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Dabei sprechen die geo- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, vor allem die aktuellen „Darbietungen“ des US-Präsidenten nicht unbedingt dafür. Was sind die Hintergründe für die gute Jahresanfangs-Stimmung? Welches weitere Potenzial bieten die Börsen, je nach Region und Branche? Und wie sollten sich die Anleger in der „Neuen Weltordnung“ positionieren?
Der Markt unter der Lupe
Der Markt unter der Lupe
16.01.2607:34
Der Markt unter der Lupe
Von Robert Halver

Die Weltkonjunktur will nach oben

Gemäß der vom Analyse-Institut Sentix ermittelten Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate ist eine weltweite Stabilisierung abzulesen. Auch die Stimmung in der Industrie und bei Dienstleistern Chinas zeigt sich robuster.

Grafik 1: Sentix Sentiment Konjunkturerwartungen für die kommenden 6 Monate

Die anziehenden Industrieaufträge aus Europa sowie aufgrund der Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben auch aus dem Inland lassen selbst die reform-renitente deutsche Wirtschaft wieder Fuß fassen. Und trotz US-Handelshemmnissen und zunehmender Konkurrenz vom „Export-Systemrivalen“ China wird die zyklische deutsche Exportwirtschaft zukünftig dennoch von der aufstrebenden Weltwirtschaft profitieren.

Grafik 2: Index Auftragsvolumen Industrie Deutschland

Auch die USA vermitteln ein stabiles Konjunkturbild. Der ISM Dienstleistungsindex erreichte mit stark steigender Produktion, Beschäftigung und Neuaufträgen den höchsten Stand seit 14 Monaten. Damit wird die anhaltende Schwäche in der US-Industrie überkompensiert, deren angekündigte Renaissance noch auf sich warten lässt.

Grafik 3: ISM Subindex Neuaufträge Verarbeitendes und Dienstleistungsgewerbe

Das erklärt auch die Ermüdungserscheinungen am US-Arbeitsmarkt. Der jüngste Stellenaufbau im Privatsektor fiel enttäuschend aus, während die beiden Vormonate um 76 Tausend Stellen herabrevidiert wurden. Ohnehin beschränkt sich der Stellenaufbau hauptsächlich auf drei Sektoren: Private Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen, Freizeit- und Gastgewerbe sowie den Staat.

Immerhin, wegen üppiger Staatsausgaben, die vor allem der Zukunftsfähigkeit des Standorts zugutekommen, wird sich die amerikanische Konjunkturentwicklung festigen.

Der Reiz der Woche: Neue Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank

Die offiziell unveränderte Inflationsrate von 2,7 Prozent liefert Argumente für weitere Zinssenkungen. Offensichtlich entfalten die Zölle bislang nicht die befürchteten unmittelbaren Preisauswirkungen. Sinkende Energiekosten, nachlassende Mietsteigerungen und ein schwächeres Lohnwachstum bieten auch zukünftig desinflationierenden Spielraum.

Und je mehr die Fed ihre Leitzinsen senkt, desto mehr wird der kreditabhängigen amerikanischen Wirtschaft unter die Arme gegriffen.

Ohnehin unternimmt Trump alles, um Zinssenkungseinfluss auf die US-Geldpolitik zu nehmen. Nach seinem jüngsten Einschüchterungsversuch in Form der gerichtlichen Vorladung von US-Notenbankchef Powell wird Trump auch die für den 21. Januar vor dem Obersten Gerichtshof der USA (Supreme Court) angesetzte Verhandlung über den Antrag auf Entlassung von Fed-Mitglied Lisa Cook für weitere Einflussnahme nutzen.

Trumps Ziel ist es, den Gouverneursrat der Fed mit möglichst zinssenkungsfreudigen Mitgliedern zu besetzen. Da dieses Gremium im Februar 2026 auch über die Besetzung der regionalen Notenbankchefs entscheidet, könnte das zwölfköpfige Entscheidungsgremium der Fed (Federal Open Market Committee) nachhaltig Kurs auf geldpolitische Lockerung nehmen.

