliche Verlauf der Berichtssaison den Börsen Stabilität. Es fehlen die Argumente für eine fundamentale Aktien-Schwäche.
Sentiment und Charttechnik DAX - Konsolidierungen als Kaufgelegenheit
Die Börsenpsychologie zeigten sich von den Schlagzeilen in puncto Grönland beeindruckt und Anleger hielten sich an der Seitenlinie auf.
Bislang hatten sich die optimistischen Anleger für steigende Kurse positioniert. Unter Privatanlegern überwog zuletzt der Anteil der Optimisten jenen der Pessimisten deutlich, was als Kontraindikator vorübergehende Kursrücksetzer signalisierte, die mit Trumps Darbietungen auch ausgelöst wurden.

Aufgrund anhaltender Eskapaden aus dem Weißen Haus wird sich die aktuell erhöhte Volatilität zunächst fortsetzen. Immerhin sind Schwankungen ein gutes Argument für regelmäßiges Aktiensparen in Einzeltiteln oder breitere Anlagevehikel.
Nachhaltige Kurseinbrüche oder ein Crash sind jedoch nicht zu erwarten. Es wird weiter miteinander gesprochen. Im Übrigen hat sich selbst der Liberation Day im April 2025 im Nachhinein als wunderbare Kaufgelegenheit herausgestellt.
Charttechnisch liegen auf dem Weg nach oben die nächsten Widerstände bei 24.911, 24.945, 25.200 und 25.335 Punkten. Kommt es zu einer Gegenbewegung, warten bei 24.720, 24.695, 24.479 und 24.350 Punkten Unterstützungen.