Ab Mai wird die Fed ohnehin von einem neuen Vorsitzenden geführt. Trumps derzeitiger Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats Kevin Hassett gilt dabei als Favorit. Kein Wunder, er ist eine absolute Zins-Taube.

Das gilt auch vor dem Hintergrund, dass amerikanische Wachstumschancen auch Renditepotenziale bedeuten. Hätte Deutschland diese Wachstumsraten, würde man in Berlin von Wirtschaftswunder sprechen.

Marktlage - Auch die neue Weltordnung ändert nichts an der Attraktivität von Aktien

Trotz Brennpunkten - Unabhängigkeitskampf der US-Notenbank, Venezuela, mögliche US-Repressionen gegen den Iran, Grönland - lassen sich die weltweiten Aktienmärkte nicht irritieren. Die (stabilitäts-)moralische Beurteilung überlassen die Börsen anderen. Sie sehen die Rahmendaten nüchterner, immer orientiert darauf, was sie für die Entwicklung von Kursen und Renditen bedeuten. Grundsätzlich ist die Unabhängigkeit der Fed als wichtigste Finanzinstitution der Welt ein hohes Gut. Dennoch werden sich die Irritationen an den Finanzmärkten in Grenzen halten. Zinssenkungen und die geldpolitische Dauerverhinderung von Schuldenkrisen werden trotz allem die Alternativattraktivität von Sachkapital in Form von Aktien stärken und so schädliche Revolutionen an den US-Finanzmärkten verhindern. Und die Aussicht auf längerfristige, bessere Verfügbarkeit von (seltenen) Rohstoffen aus bisherigen Krisenregionen spielen dabei ebenfalls eine große positive Rolle.

Aufgrund von weltwirtschaftlichem und geldpolitischem Tauwetter verzeichnen vor allem konjunkturzyklische Substanzwerte aus der zweiten Reihe von Asien, über Amerika bis nach Europa einen soliden Start in das Börsenjahr 2026. The old empire strikes back.

Insofern nimmt die einseitige Ausrichtung auf High-Tech ab, was dem Aktienmarkt insgesamt mehr Breite, mehr Stabilität verleiht.

Dabei bietet insbesondere Europa attraktive Value-Werte, die klassische old economy. Schließlich sind sie weltweit breit aufgestellt. Industrietitel haben ihre Produktions- und Absatzstandorte global optimiert. Der Bau- und Grundstoffsektor kommt in den Genuss öffentlicher Aufträge. Und für zyklische europäische Konsumaktien insbesondere aus dem Luxus-Bereich spricht die international verbesserte Kaufstimmung. Finanztitel bieten eine Kombination aus robusten Bilanzen, steigenden Zinsmargen sowie wachsendem Kapitalmarkt- und Kreditgeschäft, ebenso mit Blick auf die Finanzierung der deutschen Konjunkturmaßnahmen.

Auch Rüstungstitel bleiben trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer interessant. Die Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit Europas ist ein Ultra-Marathon. Und Versorgeraktien erhalten Rückenwind von der Energiewende und der strukturell anziehenden Energienachfrage bei höheren Strompreisen.

Grafik der Woche

Auch das europäische Gewinnwachstum spricht eine klare positive Sprache.

Aufgrund der spendierfreudigen US-Wirtschaftspolitik erwartet auch Wall Street ein solides amerikanisches Fundamentalszenario. In den kommenden Quartalen geht es laut Zacks Investment Research beim Gewinnwachstum im Einklang mit verbesserten Konjunkturperspektiven klar nach oben. Um den amerikanischen Aktienmarkt muss man sich auch 2026 keine Sorgen machen. Das gilt auch für den zyklisch orientierten Russell 2000.

Grafik 6: (Erwartetes) Quartalsgewinnwachstum US-Aktienmarkt (S&P 500) Zacks Investment Research

Doch wird die Konkurrenz größer. Wie Europa bieten auch die Schwellenländer neben einschlägig wirtschaftlichen auch Auffangbecken anderer Art, wenn zwischenzeitlich Störmanöver aus dem Weißen Haus auftreten. Die Schwellenländer oder besser gesagt die Neuen Industrieländer zeigen fundamental eine besondere Stärke. Sie gehören immer mehr zum Kern der Aktienfamilie.

Grafik 7: Gewinnwachstum in den Regionen

In der aktuellen Berichtsaison für das IV. Quartal 2025 zeigt sich auf Branchenebene ein gemischtes Bild. Tech-Werte - sie tragen gut ein Drittel zum Gewinnwachstum im S&P 500 bei - bleiben aufgrund ihres intakten Geschäftsmodells wachstumsstark. Doch wird es für Big Tech zunehmend schwieriger, dass hohe Expansionstempo zu halten. Vorübergehend negative Kursreaktionen sind einzukalkulieren. Allerdings begrenzt ein entspannteres Bewertungsniveau die Fallhöhe deutlich.

Grafik 8: Bewertung US-Tech-Aktien im Verhältnis zu ihrem 10-Jahres-Durchschnitt

Apropos High-Tech, während bisher vor allem Unternehmen profitiert haben, die Infrastruktur bereitstellen, wird der Fokus stärker auf Unternehmen der zweiten Reihe fallen, die Anwendungen anbieten: Generative-KI-Anwendungen sowie Software zur Datenverarbeitung und zur IT-Sicherheit.

Dabei sind strategische Kooperationen großer US-Chip-Unternehmen z.B. mit deutschen Industriewerten in Bereichen wie Automatisierung und dem Digitalgeschäft eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Die einen generieren Absatz, die anderen steigern ihre Effizienz und Produktivität.

Grundsätzlich sind die Gewinnaussichten erstmals seit 2018 für alle Sektoren positiv. Dabei verbessern sich die Gewinnaussichten neben Industrie- insbesondere auch für den Grundstoff- und Transportsektor.

Ebenso bleiben Gold und Silber im Trend gefragt, da sich schwarze Schwäne wie der Venezuela-Coup, Trumps Ambitionen auf Grönland, der Unabhängigkeitskampf der Fed, die weltweit steigende Überschuldung bei Bonitätsverschlechterung und Inflationstoleranz der Notenbanken nicht vertreiben lassen. Nach der im Vergleich zu Gold mehr als doppelt so starken Performance von Silber - 148 zu 65 Prozent im vergangenen Jahr - liegt das Verhältnis vom Gold- zum Silberpreis mittlerweile sogar leicht unter seinem historischen Durchschnitt. Damit scheinen die Nachholeffekte abgearbeitet zu sein, was für Silber eine gebremste Dynamik nahelegt. Doch profitiert Silber weiter von seiner breiten Verwendung in puncto Konjunktur, Digitalisierung und den massiven Aufkäufen z.B. von China. Das gilt im Übrigen auch für andere Industriemetalle mit anhaltender Attraktivität von Minenwerten.

Sentiment und Charttechnik DAX - Geglückter Jahresstart, und jetzt?

Dass das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen bei Aktien der Eurozone zuletzt abnahm, signalisiert Sorglosigkeit. Kurze ruckartige Kursrücksetzer sind nicht auszuschließen, bieten aber bezogen auf die o.g. positiven Marktbedingungen längerfristig günstige Einstiegsgelegenheiten.

Grafik 10: Put-Call-Verhältnis Aktienmarkt Eurozone

Die grundsätzlich niedrige DAX-Volatilität signalisiert, dass das Risiko bei Aktien als verhalten betrachtet wird. Der Crash bleibt trotz schwieriger Großwetterlage aus.

Charttechnisch liegen auf dem Weg nach oben die nächsten Widerstände bei 25.300, 25.310, 25.403 und 25.500 Punkten. Kommt es zu einer Gegenbewegung, warten bei 25.240, 25.210, 25.120 und 25.030 Punkten Unterstützungen.

Volkswirtschaftliche Prognosen auf einen Blick

Makro

Kapitalmarkt auf einen Blick

Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG

Von Robert Halver